NIGHTLANDS: I Can Feel The Night Around Me

(Western Vinyl/ Cargo) Man möchte gar nicht wissen, wie viel Stress Dave Hartley bei seiner Hauptbeschäftigung als Bassist bei The War On Drugs abbekommt, es muss jedenfalls ziemlich viel sein. Denn wie sonst könnte man sich „I Can Feel The Night Around Me“ erklären, diese Kollektion aus Stücken, die Aufregung und Anspannung gar nicht erst in ihre Nähe kommen lässt. Wenn man ein bisschen gemein sein will, könnte man behaupten, Hartley habe sich die Aufgabe gestellt, ein Album mit der geringstmöglichen Auffälligkeit zu erschaffen.

Es plätschert und fließt derart ungestört vor sich hin, dass man sich selber irgendwann atmen hört und kurz davor steht ins Reich der Träume abzudriften. „Lost Moon“, „Moonbathing“, Hartley scheint ein Schlafwandler zu sein und das steckt auch in seinen Songs drin. Ein mild abgedämpfter Kopfgesang, ein lässig entschleunigtes Schlagzeugspiel und die Gitarren funkeln auch mal schüchtern durchs Fenster. Diese Musik braucht keine Handlung, keine wirkliche Dramaturgie und fasziniert ein Stück weit durch ihre scheinbare Ereignislosigkeit. Markant ist es, wenn ein weichgezeichnetes Saxophon in den Auftaktsong hineinschaut oder irgendwo im weiten Hintergrund ein Piano die Treppe hinaufschwebt. Das birgt natürlich immer eine gewisse Melancholie in sich, richtig schwermütig wird es aber nicht, dafür sind die Melodien und Harmonien zu leicht gezeichnet. „Depending On You“ schwingt locker aus der Hüfte, wie die Tennisübungen eines rüstigen, alten Herren und wenn „Easy Does It“ berichtet, „there´s a shadow man living inside of me“, hat dies zwar einen gespenstischen Touch, weil die Stücke generell nicht sehr stark durchblutet sind, doch wird der Kampf mit den eigenen Dämonen eher zu einem wohligen Ringen zwischen Bettdecke und Kissen.

Und dort findet man allerhand Glitzerwerk, welches den Songs eine feine, funkelnde Patina verleiht. Helle Keyboardklänge, Glockenspiel, zarte Streichertupfer, es wird einiges aufgefahren, um dieses Album ein wenig aufzuhübschen. Und man ist auch erst einmal dezent bezaubert von dieser weichen, wohligen Welle der Entspannung und zwar so lange, bis man festgestellt hat, dass hinter den lieblichen Klängen kein wirklicher Charakter steht. Denn in den seltensten Fällen haben die Songs mehr zu bieten als genüssliche Tändelei. Es gibt hier und dort ein wenig textliche Ambivalenz( ihr wisst schon, der Shadowman), doch meistens begnügen sich die Songs damit, ein behagliches Setting für einen ausgedehnten Mittagsschlaf zu bereiten. Da freut man sich direkt, wenn „Only You Know“ ein paar melodische Reminiszenzen an die Kuschelrunden beim Tanztee in den 50ern aufbietet, da diese einen gewissen Charakter besitzen. Auch die vorsichtig intensivierte Dynamik von „Moonbathing“ beglückt über die erste Sympathie hinaus, fächert noch etwas Reggae ein und zeigt auf, wie sich dieses Album hätte erfolgreicher präsentieren können. So versumpft „I Can Feel The Night Around Me“ in seiner eigenen Bequemlichkeit und wirkt zu satt, zu zufrieden. Als Stresstherapie für Dave Hartley reicht es aber dicke.

5.5 out of 10 stars (5,5 / 10)

Info: www.facebook.com/Nightlands