Jim James: Eternally Even

(Capitol/ Universal) Sophisticated Soul mit psychedelischer Note des Frontmannes von My Morning Jacket! Hätte man nicht unbedingt mit rechnen können. Obwohl Jim James in seiner Karriere so einiges versucht und wieder verworfen hat. Der neue Anzug sitzt aber sehr gut, ausufernde Instrumentalpassagen, einmal sogar mit orientalischem Einschlag( in „Same Old Lie“) treffen auf den typisch zurückgelehnten, diesmal aber mit drängender Botschaft ausgestatteten Gesang. Das Leben ist kurz, die Politik ist korrupt, der Status Quo liegt nah am Untergang.

Deswegen steckt trotz der vollmundig ausgearbeiteten Arrangements ein Stachel des Unwohlseins in dieser Musik, die gleichzeitig lasziv und weltlich ist. Der Bass und das Schlagzeug erzeugen einen Zeitlupenfunk, der sich begleitet durch Keyboards, Streicher und Bläser lässig entrollt. „Hide In Plain Sight“ und besagtes „Same Old Lie“ sind ein genüsslich groovendes Zwillingspaar zum Auftakt dieser Platte, der Sound ist dezent cool und trotzdem bohrt da etwas Dringliches in den neun Songs von „Eternally Even“.

Der satte Hip Hop-Beat von „Here In Spirit“ kontrastiert wunderbar mit dem glasig kristallinen Gesang von James, wobei der luftig hymnische Refrain fast schon wie eine dynamische Lockerungsübung mit weihevollem, sakralen Unterton wirkt. In solchen Momenten staunt man durchaus über den leichtfüßigen Umgang James mit seinen Kompositionen. „Eternally Even“ wohnt durchaus Schwere inne, doch wird diese meist locker transportiert und vermittelt. Ganz sanft streichelt „The World´s Smiling Now“ den Hörer, tröstet, wo es Trost bedarf, und kuschelt sich ganz tief ins Genusszentrum seines Publikums. Das ist Musik, um Schiffen beim Vorüberziehen zuzuschauen oder den Weg der Wolken zu verfolgen, lässig in Groove und Melodie, handzahm und mild. „We Ain´t Getting Any Younger“, geteilt in einen instrumentalen Part und einen mit Gesang wirkt dagegen sinister, geheimnisvoll, mitunter bedrohlich. Keyboard-Drones und entfernt grollende Percussions entfalten einen Klang, der sich tief in die Geheimnisse der Nacht eingeschrieben hat, die sirenenhafte Keyboard-Melodie, die nach und nach vom Song Besitz ergreift und dann in einen psychedelischen Schattensee einmündet, fungiert als Wegweiser, als Signalgeber und als Landmarke, die von den anderen Instrumenten umströmt wird. Beim Einsetzen des Gesangs ist der Hörer bereits weichgekocht und lässt sich von James´ Carpe Diem-Botschaft gehörig einlullen. Und so wirkt es, als verstünde man die Botschaft, allein, eine Reaktion darauf bleibt aus.

Es ist immer wieder die Mischung aus Zutraulichkeit und Bedrückung, die eine künstlerisch interessante Schräglage erzeugt, die Jim James gar nicht auflösen mag. So weckt er ein latentes Unbehagen, das trotz anmutiger, harmonisch aufgeladener Instrumentierung kein rechtes Wohlbefinden aufkommen lassen will. „Eternally Even“ bleibt somit trotz großer Eleganz ein unbequemes Album, allerdings erst, wenn man sich zwischen die Zeilen dieser Platte vorgearbeitet hat.

7 out of 10 stars (7 / 10)

Info: www.facebook.com/jimjamesmusic/