TEMPLES: Volcano

(Heavenly/ [PIAS] Cooperative/ Rough Trade) Die Magie der Kindheit…Dieser Moment, wenn man eine Mark von einem entfernten Verwandten zugesteckt bekam und damit schnell zum Büdchen gerannt ist, Süß kaufen. Würde das Geld noch für die überlebensnotwendigen drei Cola-Kracher reichen, vielleicht sogar noch für ein paar bunte Schnüre? Das war der große Zauber, befeuert durch kindliche Sehnsucht. Diese Gefühlswelt lassen Temples auf ihrem zweiten Album glorreich aufleben, alles funkelt verspielt bunt, die Stücke durchzieht ein unverrückbarer Optimismus, die Melodien stupsen einen neckisch an und alles wird gut. Die Synthies sind als Fanfarenerzeuger beschäftigt, Querflöten und Klarinetten sorgen für ein munteres Wald- und Wiesenfeeling und auch die Gitarren schrauben an den großen, naiven Melodien.

Das eröffnende „Certainty“ besitzt bereits eine unschlagbare, leitmotivische Melodie, die unbesehen zur Nationalhymne fürs Nimmerland taugen würde, als Kirsche on top gibt’s dann auch noch einen zuckersüßen Refrain. „(I Want To Be) Your Mirror“ führt dann die zutraulichen Holzblasinstrumente spazieren, die E-Gitarre glitzert mysteriös im Hintergrund und wieder finden Temples einen traumhaft versponnenen Refrain, der sich in den Song nahtlos einfügt. Manchmal erinnern Temples auf „Volcano“ an die frühen T.Rex, so in „Oh The Saviour“ und „In My Pocket“, wenn das melodische Gerüst von Akustikgitarren gebildet wird. Meistens sind es jedoch synthetische Tasteninstrumente, die die Melodiebögen vorgeben und den Gesang untermalen. Das Zusammenspiel aus Gesangslinie und Keyboard ist zum Beispiel in „Celebration“ besonders gut gelungen. Und dann gibt es noch diesen unglaublich betörenden Moment in „Born Into The Sunset“. In ein luftiges Schweben schmeißt Sänger James Bagshaw unerwartet einen Refrain, der die Euphorie der Kindheit in wenigen Tönen zusammenzufassen scheint. Das ist derart betörend, dass einem die Freudentränen die Wangen hinunterkullern.

Solche Momente hätte es auf dem Debütalbum von Temples so nicht gegeben, da sie sich auf „Sun Structures“ dem großen melodischen Höhepunkt noch ein wenig verweigert haben. Jetzt trauen sich die Jungs aus Kettering die kompromisslos große Melodie, ganz einfach, weil sie es können und damit mächtig auftrumpfen, keine Versteckspiele hinter der Sonnenbrille mehr, wir sehen jetzt die Augen von Temples und diese sind voller Freude und Sonne.

 

(7,5 / 10)

 

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