SPOON: Hot Thoughts

(Matador/ Beggars/ Indigo) Wäre man dieser Band nicht ohnehin schon verfallen, man müsste nur den Titelsong, gleichzeitig erstes Stück des neuen Albums, hören, um zu wissen: Spoon sind Könner, ganz große.Wie unnachahmlich geschmeidig sich der Rhythmus von „Hot Thoughts“ anschleicht auf einem roten Samtteppich und dann von einer wehmütigen Gitarrenfigur in die Irre geführt wird, ist mehr als erstaunlich, sexy melancholy. Auch auf dem neunten Album sind Spoon Meister der Bewegung, in der jedes Instrument in den Sog der Rhythmik gezogen wird, sei es Gitarre, Piano oder auch Glockenspiel. Das verlässliche Auffinden von eingängigen Melodien ist obendrein ein Joker, den Spoon immer wieder ziehen.

Da brodeln die Keyboards in „WhisperI´lllistentohearit“ geheimnisvoll, Britt Daniel changiert mit seiner Stimme wieder zwischen Trockeneis und Halsentzündung und man kann sicher sein, das Ding legt noch richtig los. Und so kommt es auch, die Rhythmusgruppe pfeffert den Song schlussendlich auf ein höheres Level. Es fällt nicht schwer, vom Fleck weg sehr angetan zu sein von „Hot Thoughts“. Alles passt von Anfang an, jede Pose sitzt, jeder Beat, jeder glitzernde Gitarrenkleinigkeit, jedes galoppierende Klavier fügt sich wunderbar ein. Doch so manches Mal, in der Langzeitwirkung, ist man fast ein wenig gleichgültig gegenüber der dargereichten Perfektion. Denn „Hot Thoughts“ ist unzweifelhaft ein Hochglanzprodukt, dass sich ohne größere Herausforderungen an den Hörer anschmiegt, Leidenschaft, die aus Leiden erwächst, wird nur blassiert angedeutet.

„Do I Have To Talk You Into It“ mit Stakkato-Piano und einem kehligen Gesang ist ein Abbild von Ekstase und Gefühlserruption, ohne wirklich wagemutig oder ein riskantes Unternehmen zu sein. Das wäre bei jeder anderen Platte ein riesen Kritikpunkt, bei diesem Album überwiegt aber immer wieder das Faszinosum des perfekten Popsongs. Das tiefenentspannte „Pink Up“ posiert so selbstsicher in einem trägen Hedonismus, dass man nur betört zuhören kann, das Xylophon bugsiert einen direkt auf eine weitläufige Bettenlandschaft, das Licht gedämmt, die Muskeln relaxed. Da ärgert man sich auch nicht über das geringe Gewicht von „Can I Sit Next To You“, welches einfach nur ein oberflächlicher Popsong ist, der Beat so süß, die Klänge vom Keyboard so hypnotisch, Hauptsache, ihr habt Spaß.

Und mit „Shotgun“ gibt es dann noch einen richtigen Überhit, der auf halber Strecke von „I Was Made For Loving You“ hin zu ultimativer Club-Coolness abbiegt. Man kann Spoon routinierte, abgeklärte Könnerschaft attestieren, vielleicht sogar vorwerfen, doch wenn dabei 10 Songs rauskommen, die den ganzen jungen Indie-Tanzboys zeigen, wie man das macht, sollte man sich nicht beklagen.

 

(6,5 / 10)

 

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