CLOWNS: Lucid Again

(This Charming Man/ Cargo) Für alle, denen eine kommerzielle Verwässerung von harter Gitarrenmusik die Zornesfalten auf die Stirn treibt, gibt es feine Neuigkeiten aus Australien. Die dort ansässigen Clowns haben ein vorzügliches Statement in Sachen schnörkelloser aber energetischer Rockmusik abgegeben, welches der heiligen Trias aus Gitarre, Schlagzeug und Bass huldigt.

Bevor wir sagen, was alles in dieser Musik drinsteckt, erwähnen wir erst mal, was weggelassen wurde, pop-affine Mitgrölrefrains nämlich und das ist mindestens genauso wichtig für „Lucid Again“, wie die halsbrecherischen Gitarren, der grummelnde Bass und das hyperventilierende Schlagzeug. Aus Punk, Hardcore und Schweinerock wird ein hochexplosives Destillat gebraut, welches in seiner grimmigen Aggression und mit unermüdlicher Energie den Power-Button stoisch triggert. Man kann sich den Sound von Clowns als eine weniger stiernackige Version von The Bronx vorstellen, würde aber mit diesem Vergleich einige markante Bestandteile dieses Albums ausblenden müssen.

Die ersten drei Minuten des Titelsongs sind nämlich purer Grunge, bevor mit ausladendem Schlagwerk und dauerlaufenden Gitarren die nächste Brachialitätsstufe eingeläutet wird. Auch der Streckgalopp von „Like A Knife In A Gunfight“ pulverisiert jede Anstandsformel, der Song puscht und drückt, findet etwas Ruhe mit einer säuselnden Akustikgitarre, bevor der pure Punk-Wahnsinn gut geölt in die Spur prescht. Überhaupt ist „Lucid Again“ eine unheimlich bewegliche, flüssige Angelegenheit. Abgesehen von einigen ruhigeren Einschüben, in denen die Kräfte gebündelt werden, ist das dritte Album von Clowns eine rasante Hatz durch verrauchte Kellergewölbe und über die versifften Tanzböden vom autonomen Zentrum um die Ecke.

Dass mit „Not Coping“ ein neunminütiger Koloss am Ende steht, der sogar einige Progrock-Anleihen in sich aufnimmt, macht Clowns noch lange nicht zu Pink Floyd, sondern zeigt nur, dass sie ihren gemeingefährlichen Punkrock auch über eine längere Strecke unter Spannung halten können. Die ganze Wahrheit, die dann dem Album erst wirklich gerecht wird, ist, dass besagtem Endsong drei fetzige, kurze Molotovcocktails voraus geschickt werden, die als Ingredienzen pures Feuer und Adrenalin beinhalten. „Lucid Again“ ist eine berfreiende Nahkampfübung, ohne Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker, reißt teilweise mit dem Arsch ein, was es mit den Händen aufgebaut hat und ist ein knorriger, aggressiver Spaß, der sich nicht durch melodische Kompatibilät der Radiokundschaft anbiedert, sondern rank und schlank in die Schlacht zieht. Heute wird gewonnen bitte!

 

7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)