DO MAKE SAY THINK: Stubborn Persistent Illusions

(Constellation/ Cargo) Im Großen und Ganzen ist das Genre des Post-Rock einen eher bedauerlichen Weg gegangen. Wo Mitte bis Ende der Neunziger noch ein unverkrampfter Experimentiergeist geherrscht hat, versteiften sich viele Bands ab der Jahrtausendwende auf eine gewisse Schablonenhaftigkeit. Die Formel sah allzu häufig folgendermaßen aus: ein ruhiges melodisches Motiv wird vorgestellt, nach und nach wird es von diversen Klangerzeugern mehr und mehr ausgebaut und intensiviert, bis man am Ende auf dem Berggipfel angekommen ist und besagte Grundidee in einer( leider viel zu oft) pathetischen Supernova explodiert.

Do Make Say Think haben sich seit jeher solch gen Himmel orientierten Steigerungsläufen verweigert. Bei ihnen ging es nicht nur immer weiter vorwärts, in ihren experimentell ausgelegten Stücken spielten Schritte zur Seite oder gar nach hinten meist eine entscheidende Rolle. Den klassischen Aufbau von leise nach laut, von zart zu brachial, gibt es bei ihnen eigentlich nie.

Das heißt nicht, dass es auf „Stubborn Persistent Illusions“ nicht gehörig knallen kann. Der Opener „War On Torpor“ ist dafür ein anschauliches Beispiel, nur leistet das Stück sich keinen langwierigen, melancholischen Alibi-Auftakt, sondern steigt mit engagierten Drums direkt intensiv ein. Eine selbstbewusste Gitarrenmelodie nimmt sich ihren Platz ohne groß um Erlaubnis zu fragen und man ist direkt mittendrin in einem belebten Strudel, der auch noch ein aktionsfreudiges Klavier als Zutat beisteuert. Auch „And Boundless“ stellt sich nicht erst langwierig vor, signalhaftes Orgelgetute, tiefschwarze Drones und dazu wieder ein Schlagzeug, das sich aktiv in den Vordergrund bollert. Diese Stücke haben die Intensität eines fragwürdigen Trips, bei dem man nicht weiß, ob am Ende die große Erfüllung oder der Untergang stehen werden.

Doch sind diese wuchtigen Aktivitäten nicht das Stammresort von Do Make Say Think. Die wahre Attraktion sind die gemächlichen, auf die Spannung von verhaltener Intensität ausgerichteten Stücke. So tastet in „Horripilation“ eine zurückhaltende Gitarre ein moderat ausgeprägtes Relief aus Höhen und Tiefen ab, ohne sich aus der Grundruhe bringen zu lassen. Dies ist meditativ und hypnotisch, man setzt sich dieser Form von Musik mit voller Aufmerksamkeit aus. Bei „Her Eyes On The Horizon“ zweifelt man noch, ob das eigene Abspielgerät richtig funktioniert, derart vorsichtig und mit langer Vorlaufzeit setzen die sanften Percussions ein. Kurz darauf ist man erstaunt ob der Stilistik, Country- und Folkanleihen machen es sich träge in der Sonne gemütlich, völlig ohne Leistungsdruck aber mit warmen, selbstvergessenen Gitarren. „A Murder Of Thoughts“ ist eine flirrende Mittagsfantasie, lässt unter brennender Sonne den Horizont zerfließen und stattet seine träge Gangart mit einer unheimlich weit in den Raum ausgreifenden Steel Guitar aus.

Das Auskosten von musikalischen Situationen, die Konzentration auf Zwischentöne mit großer Leidenschaft führt dazu, dass sich auch dieses Album in die ausnahmslos starken Erzeugnisse einer Band einordnet, die ihre Nische mit einer großen Varianz und Vielschichtigkeit auskleidet. Wenn die Werke anderer Postrock-Bands Bildbände von Berggipfeln sind, ist das Schaffen von Do Make Say Think ein Bilderbuch über die ganze Erde, mit Flüssen, Wüsten und Ozeanen, denn Do Make Say Think decken mit ihrer Musik einen unheimlich großen Bereich ab.

(8 / 10)

Info: www.facebook.com/DoMakeSayThink