GREGOR McEWAN: Much Ado About Loving

 

 (Welcome Home Music/ Rough Trade)  Der Wahlberliner Gregor McEwan ist nun also schätzungsweise der hunderttausendste Künstler, der sich als Singer/Songwriter über das Thema Liebe auslässt. Mitunter kann so etwas durchaus spannend sein, besonders dann, wenn neue Facetten, neue Blickwinkel gefunden werden. Daran mangelt es „Much Ado About Loving“ jedoch ziemlich. Dies hier ist eine doch sehr konservative Angelegenheit, routiniert zückt McEwan das Arsenal, welches seiner Sparte zugehörig ist. Klar, die Gitarren sind wichtig, mal mit, mal ohne Strom, dann gibt es häufig ein konturierendes (Bar)Piano, ein Banjo bekommt auch seinen Auftritt und da, wo es dramatisch werden soll, haben sich bereits ein paar Streicher angesiedelt. Man merkt also, alles beim alten. Schön sind die Lieder aber mitunter schon, vor allem die zwei Duette mit der talentierten Tess Wiley wissen zu gefallen. Die gute Tess darf den Beginn der Platte mit ihrem feinen Gesang in „First Leg“ ausgestalten, bis McEwan mit seiner kehligen Stimme daher kommt und, unterstützt von Klavier, E-Gitarre und Streichern, ein emotionales Blockbuster-Kino präsentiert, „and I can´t let go/ of your love and your hands“. So einfach und, das muss man sagen, eindimensional wie diese Textprobe gestaltet sich dieses Album auch im weiteren Verlauf. Das folgende „Postcards And Polaroids“ kommt kneipenrockig auch nur zu folgendem Schluss: „and it´s true/ I can´t and won´t stop loving you“, das ist dann schon ein wenig dürftig. Schön dagegen ist, wie Wiley and McEwan sich in „Joanna“ von gegenüberliegenden Positionen aus aufeinander zubewegen und trotzdem nicht so wirklich zusammen finden. Das spartanische Klangoutfit steht diesem Song im Übrigen besonders gut, so entsteht eine verbindliche Eindringlichkeit, die auch so manchem anderen Song gut zu Gesicht gestanden hätte. Der Country-Schunkler „Silver And Gold“ zeigt dann eine verborgene Stärke dieser Platte auf, denn zwischen dem ganzen Schwermut finden sich immer wieder kleine, humorige Inselchen, auf denen der Schalk im Nacken regiert, „you are so damn cute/ while I´m so rude/ coffee or tea/ I beg your pardon“. Auch ein wenig Schmutz hat dieser Song zu bieten, gut so. In dieser Hinsicht ist dann „Get In, Jamming, Slamming, Ramming“ federführend, welches eine schroffe Gitarre splitternde Töne von sich werfen lässt, die Drums sind dazu schön ungehobelt und McEwans Stimme scheint aus einem Fernsprecher zu kommen. Dieses Ungehobelte steht dem Song sehr gut, vielleicht hätte McEwan hier die Ausdifferenzierung finden können, die dieser Platte leider des Öfteren abgeht. Ein durchaus gefälliges Album ist es dennoch geworden, jedoch wird man den Verdacht nicht los, dass man es hier oftmals mit „Much Ado About Nothing“ zu tun hat.

6 out of 10 stars (6 / 10)

Info: www.gregormcewan.com

(Martin Makolies)