STRAND OF OAKS: Hard Love

(Dead Oceans/Cargo) Tim Showalter hat keine leichte Zeit hinter sich, verlor er kürzlich doch beinahe seinen jüngeren Bruder durch einen massiven Herzfehler. Dies war ein fieser Widerhaken, der ihn unvermittelt in die Realität zurückholte. Vorher gab es da lange Zeit nur das exzessive Tourleben mit Drogeninduktion und RundumdieUhr-Partys. Der neueste Output seines Projektes Strand Of Oaks versucht nun beides einzufangen. Die Alltagsprobleme und Verantwortlichkeiten eines Erwachsenenlebens und die Reaktion darauf, draufgängerischer Eskapismus.

Dieser hört sich in „Everything“ hedonistisch schwül an, breit ausgreifende Gitarren glitzern und spiegeln sich in einer Pfütze vor einem angesagten Großstadtclub. Der Sound ist mächtig, das Schlagzeug pumpt und der Gesang trägt eine schnoddrige Arroganz in sich. Showalter wollte, dass seine Songs auf „Hard Love“ monolithisch klingen, in diesem Fall klappt es sehr gut. Vorsichtiger gibt sich der titelgebende Auftakt, hier tastet der Amerikaner sich vorsichtig nach vorne, wiegt diese „hard love“ in den Händen, kostet sie auf seiner Zunge aus, noch unsicher, ob sie Rettung oder Untergang bedeuten wird. Doch ein Wille zur unprätentiösen Hymne scheint bereits durch. Dieser wird in „Radio Kids“ dann völlig ausgelebt. Ein energiegeladener Rocksong mit Keyboard-Veredelung, den auch The Gaslight Anthem nicht verachtet hätten. Hier taucht das Motiv der Flucht in die Jugendzeit überdeutlich auf.

„Salt Brothers“ ist da zurückhaltender aber ebenso sehnsüchtig, Glitzergitarren, die auch mal kräftig aufjaulen stehen auf einer mondbeschienenen Lichtung, die genau der richtige Ort für einen solch weihevollen Refrain sind. Showalter mag übrigens Gitarrensoli gerne, im famosen „On The Hill“ versteckt sich ein solches noch leicht im Hintergrund, in dem Stones-mäßigen „Rest Of It“ wird das Solo dem Hörer jedoch feucht und fröhlich ins Gesicht geklatscht, hier ist er dann auch, der unbezahlbare Rock and Roll-Eskapismus, volle Breitsaite.

Das ist aber wie gesagt nur die eine Eigenschaft von „Hard Love“. Die etwas eindimensionale Klavierballade „I Cry“ und das episch ausufernde Abschlussstück „Taking Acid And Talking To My Brother“ zeugen deutlich davon, dass sich hier mit schwerwiegenden Sorgen rumgeschlagen wird, die es erst nötig machen, vor etwas zu fliehen und abzutauchen. Der größte Verdienst von „Hard Love“ ist sicherlich, dass es unverbraucht abwechslungsreich ist, keine Pose wird wiederholt, wirklich jeder Song gräbt woanders seine Eigenschaften aus. Dieses Album ist genauso in der Nähe von Iggy Pop beheimatet wie bei den Fleet Foxes, ist gwandt und wandelbar, verschreibt sich keinem Stil langfristig, zerfällt aber auch nicht in seine Einzelteile, Ernst und Spaß in trauter Freundschaft.

(7 / 10)

Info: www.deadoceans.com/artist.php?name=strandofoaks