BRITISH SEA POWER: Let The Dancers Inherit The Party

(Caroline/ Universal) Manchmal sind Befindlichkeiten zur Musik geradezu paradox: da veröffentlicht eine heißgeliebte Band ihr vielleicht typischstes Album und trotzdem kommt man nicht um die Einschätzung herum, dass British Sea Power mit „Let The Dancers Inherit The Party“ den Tiefpunkt in ihrer Vita erreicht haben. Warum? Weil typisch hier heißt, dass alle Ecken, Kanten und Besonderheiten des Sixtetts aus Brighton abgeschliffen wurden und nur das Gerüst übrigbleibt. Das heißt, man wird von dem feuchten Nebelhauch des Gesanges wieder eingelullt, nur hört sich dieser diesmal unbeteiligt und gleichgültig an. Zudem gibt es scheinbar keine großen Melodien diesmal, die die Stimme wie in der Vergangenheit hinzaubern könnten. Die perlenden Gitarren, die schimmernd sonnig das Korsett der früheren Songs gebildet haben, sind auch wieder da. Nur wissen die vor lauter Langeweile nicht, was sie wirklich machen sollen.

„Bad Bohemian“, International Space Station“, das sind Songs, die sich wie die Silouette eines British Sea Power- Songs anfühlen, man vermisst aber die Ideen, die diese Hülle mit Leben füllen könnten. Man hat das Grfühl, die Band verhökert ihre Musik jetzt in einem 1 Euro-Laden. Richtig ärgerlich wird es, wenn „Keep On Trying( Sechs Freunde)“ ertönt. Dieser albern-pubertäre Quatschsong nervt mit seinem Sex Freunde-Geshoute, biedert sich auf das Billigste an die Indie-Disco an und füllt seine Inhaltsarmut mit klebriger Teenager-Wichse auf, dass es richtig weh tut. Damit ist dann aber zum Glück die Talsohle durchschritten, British Sea Power betreiben auf der zweiten Hälfte des Albums Schadensbegrenzung.

Das zwielichtige „Electric Kittens“ vermittelt mit seinem schleppenden Aufbau und dem diesmal passenden Schmachtgesang so etwas wie ambivalente Emotionen, friedlicher Verdruss, oder so. Besagter Gesang kippt dann in „Saint Jerome“ sogar mal kurz ins Hysterische, eine echte Wohltat und ein kleiner Tritt in den Hintern. Auch der Schlussteil von „Praise for Whatever“ bietet einen feinen Moment, wenn die aufkommende Schroffheit in ein wenig Knisterfolie gepackt wird. Ärgern muss man sich dagegen wieder über „Don´t Let The Sun Get In The Way“. Hätte es wirklich diesen weiblichen Gänseblümchenchor gebraucht? Ich denke nicht. Doch zumindest haben die Briten auf der zweiten Plattenhälfte begriffen, dass man schon noch richtige Songs mit wasserdichten Ideen braucht, um das Publikum zu erfreuen. Da darf es auch gerne mal in den ganz niedrigen Tempobereich gehen, wie in „Want To Be Free“ und „Alone Piano“. Nach hinten raus retten British Sea Power noch gerade so ein Album, was es dennoch eigentlich nicht gebraucht hätte. Ideenmäßig sitzt „Let The Dancers Inherit The Party“ nämlich weitestgehend auf dem Trockenen und legt Zeugnis von einer satten, selbstzufriedenen Band ab, sehr schade!

 

(4,5 / 10)

 

www.britishseapower.co.uk