AT THE DRIVE-IN: In-ter A-li-a

( BMG/ Warner) Es gibt deutlich dankbarere Aufgaben, als das Comeback-Album einer heiß geliebten Band aus der Jugendzeit zu besprechen. Nicht nur für den Schreiber dieser Zeilen, sondern für eine große Zahl derer, die ihre musikalische Sozialisation um die Jahrtausendwende vollzogen haben, war „Relationship Of Command“ von At The Drive-In ein heiliger Gral und unverzichtbarer Bezugspunkt für die eigenen musikalischen Vorlieben, ein revolutionäres, bewusstsseinssprengendes Manifest für das, was mit den vier Buchstaben R, o , c und k im neuen Jahrtausend möglich sein könnte.

Doch dann war plötzlich Schluss, die Band hielt dem selbsterzeugten Druck nicht stand und kollabierte in sich zusammen, Ende, aus. Sechzehn Jahre später nun ein Neustart, ein vielbeachtetes Wiederaufleben. Und dabei wünscht man sich fast die Gnade der späten Geburt. Denn wenn man noch nie zuvor einen Schnipsel Musik dieser Band gehört hätte, „In-ter A-li-a“ das Debütalbum einer Newcomerband wäre, man würde diese Platte gehörig abfeiern als druckvolles, angriffslustiges Rockalbum, dessen melodische Ausrufungszeichen weithin schallen.

Denn At The Drive-In wollten offensichtlich vor allen Dingen zeigen, dass sie noch brennen, dass der hyperventilierende Furor der Vergangenheit auch heute noch den Antrieb für ihre einzigartige Musik bildet. Soweit funktioniert das auch prächtig. Besonders die ersten fünf Songs des neuen Albums drücken, drängen, geben Gas, behalten dabei aber eine große Varianz in den Waffen der Wahl. „No Wolf Like The Present“ besitz direkt zu Beginn wieder diese am Limit schraddelnden Gitarren, deren Saiten Funken schlagen und für eine maximale Reibung sorgen. Das Schlagzeug spielt mit dem Messer am Hals, Energie wird erzeugt und in einer Explosion freigesetzt. Dass Cedric Bixler-Zavala dazu wieder seinen höchst alarmierten, hysterischen Feueratem speit, ist ein höchstwillkommenes Extra.

Neben der puren Energie, die diese Musik in sich trägt, sind es vor allem die markerschütternden Melodien, welche manchmal wie es scheint aus dem Nichts auftauchen und die Songs erst so richtig veredeln. Bestes Beispiel ist „Tilting At The Univendor“, das mit kollosalem Refrain eine noch höhere Intensitätsstufe erklimmt. Auch das fatale „that´s the way the guillotine claps“ aus „Governed By Contagions“ wird man nicht mehr los.

Es gibt also genug Gründe, auch dieses Album zu lieben und zu ehren. Da ist aber eine Sache, die verhindert, dass man „In-ter A-li-a“ in die selbe Qualitätsstufe wie die früheren Großtaten einordnet. Dieses Comeback-Album ist nämlich deutlich geradliniger als das frühere Schaffen der Texaner. Auf „In-ter A-li-a“ geht es mit ordentlich Krawall immer geradeaus, die Augen sind immer nach vorn gerichtet. Dadurch geht der Musik von At The Drive-In das aberwitzige Gefühl verloren, dass sich die Kompositionen gleichzeitig in alle Richtungen bewegen, dass sich im selben Moment mehere Songs auf einmal entrollen. Kurz, das bahnbrechende Element fehlt den neuen Erzeugnissen dieser Band. Dies wäre aber fast unmöglich gewesen und kann von einer Band auch nicht erwartet werden. Deswegen sollte man sich freuen, dass At The Drive-In immer noch lichterloh brennen, inzwischen ihre furiosen Einfälle aber etwas übersichtlicher anordnen.

7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

Info: www.atthedriveinmusic.com