TALL SHIPS: Impressions

( Fat Cat/ Al!ve) Tall Ships aus Brighton werden mit ihrem Zweitwerk „Impressions“ mit Sicherheit nicht für feuchte Hände bei den Hipstern in den Metropolen sorgen, dafür ist ihr Sound nicht avantgardistisch genug. Denn die Musiker aus dem United Kingdom arbeiten größtenteils mit der verlässlichen aber auch wenig aufregenden Formel des Gegenüberstellens von nachdenklicher Ruhe und weltumarmender Emphase. Der Opener „Road Not Taken“ ist dafür eine regelrechte Blaupause. Es geht unheimlich zurückgenommen, man könnte auch sagen, niedergeschlagen los, trotz der Eröffnung „It´s a beautiful morning“. Dies ist der Sound, zu dem man sich im Bett noch mal umdreht, das Kopfkissen über den Kopf gezogen. Doch dann geht es los, ausladend federnde Drums und stürmische Gitarrenwände begleiten das Stück hin zum erlösenden Refrain. Einen Song so aufzubauen setzt sich natürlich der Gefahr aus, zu sehr nach Schema vorzugehen. Doch das Gefühl erscheint in diesem Fall aufrichtig und echt, so dass man den Auftakt als gelungen einschätzen kann.

Tall Ships sind in der Folge so klug, das im Auftaktsong verwendete Rezept nicht blind zu recyceln. „Will To Life“ gibt sich mit seinem waveigen Rhythmus eine wohl dosierte Energie-Spritze, die das Stück zielsicher zur Tanzfläche delegiert, den lebendig-euphorischen Refrain gibt’s als Bonus obendrauf. „Petrichor“ öffnet selbstbewusst seine Arme für die große Umarmung, die Zutaten sind wohlbekannt, in weniger begabten Händen wären sie vielleicht abgenutzt, doch Tall Ships wissen, wie große Melodiebögen gehen, und das Spiel aus drängender Hymnik und zurückgezogener Behutsamkeit beherrschen sie gekonnt und routiniert. Und so geht es über die ersten zwei Drittel munter weiter. Großartige Melodien, stürmische Rockismen und zartes Säuseln, kombiniert zu packenden Songs. Gesondert erwähnen sollte man unbedingt „Meditations On Loss“, dessen Refrain sich ultraflüssig aus der Strophe herausschält und einem kleinen Erweckungserlebnis gleichkommt. Wer in diesen Momenten nicht ein breites Lächeln auf sein Gesicht gezaubert bekommt, hat seine Befindlichkeiten ins Tiefkühlfach gestellt.

Eigentlich könnte man an dieser Stelle die Rezension mit einem wohlwollenden, positiven Fazit beschließen, wären da nicht die abschließenden drei Songs. Diese schrauben die Dramaturgie erheblich runter, gefallen sich durch ein orientierungsarmes Schwelgen und verflüchtigen sich recht gleichgültig in der Belanglosigkeit. Die Spannung zwischen laut und leise, das Pendeln zwischen Trauer und Euphorie, welches Tall Ships über weite Strecken so trefflich verknüpft haben, weicht einer Unentschlossenheit, die sich darin äußert, dass den letzten drei Songs die gewissen Momente fehlen. Hier versuchen die Briten, den Sieg ausschließlich über die Atmosphäre einzufahren, doch das geht leider schief, das es an kompositorischer Substanz mangelt. Dies bedeutet also, dass ein eigentlich recht gelungenes Album auf den Schlussmetern gehörig schwächelt, es kommt der Eindruck auf, als hätten Tall Ships am Ende der Distanz ihre Motivation und ihre zündenden Ideen eingebüßt

 

6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)