BEACH FOSSILS: Somersault

( Bayonet/ Cargo) „Somersault“ von den Beach Fossils aus Brooklyn trägt einen charmanten Widerspruch in sich. Da strahlen diese luftigen Songs eine angenehme, sommerliche Wärme aus, die flockigen Arrangements sind leicht verständlich und finden schnell Einlass in die Ohren des Hörers. Doch andererseits ist da eine gewisse Unnahbarkeit, was den Gesang und die Haltung von Frontmann Dustin Payseur betrifft. Man kommt nicht so recht ran an diesen verwaschenen, wie durch eine Nebelwand durchschimmernden gesanglichen Vortrag und besonders zuverlässig scheint Payseur auch nicht zu sein: „No, I won´t be there in time“.

Eine gewisse Gleichgültigkeit durchweht diese leichten, hauchzarten Stücke, emotional wird nicht zu stark forciert, alles bleibt in der Schwebe, Musik, die einen mit plingernden Gitarren und gerade in der ersten Albumhälfte mit abgefederten Streichern unaufdringlich becirct. Dabei haben die Beach Fossils ihr Instrumentarium durchaus erweitert. Neben besagten Streichern gibt es in „Saint Ivy“ florale Flötentöne und ein verträumtes Gitarrensolo. Doch kompositorische Schwere ist den Beach Fossils völlig fremd. Lockere Rhythmen, die das fein ziselierte Gitarrenwerk ohne große Anstrengung durch die Songs tragen, transparente, weichgezeichnete Gesangsmelodien, die zwar nicht allzu deutlich akzentuiert sind, dennoch einen gehörigen Wiedererkennungswert haben, all das lädt zum narkotisierten Träumen ein.

Es fällt dabei schwer, sich einzelnen Songs beschreibend zuzuwenden, denn alle 11 Stücke sind durch einen gemeinsamen Geist und einen schwerelosen Touch geprägt. Erwähnen muss man aber unbedingt „Tangerine“, dessen Refrain sich streichergezuckert besonders wohlig in der Hängematte räkelt. Ein bisschen weniger luftig ist das unwirkliche „Be Nothing“, welches sogar etwas zähflüssig um einen markanten Bass gewickelt ist. Hier setzt sich die immer wieder durchscheinende Niedergeschlagenheit in den Texten auch einmal musikalisch in Szene.

Doch gemeinhin herrscht distanzierte Beschwingtheit, wie im fast schon majestätischen „Closer Everywhere“, dessen Geigenstriche den Himmel noch ein Stück weiter öffnen. Ungewohnt ist hier die durchaus machtbewusste Gitarre, die dieses Stück selbstsicher durchschreitet und für eine seltene, diesseitige Konturierung sorgt.

Die Beach Fossils haben sich also auch auf diesem Album den leichten Zugriff auf ihre Musik bewahrt, ihre Palette aber in Maßen erweitert. Dies ist immer noch Wohlfühlindie für einsame Spaziergänge in der sonnigen Jahreszeit, doch wird die stilistische Selbstbeschränkung an geeigneten Stellen immer wieder kunstvoll aufgebrochen. So schmeckt der Sommer!

7 out of 10 stars (7 / 10)

Info: www.bayonetrecords.com/pages/beach-fossils