Pavo Pavo: Young Narrator In The Breakers

(Bella Union/ Pias[Coop]/ Rough Trade) Pavo Pavo aus Brooklyn liefern auf ihrem Debüt „Young Narrator In The Breakers“ gleich mal einen späten Erweckungsmoment des Pop-Jahres 2016. Da geht die schwelgerisch und schwebend vorgetragene Strophe von „Ran Ran Run“ in einen tanztrunkenen Uptempo-Refrain über, der jede Vorsicht und Zaghaftigkeit beiseite legt um einfach Spaß zu haben. Das nennt man dann wohl Pop in seiner ursprünglichsten und direktesten Form.

Im weiteren Verlauf des Albums wartet man folglich darauf, dass sich solch losgelöste Melodieexplosionen wiederholen mögen, doch so ticken Pavo Pavo eher nicht. Die Platte gefällt sich darin, kompositorisch in die Breite zu gehen, die Melodiebögen genüsslich auszukosten, das retrofuturistische Albumcover gibt da schon die nötigen Hinweise. Hier wabern die Synthesizer, die Gitarren schlingern traumtrunken durch surreale Strandszenarien, alles wirkt sonderbar körperlos und leicht. „Annie Hall“ erweist verschlafen den Beach Boys der „Pet-Sounds“-Ära seine Referenz, nirgends wird fest zugepackt, man sieht die Melodien gedankenverloren vorbeiziehen und lässt sich von den ohohohs und aaaahs umschmeicheln. So zärtlich wie in „Wiserways“ wurde wahrscheinlich ein Tornado noch nie besungen, der narkotische Schlagzeugbeat transportiert den Song in ein trüb-blasses Psychedelic-Schlummerland und man fragt sich immer wieder, ob noch mal so eine zwingende Popmelodie wie zu Beginn der Platte auftaucht.

Da wird man jedoch „enttäuscht“ , beziehungsweise gelangt man zur Einsicht, dass die träge Gangart dieser Platte am besten steht. Denn es ist so: immer, wenn Pavo Pavo auf zwingende, einfache Popmomente aus sind, erscheint das Geschehen ein wenig erzwungen und banal. Lieber kuschelt man sich in die pastellfarbenen Tändeleien wie „Belle Of The Ball“ ein. Dieses Stück zeigt unter anderem mal wieder auf, dass der 70er Soft Rock momentan eine gute Wertanlage für aufstrebende Indie-Bands darstellt. Es entsteht immer aufs Neue der Eindruck, man würde einer Utopie aus der Vergangenheit beiwohnen, so, als würden sich die Hippies in 1968 das 21. Jahrhundert zurecht fantasieren. „The Aquarium“ ist zum Beispiel sehr ambient, lässt Bilder eines Atlantis in voller Blüte aufleben, die Bewegungen sind träge, der Blick ein wenig verwässert und wieder labt man sich an sanften Berührungen von Synthesizern und weichen Flöten.

„2020, We´ll Have Nothing Going On“ bringt die Platte dann konsequent zu Ende. Es wird noch mal klare Popmelodik ins Boot geholt, jedoch nachhaltig mit dem Weichzeichner behandelt, so dass auch hier die Ecken und Kanten unkenntlich werden. Dass ausgerechnet im Schlusstrack eine latent düstere Gitarre zum Einsatz kommt, lässt das Album auf einer dunklen Note ausklingen, ein wenig Ambivalenz zum Abschluss tut „Young Narrator In The Breakers auch wirklich gut. Wenn man Pavo Pavo nämlich etwas vorwerfen möchte, ist es der Umstand, dass dieses Album ein wenig zu ausgiebig in der psychedelischen Schwelgerei festhängt und sich ein wenig zu selten traut, konkret im Sinne von klar und eindeutig zu werden. Ein Mischung aus Träumerei und handfestem Pop hätte diese Platte noch faszinierender gemacht, so handelt es sich aber immer noch um einen kuschelweichen Ausflug in surreale Zukunftsklischees aus der Vergangenheit.

7 out of 10 stars (7 / 10)

Info: www.facebook.com/pavopavohouse