Douglas Dare: Aforger

(Erased Tapes/ Indigo) Adoleszenz ist mitunter eine harte Sache. Rumschlagen darf sich damit Douglas Dare auf seinem zweiten Album. Seine Gefühlswelt ist in Schräglage und mit dem wie folgt ausformulierten Mantra gut zusammengefasst: „Ignorance is my bliss/ don´t want to fall out of this/ freedom is slavery/ my mind won´t ever help me“.

Daraus wird aber kein eindimensionales Gejammer, Dare hat auf „Aforger“ einen Vielseitigkeitswettbewerb ausgerufen, ohne dass die Sache überladen daherkommt. Seine Songs bestehen aus wiederkehrenden Komponenten, die immer wieder neu zusammengesetzt werden, alles jedoch im Dienste des Songs, dessen Kern immer greifbar bleibt.

Besonders die Percussions zeigen sich wandelbar, oft erscheinen sie zögerlich, verspielt und schüchtern, stolpern auch gerne mal über die eigenen Füße, bleiben aber immer struktur-dienlich. Es ist faszinierend, wie die Drums und Beats klackern, rascheln und kreisen, ohne dass dies als pure Studiospielerei wahrgenommen wird. Dares Stamminstrument ist jedoch das Piano, welches nicht selten das Rückgrat der Songs darstellt. Manchmal erscheint es, als ob das Piano unter Wasser aufgenommen wurde, die einzeln angeschlagenen Töne kommen aus der Ferne und sind wundersam verwaschen. Ein großartiges Beispiel für den geglückten Einsatz des Klaviers ist „Oh Father“, in dem Dare seinen Vater sprichwörtlich ins Gebet nimmt und von ihm bedingungslose Liebe und Unterstützung einfordert. Hier gibt es keine ablenkenden Scharmützel, nur die monotonen Anschläge am Klavier und einige sparsam eingesetzte Synthie-Streicher. Dieser Songs ist entwaffnend direkt und klar, so dass jede Verzierung oder Verästelung nur stören würde.

Diese Direktheit findet man sicherlich nicht überall auf der Platte. Sie taucht aber in „Stranger“ nochmals auf, welches, von tieftraurigen Bläsern gestützt, ernüchtert und erschöpft einen lagen Weg geht. Hier ist die Instrumentierung wieder äußerst sparsam, so dass das Stück umso klarer erscheint.

Generell ist das Zusammenspiel von raffinierten Percussions, Piano und Bläsern nichts Neues, man kennt das von Künstlern wie James Blake oder Patrick Wolf, doch muss man unbedingt festhalten, dass Douglas Dare ein wahrer Zauberkünstler in der geschickten Anordnung besagter Komponenten ist. Dass darüber hinaus auch immer ein starker Song im Mittelpunkt steht, wertet das Ganze natürlich noch auf. Stücke wie „Venus“ oder „Greenhouse“ verankern sich mühelos im Gedächtnis des Hörers und werden dort auch den ganzen Winter bleiben.

7 out of 10 stars (7 / 10)

Info: www.facebook.com/douglasdaremusic