BLACK LIPS: Satan´s Graffiti Or God´s Art?

(Vice/ Polydor/ Universal) Beim achten Album der Black Lips könnte man es sich mal wieder leicht machen: Retro-Button draufgepappt und gut ist. Oder vielleicht doch nicht? Denn zwei Fakten lassen aufhorchen. Zum einen hatte diese Band schon immer ein Abonnement auf den Punk-Rock, wusste diesen aber immer mit der Ästhetik der 60er und 70er zu verbinden. Der zweite Grund wiegt aber deutlich schwerer: die Black Lips kopieren nicht einfach einen vergangenen Sound und kassieren damit bei den Nostalgikern ab, nein, mit ihrer Musik bezeugen sie, das Rock and Roll mal eine heiße, gefährliche Angelegenheit war. Und dabei kommt es als Letztes auf einen sauberen Vortrag an.

Nur einmal, beim wehmütig verschmusten „Crystal Night“, dokumentieren die Black Lips, dass sie sich auch als potentielle Schwiegersöhne gut machen würden. Konsequenterweise wird dieselbe Chorbesetzung, die „Chrystal Night“ noch in den Romantik-Himmel gehoben hat, im darauf folgenden „Squatting in Heaven“ von einem hitzigen Saxophon zu schmuddeligen Höchstleistungen angetrieben, was das Bild von dieser Formation wieder ins rechte Licht rückt. Denn Black Lips suchen nach dem Schmutz, nach den zerkratzten Oberflächen. Auf „Satan´s Graffiti Or God´s Art?“ kann man nämlich wunderbar heraushören, wie aus dem schwarzen Blues der giftige Rock`N´Roll wurde, den die Stones Mitte der 60er auf die Jugend losgelassen haben und der von Iggy und seinen Stooges dann noch mehr zum Wahnsinn getrieben wurde.

Wunderbare Fallbeispiele sind die räudige Verzweiflung von „Can´t Hold On“, welches von Sänger Cole Alexander wunderbar heiser durchs Gelände getrieben wird. „The Last Cul de Sac“ stellt sich dann etwas breitbeiniger auf, lässt den Groove mächtig ausholen und demonstriert eine coole Lässigkeit, die darauf hinweist, dass sich diese Band bei dem ganzen Höllenfeuer nicht allzu sehr anstrengen muss. Denn die Black Lips wollen eher eine Attitüde rüberbringen, statt den nächsten Indie-Hit zu landen. Lieber die nikotingelben Finger zu einem Fuck You erheben, als sich Gedanken um die eine große Killermelodie zu machen.

Dies führt leider zu einem kleinen Dilemma, wenn man dieses Album bewerten soll. Der Sound, nachlässig produziert und dezent unrasiert, passt wunderbar, man fühlt sich mit der Platte in dieser Hinsicht definitiv wohl. Doch das Kernproblem existiert beim puren Songmaterial. Die Black Lips halten offensichtlich nicht viel davon, ihre Musik prägnant zuzuspitzen. Und so fehlen ein wenig die Momente, bei denen man wirklich aufhorcht, die sich ins Gedächtnis festsetzen. Atmosphäre und Stimmung sind auf den Punkt da, die Songs selbst schwächeln mitunter. Der „Lucid Nightmare“ zum Beispiel hat neben kratzigem Gesang und dezent giftigen Gitarreneinschüben nicht wirklich einen zündenden Mehrwert, verkommt ein wenig zur Klangtapete. Dies geschieht auf „Satan´s Graffiti Or God´s Art?“ dann doch das ein oder andere Mal zu viel, als das man sich diesem Album leidenschaftlich und in Gänze hingeben könnte. Da passt es, das mit „It Won´t Be Long“ eine Lennon/McCartney-Nummer der Höhepunkt der zweiten Albumhälfte ist. Den das Songwriting, hier sitzt es perfekt.

6 out of 10 stars (6 / 10)

Info: www.facebook.com/theblacklips