The Flaming Lips: Oczy Mlody

(Bella Union/ [pias] Cooperative/Rough Trade) Die Band der kleinen und großen Schrullen mit der außerordentlichen Veröffentlichungswut begrüßt uns im neuen Jahr und das bedeutet mal wieder eine große Freude für den scheuklappenlosen Hörer. Erste Besonderheit diesmal: der Albumtitel und zum Teil die Songtitel sind auf polnisch, keiner weiß warum. Ansonsten sei aber gesagt, dass „Oczy Mlody“ das zutraulichste Flaming Lips- Album seit Ewigkeiten ist. Größere Klangexperimente werden vermieden, klare Melodien, freilich meist ein wenig nebulös dargeboten, stehen im Mittelpunkt und nehmen die Songs an die Hand.

Direkt der Titeltrack findet sich zwar im interstellaren Nebelsumpf wieder, veranstaltet dort aber durchaus nachvollziehbare Turnübungen. Und auch das folgende „How???“ gibt sich nahbar, es fehlt eigentlich nur der zupackende Beat, um aus dem Stück Chartsmaterial zu machen. Stattdessen gibt es kosmisches Soundgezwitscher, ein wenig Verfremdung muss bei dieser Band qua Satzungsstatut ja immer sein. Generell scheint diese Platte zwischen Weltraum und verwunschenem Zauberwald zu pendeln, „There Should Be Unicorns“ ist der beste Beweis dafür. Die Synthesizer gurgeln und purzeln vor sich hin, Trockeneisnebel legt sich über psychedelisches Tableau und nicht nur die Spoken Word- Passage am Ende deutet darauf hin, dass die Flaming Lips auch auf cool machen können. Überhaupt benutzt Wayne Coyne ziemlich häufig das Wort „Fuck“ in all seinen Abwandlungen. Dabei hört er sich wieder wie der milchbärtige Teenager an, der im Werkkeller seines Vaters ein Drogenlabor entdeckt hat.

Diese Stimme weckt aber vor allem Vertrauen, das in „Sunrise( Eye Of The Young)“ mit einer wahnsinnig träumerischen Melodie, sowie kuschelbedürftigem Piano und Federbett-Streichern belohnt wird. Es fällt immer wieder auf, dass die Flaming Lips sich dem Pop zuwenden, ohne bombastisch oder pathetisch zu werden, mithin der große Unterschied zu früheren Pop-Glanztaten der Band. Dieses Album verschwendet kein üppiges Arsenal an Instrumenten für den jeweiligen Song, einzelne kleine Ideen werden stattdessen selbstbewusst ausformuliert. So ist die Wirkung entsprechend groß, wenn „Galaxy I Sink“ von einer erdigen Westerngitarre aus dem Orbit in den Staub herabgezogen wird, sparsamer Einsatz der Mittel, beeindruckendes Resultat.

„Do Glowy“ und „Listening To The Frogs With Demon Eyes“ zeigen dann nochmal deutlich auf, worum es den Lips dieses Mal zu gehen scheint: eine reflektierte Reise ins Innere, man bleibt eher introvertiert und wenig expressiv, man will scheinbar nur ein einfaches Lied singen und abwarten, welche Klänge sich noch hinzugesellen. Fast könnte man stellenweise von einer Art Ambient sprechen. Das vortrefflichste Beispiel für die innere Ausrichtung der Songs ist „Almost Home( Blisko Domu)“. Zunächst gibt sich dieser Track als trippige Reisemusik, die allmählich auf das entfernte Wetterleuchten am Horizont zustrebt. Doch der vorwärts gerichtete Beat schlägt in einen introvertierten Groove um, statt einer Schussfahrt durch äußere Landschaften setzt sich nun die Reise nach innen fort.

Oftmals empfindet man „Oczy Mlody“ als das Werk eines Einsiedlers, der Blick nach innen gerichtet, keinerlei Ausbrüche durch die Oberfläche der Songs, ein Album der selbstgewählten Einsamkeit. Wäre da nicht dieses versöhnliche Abschlussduett mit Miley Cyrus, wo selbige Wayne Coyne musikalisch die Hand reicht und ihm aufzeigt, dass auch außerhalb des eigenen Kopfes Erfüllung und Glück warten . Kein Wunder, dass besagtes Stück „We A Famly“ als einziges hymnische Gesten vortragen darf. Ansonsten ist „Oczy Mlody“ ein zurückgenommenes Werk, welches seine Stärken aus den zauberhaften (Gesangs-) Melodien und seiner konzentrierten Schau nach innen zieht. Die Flaming Lips sind zurück im Pop, den Bombast legen sie jedoch altersmilde beiseite.

7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

Info: www.facebook.com/flaminglips