THE HOLD STEADY: Teeth Dreams

(Razor& Tie/ Washington Square/ Rough Trade)  Ein neues The Hold Steady Album mal wieder, wie schön. In den vergangenen Jahren waren Platten dieser Band immer recht schnörkellose Begleiter auf dem Weg durch den Alltag, die Songs von “Boys And Girls In America” oder “Stay Positive” haben eigentlich immer gepasst und Neil Finns Geschichten hat man immer vergnügt zugehört. Doch „Teeth Dreams“ ist da eine Spur anders. Zum einen fehlt fast komplett das ehemals typische Keyboard im Klangkosmos dieses Albums. Diese Platte ist zuvorderst ein Gitarrenalbum. Das kann man jetzt ein wenig bedauern, führt aber dazu, dass The Hold Steady einige neue Facetten zeigen. Denn durch den Verzicht auf die Tasteninstrumente erhält „Teeth Dreams“ einen deutlich ernsteren Anstrich, die Band hört sich jetzt nicht mehr wie eine spaßige Version von Bruce Springsteen an, sondern geht jetzt ein wenig strenger mit ihren Kompositionen um . Und auch in der textlichen Ausgestaltung wird eine graduelle Verschiebung der Schwerpunkte fühlbar: Neil Finn verzichtet ein wenig auf seinen süffisanten Humor und setzt sich ernsthafter mit den Themen Verzweiflung und Angst auseinander. Schöne, hörenswerte Geschichten entstehen dabei dennoch, denn Finn ist nach wie vor ein messerscharfer Beobachter, wie zum Beispiel „Big Cig“ zeigt. Ansonsten sind The Hold Steady aber immer noch die Band, an deren Lieder man sich ruhigen Gewissens anlehnen kann, diese Musik strahlt eine unverbrüchliche Robustheit aus, verkompliziert nichts unnötig, relativ  einfache Rockmusik, die jedoch im Detail immer wieder raffinierte Varianzen in der Melodieführung offenbart. Damit strahlt auch „Teeth Dreams“ wieder eine hochstehende aber dennoch einfache Kunstfertigkeit aus, die man begierig in sich aufnimmt. Das Menü mag zwar einfach sein, man bekommt aber einfach nicht genug davon.

7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

Info: www.theholdsteady.net

(Martin Makolies)