White Arrows – In Bardo

White Arrows - In Bardo

(Votiv / Caroline / Universal) Der buddhistischen Lehre zu folge, ist der Bardo die Übergangs-Existenz zwischen Tod und Wiedergeburt. Er beschreibt den Zustand, der gleichzeitig das Ende einer Existenz und den Anfang eines neuen Lebens bedeutet. Mit ihrem zweiten Album ist die Band aus Los Angeles buchstäblich „In Bardo“, in einem kreativen Zustand, der sie ihre bescheidene Herkunft verlassen lässt und sie auf einen höhere Ebene bringt.

Die Geschichte von White Arrows begann durch einen Fehler – einen Fehler, der sich als gute Sache herausstellte. Es geht um das Gefühl, wenn man außer sich ist, weil man seinem Körper zu viele schlechte Dinge angetan und kaum geschlafen hat – aber trotzdem irgendwie gehemmt ist. Sänger und Gitarrist Mickey Church kennt dies Gefühl sehr gut. In diesem Zustand klimperte er auf einem batteriebetriebenen Keyboard, dabei entstand sein erster Song „Coming or Going“. Weitergereicht an Freunde, erreichte der Song auch das Nylon Magazine, worauf eine Flut an Angeboten von potenziellen Plattenfirmen folgte. Trotzdem entschied Church sich dazu, erst einmal die Schule zu beenden. Mit dem Schulabschluss in der Tasche, trommelte er in Los Angeles ein paar Freunde zusammen, um das Projekt in ernsthafte Bahnen zu lenken und eine vollständige Band zu formieren. Das war die Geburtsstunde von White Arrows.

Frühere Vergleiche steckten die Band in eine Schublade mit MGMT, Outkast, LCD Soundsystem, Flaming Lips und Empire Of The Sun, wobei man nach der ersten Single-Veröffentlichung („Get Gone“) eher Verweise auf Vampire Weekend-ähnliche Afripop-Rhythmen und Calipso-Einflüsse fand. Aber eigentlich leben White Arrows mit ihrem Sound auf einem eigenen Planeten.

Das 2012 veröffentlichte Debüt-Album „Dry Land Is Not A Myth“ eröffnete den Kaliforniern eine neue, weite Welt und brachte ihnen nichts als positives Feedback ein. Sie spielten Konzerte mit Weezer, !!!, Santigold, The Naked And Famous oder The Neighbourhood und tourten mit White Demin durch Großbritannien. Ein Auftritt beim Coachella-Festival 2013 machte sie endgültig zu ernsthaften Mitstreitern der Szene. Trotzdem hatte ihr Debüt den Sound einer Band in ihrer Kindheit. Eine Band, die sich jeden Tag weiter entwickelt und weiter entfaltet. Eine Band „In Bardo“.

Aufgenommen an der Küste von West LA, ist das zweite Album gleichzeitig die erste Aufnahme der White Arrows im Studio. Die Philosophie für „In Bardo“: „Fuck it.“, ergab sich durch intensives Touren und durch die Höhen und Tiefen des Musikbusinesses, die man laut Mickey nur mit einer „I-don’t-give-a-fuck“-Mentalität ertragen kann.

Das Album hat etwas Magisches in sich. Etwas Meditatives, Rituelles, etwas Aufbrechendes. Sicherlich liegt das auch daran, dass die Band sich zum ersten Mal Hilfe von einem Produzenten holte, der es schaffte Mickey Churchs Ideen umzusetzen. Die Musik ist dunkel und schwer, jedoch auch irgendwie befreiend, sowie jede gute Musik sein sollte. Es ist eine tanzbare Platte, die mehr hat als nur Beats. Das ist elektronischer Pop für Kopf, Herz und Dancefloor.

In Bardo“ bringt das Beste der späten 70er und frühen 80er zurück, eine Zeit, in der Pop die neuen Technologien begrüßte und diese in neue Formen verzerrte. Nur dieses Mal ist es Musik gemacht von Kindern des digitalen Zeitalters. Eine Zeit, in der alles möglich ist. Sie mögen aus einem glücklichen Versehen entstanden sein, aber mit ihrem zweiten Album haben sich White Arrows definitiv eine Stufe weiterentwickelt. Das ist lebendiger Pop – komplex, emotional, dunkel, psychedelisch, aber trotzdem Pop-Musik.

Info: www.facebook.com/whitearrows