NATHANIEL RATELIFF: Falling Faster Than You Can Run

(Mod Y Vi/ Thirty Tigers/ Al!ve)  Nathaniel Rateliff fängt auf seinem dritten Album gleich ganz unten an, an einem Punkt, wo Ratlosigkeit um sich greift und eine aufbrandende Verzweiflung verursacht, „I don´t know a god damn thing“. In diesem Moment bricht der Mann aus Denver aus dem gemächlichen Songkorsett des Openers „Still Trying“ aus und der Hörer weiß sofort: hier setzt jemand emotional viel aufs Spiel. Solche Ausbrüche sind die Highlights von „Falling Faster Than You Can Run“ aber damit hat es sich noch lange nicht. Nathaniel Rateliff ist einer dieser durchaus klassischen Songwriter, reiht sich ein irgendwo zwischen Kurt Wagner und Will Oldham, hat Geschichten zu erzählen und so manches Lied dazu. Dabei schwankt Rateliff gerne zwischen emotionaler Aufladung und Lakonie, „and if you´re rolling in it long enough/ your shit won´t even smell“. Was auch auffällt: der Mann mag es kontrastreich. Rateliff setzt da zum Beispiel das aufrührerische, pulsierende „Nothing To Show For“ zwischen die gemächlicheren „How To Win“ und „Right On“. Letzteres gefällt sich in einem Outfit, das sowohl dem Jazz als auch dem Soul nahe steht und ist einer der wenigen glücklichen Momente auf dieser Platte. „How To Win“ ist dagegen ein fragiles Kleinod, das so verletzlich und hingehaucht wirkt, dass es auseinanderzubrechen scheint und nur lose durch den gesanglichen Vortrag zusammengehalten wird. Einer der in sich geschlossensten Songs ist das vitale „Don´t Get Too Close“, welches in Vollendung auf Distanz geht und zwischen einem ruralen Beat und zwitschernder E-Gitarre einen lässigen Drive zu etablieren versucht. „Falling Faster Than…“  ist eines dieser Alben, mit denen man sofort warm wird, das klangliche Interieur ist wohlbekannt und mehr als erprobt, das Besondere ist dabei aber, dass Rateliff immer wieder Situationen schafft, in denen die Spannung zum Zerreißen ist. Und dafür muss er gar nicht immer laut oder wild werden, das beweisen „Forgetting Is Believing“ und der Titelsong. Dieser sitzt inmitten der Asche eines erloschenen Lagerfeuers und gibt ein Musterbeispiel für Trostlosigkeit ab. Alles ist verloren, die Hoffnungen haben sich zerschlagen und eine Zusammenkunft ist nicht mehr möglich, „catch me/ you never could“.

7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

Info: www.nathanielrateliff.com

(Martin Makolies)