NEONSCHWARZ: Fliegende Fische

NEONSCHWARZ: Fliegende Fische

(Audiolith/Broken Silence) Warum erst jetzt? Diese Frage ging mir durch den Kopf, nachdem ich die am 19. September erscheinende Platte, „Fliegende Fische“, der Hamburger Zeckenrap-Kombo NEONSCHWARZ zum ersten Mal hörte. Ich bin etwas genervt, denn mit dieser „späten“ Veröffentlichung hat sich das Quartett, bestehend aus Marie Curry (der wundervollsten Stimme Hamburgs), Captain Gips, Johnny Mauser und DJ Spion Y, meiner Meinung nach keinen Gefallen getan! Warum? So haben sich die vier die Chance verbaut, das beste Album des Sommers auf den Markt zu schmeißen. Schade! Das soll es mit meiner negativen Kritik auch schon gewesen sein.

Ansonsten wurden meine Erwartungen von einem Album voller Utopie, Politik und dem Wunsch nach einer besseren Welt einerseits,  aber auch wie gewohnt mit einer Menge Spaß und einem Augenzwinkern andererseits, vollkommen erfüllt.

Wer NEONSCHWARZ oder die Soloprojekte der beiden Crew-Mitglieder Captain Gips und Johnny Mauser kennt, wird sich vorstellen können, worum es in den zwölf Tracks mit insgesamt 45 Minuten Spieldauer geht. So wird beispielsweise im Song „2014“ der bundesweite Rassismus auf eine beeindruckende Weise angeprangert. Ein weiteres zentrales Thema, die Gentrifizierung, findet im Track „Unser Haus“ seinen Platz. Die Platte bietet mit seiner Textlastigkeit aber bei weitem mehr und bietet somit eine Menge Raum zum Nachdenken –  kein Platz für Langeweile also!

Niedlich finde ich die Hommage an den ansonsten im Hintergrund agierenden DJ. NEONSCHWARZ zeigen mit dem Song „Ypsilon“ sehr gut, dass Spion Y ihr DJ und ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der, wie sie sich selbst gerne nennen, Schwizzys ist.
Apropos Schwizzys: Wer NEONSCHWARZ gerne besser kennenlernen möchte, sollte den Track „Die Schwizzys“ hören, in dem sich die vier ihren (neuen) Hörerinnen und Hörern in einer Art musikalischem Elite-Partner-Account vorstellen – Ich würde sie daten!

Zum Lied „Fliegende Fische“ sei nur gesagt, dass ich während des ersten Hörens eine Gänsehaut bekam. Liegt es an der Schwerelosigkeit, die dieser Track vermittelt? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eines: mein absoluter Lieblingstrack der Platte! Für eine fette Ladung guter Laune sei euch die erste und bereits als Youtube-Video veröffentlichte Single „Hinter Palmen“ ans Herz gelegt. Nachdem ich nun am Ende meiner Review angelangt bin glaube ich, dass die Veröffentlichung im Herbst von vorherein einen Sinn hatte –  Die Platte soll uns Sonne und Energie in Form von Musik in der dunklen Jahreszeit spenden.

9 out of 10 stars (9 / 10)

Info: www.facebook.com/NeonschwarzHamburg