Japandroids: Near To The Wild Heart Of Life

(Anti/ Epitaph/ Indigo) Auf ihrem Debütalbum verkündeten die Japandroids seinerzeit, dass sie sich keine Sorgen mehr über das Sterben machen wollten. Lieber wollten sie an die „Sunshine Girls“ denken. Nun, diesen Wandel hat das kanadische Duo auf ihrer dritten Platte musikalisch eindeutig vollzogen. Statt neurotischem Chaosgeschrammel setzt es auf „Near To The Wild Heart Of Life“ gut situierten Wohlstandsrock. Die Produktion ist sauber, die Refrains laden zum Mitsingen ein( diese werden neuerdings mehrstimmig skandiert) und es wird peinlich darauf geachtet, dass sich niemand von den Songs blaue Flecken holt.

Damit wird natürlich der Albumtitel Lügen gestraft aber das ist bei weitem nicht das Schlimmste. Die Japandroids haben mit ihrer neusten Platte eine Art amerikanisches Road-Movie erschaffen, welches sich der musikalischen Traditionen dieser Sparte durchaus bewusst ist, öfter klingen Springsteen und Tom Petty an. Dies sind dann die gelungenen Momente des Albums, zu nennen wäre da „True Love And A Free Life Of Free Will“. Die Weite der Landschaft wird spürbar, auch das Schicksal eines einsam Wandernden, weil man den Gitarren Platz zum herum stromern lässt und das Stück nicht mit einem sattgefressenen Refrain überfrachtet.

Anderes ist deutlich weniger gelungen. Das Titelstück ist recht simpler Pop-Punk abzüglich infantiler Blink 182- Albernheit. Über „Arc Of Bar“ kann man sich dann so richtig ärgern. Breit aufgestellter Machismo-Rock wird mit billigem Keyboard-Tand aufgetakelt und muss sich dann noch eine ordentliche Portion weiblichen Backround-Gesang einverleiben. Eigentlich sind neue Elemente im Bandsound ja durchaus willkommen, wenn diese aber nur eingesetzt werden, um davon abzulenken, dass der Song nicht genug Substanz für drei Minuten hat, geschweige denn für sieben, ist das nur Zeitverschwendung.

Würde dieses Album aus dem nichts kommen, man befände es für nett und würde dann weiter gehen. Aber „Near To The Wild Heart Of Life“ stammt von der Band, die mit ihren ersten beiden Alben gehörig Alarm geschlagen, massenweise die Hörer wachgerüttelt hat. Ihre Musik war gefährlich, verlockend und ganz und gar nicht gesund, kurz, sie war mit das Aufregendste, was dieses Jahrtausend bisher zu bieten hatte. Dieses Album operiert jedoch aus einer erschreckend selbstgefälligen Zufriedenheit heraus, ist so borniert, blass und vorhersehbar, dass es aus dem Stand nur zu langweilen vermag.

 

(4 / 10)

 

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