TIM KASHER: No Resolution

(Grand Hotel Von Cleef/ Indigo) Versetzen wir uns kurz zurück an den Beginn dieses Jahrtausends. Ich meine genauer die Zeit, als das Saddle Creek- Label so richtig on fire war. Aus Omaha, Nebraska in die Welt. Eine Speerspitze dieser Bewegung war Tim Kasher. Mit seinen Bands The Good Life und Cursive lieferte er mindestens zwei Meilensteine der Indie-Musik ab, „The Ugly Organ“ und „Album Of The Year“. Letzteres war ein wundervolles Trennungsalbum, womit wir auch schon bei „No Resolution“ wären. Thematisch ist dieses nämlich ähnlich gelagert. Es geht um die Irrungen und Wirrungen der Liebe, mit einem deutlichen Akzent auf dessen Endphase.

Kasher hat sich die Mühe gemacht, seine Stücke aufwendig zu orchestrieren, was in sofern nicht verwundert, da das Album gleichzeitig ein Filmsoundtrack ist. Besonders auffällig und schön sind die instrumentalen Interludes, die die „richtigen“ Songs wieder aufgreifen. Das Wichtigste aber ist: Kasher schreibt nach einer längeren Durststrecke endlich wieder starke Lieder. Dabei ist besonders die erste Albumhälfte ein trauriges Fest, mit „Runts“ gelingt ein Einstieg, der wieder das typische Kasher-Feeling erzeugt. Melancholie und Niedergeschlagenheit sind vorherrschend, doch haben diese einen fast schon manischen Anstrich. Mit „Break Me Open“ folgt der stärkste, weil emotional ergreifendste Song. Kasher ist am Boden, lässt Streicher und getupftes Klavier an sich vorbeiziehen und versteht die Welt nicht mehr. Er findet gerade noch die Kraft, eine geradlienige Melodie zu finden, die so ans Herz geht wie lange nichts mehr von Kasher.

Mit „No Secret“ findet ein bisschen chaotischer Rock Einzug ins Album, welcher vor allem durch den Wechsel von Ausharren und Ausbruch an Eindringlichkeit gewinnt. Bei „Holding Out“ ist es dann der Kontrast aus balladesker Strophe und Bläserfuror, der das Stück zu etwas Besonderem macht. Bis hierhin handelt es sich ausnahmslos um starke Statements von Kasher, der endlich wieder sein Händchen für eindringliche Melodik und wirkungsvoll ausgestattete Kompositionen gefunden hat, einen liebevollen Umgang mit seinem Ausgangsmaterial.

Leider schwächelt dann der zweite Teil von „No Resolution“ etwas, wird beliebiger. „Hollow“ ist als weitschweifende Rocknummer konzipiert, verliert sich aber eine wenig in der schwerelosen Orientierungslosigkeit und auch „Not Over You“ ist zwar interessant instrumentiert, wirkt aber im Kern etwas beliebig. Großartige Ausnahme ist „An Answer For Everything“, dessen sich hochschunkelnde Streicher im Refrain für ein seltenes Hochgefühl der Zufriedenheit sorgen, ein kleiner Funken Positivismus im Missmut einer partiell starken Platte, die leider zum Ende hin etwas nachlässt. Dennoch ist „No Resolution“ ein Zeichen dafür, dass Tim Kasher nichts verlernt hat und das fühlt sich gut an.

 

(6,5 / 10)

 

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