CIGARETTES AFTER SEX: self titled

( Partisan/ PIAS/ Rough Trade) Was soll man von einem Musiker halten, der sich wünscht, dass seine Musik vor allem beim Einschlafen helfe? Keine Ambition, die Menschen aufzurütteln oder zu verblüffen? Kein Auftrumpfen auf großer Bühne? Nein, dies alles wird Greg Gonzales mit seiner Band Cigarettes After Sex sicher nicht erreichen. Denn tatsächlich taugen die Songs auf ihrem gleichnamigen Album hervorragend zum Wegdriften und Einschlummern. Doch bis es soweit ist, kann man so manche schöne Kleinigkeit vorbeiziehen sehen.

Denn dieser Ambient-Pop lässt viel Raum für unaufgeregte Nostalgie, entblättert in aller Bescheidenheit anschmiegsame Melodien, die den Blick zurück zu einem melancholischen Vergnügen werden lassen. Auf diesem Album wird nämlich der Herzschmerz zwar in aller Ausgiebigkeit verhandelt, jedoch in einen romantisierenden Seidenmantel gehüllt, so dass die Stiche und Brüche nicht allzu sehr schmerzen.

In „K“ geht es ganz klassisch los, die ersten Zeilen zeugen von erwachender Liebe, „I remember when I first noticed/ that you liked me back“ sind die ersten unschuldigen Worte. Die Gitarren prominieren in lockerer Haltung durch den Hintergrund, der Bass setzt ein paar dominante, tiefe Töne in den trüben Tag hinein und man empfindet den abgemilderten Schmerz einer vergeblichen Liebe wie durch einen transparenten Vorhang.

Gonzales´ androgyne Stimme passt in ihrer geschlechtlichen Neutralität sehr gut zum allgemeinen Schwebezustand der Musik, man bekommt die Songs nicht wirklich zu greifen, lässt sich aber zum Beispiel von „Each Time You Fall In Love“ gerne umwehen. Dieses Stück besitzt in all seiner Zartheit dennoch genug Charakter um nicht beliebig zu wirken. Dieser Umstand lässt sich für so manches Stück auf „Cigarettes After Sex“ konstatieren. Großes Highlight ist „Apocalypse“, dessen romantisierter Gitarrenlauf direkt in die Nostalgieecke der späten 50er führt. Greg Gonzales singt hier erstaunlich akzentuiert, öffnet damit schummrig beleuchtete Tunnel in die Vergangenheit und gönnt sich und uns einen der seltenen markanten Refrains. Textlich werden poetische Bilder für alltägliche Liebesrituale gefunden, „kisses on the forehead of the lovers/ wrapped in your arms“

Leider gelingt es Greg Gonzales und seiner Band nicht immer, das richtige Verhältnis von zurückhaltendem Schwelgen und anrührender Melodik zu finden. Manches zieht recht belanglos vorbei, hier taugt die Musik tatsächlich lediglich als Einschlafhilfe, „Flash“ ist so ein Fall, der narkotisierte Singsang kann auch nicht von der feinen Twin Peaks-Gitarre so richtig zur Geltung gebracht werden. „Opera House“ dagegen zeigt eindrucksvoll, wie man ohne bemühte Dramatik ein fesselndes Stück Schlafzimmerpop erschafft. Keyboards und flötenartiges Instrumentarium erschaffen eine irreale Atmosphäre, die von einzelnen Gitarrenklängen und nicht zuletzt Gonzales´ Gesang mit einer schwer fasslichen Spannung aufgeladen wird. Hier braucht es wenig musikalische Handlung, um die verschiedenen Formen der romantischen Nostalgie aufleben zu lassen.

Mitunter ist dies die größte Stärke von Cigarettes After Sex, sie lassen im Kopf des Hörers einen Art House-Liebesfilm ablaufen, getaucht in körniges schwarz-weiß. Dabei geht es weniger um konkrete Geschehnisse, sondern um die Gefühlszustände der handelnden Figuren, die in kleinen Gesten oder

der Umgebung ablesbar werden, ein wenig so wie bei Michelangelo Antonioni. Damit fesselt die Brooklyner Band nicht zu jeder Zeit, wunderbar verträumte Tableaus entstehen jedoch immer , und zum Einschlafen reicht es auf jeden Fall.

6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

Info: www.cigarettesaftersex.com