THE AFGHAN WHIGS: In Spades

(Sub Pop/Cargo) Momentan fühlen sich die Kinder der Neunziger wahrscheinlich wie im Himmel. Bands, tot und begraben geglaubt, feiern allenorts muntere Wiederauferstehung, letztens Slowdive oder Ride und At The Drive-In haben ja auch was neues abgeliefert( mehr dazu in Kürze). Bereits seit 2012 wiedervereinigt ist die Truppe, die im Jahrzehnt vor dem Millenium Grunge und Soul zusammengebracht hat und deren Sänger immer das kleine bisschen mehr als die anderen gelitten hat. Das Comeback der Afghan Whigs( „Do To The Beast“) war dann so halb gelungen, die alten, liebgewonnenen Eigenschaften tauchten in eher mittelmäßigen Songs auf, die mit dem Hauptwerk der Band nicht wirklich mithalten konnten.

Nun gibt es einen neuen Anlauf, „In Spades“ geht in sportlichen 35 Minuten durchs Ziel und erlaubt sich wenig Experimentelles. Die Songs sind insgesamt recht glatt und geschmeidig, was aber in diesem Fall kein Kritikpunkt ist, denn Greg Dulli und seine Kollegen haben auf dieser Platte den Zugang zu zwingenden, überlebensgroßen Melodien und Spannungsbögen gefunden. Dadurch neigt „In Spades“ zwar mitunter zu einem gewissen Bombast, dieser findet jedoch seine Entsprechung in gekonntem Songwriting, soll heißen, die orchestrale Üppigkeit überdeckt mitnichten einen etwaigen Mangel iim Kompositorischen.

Absolutes Highlight ist „Arabian Heights“, welches verschiedene Möglichkeiten des energetischen Drummings durchexerziert, eine gefährlich funkelnde Stromgitarre im Nacken hat und obendrein Greg Dullis Gesangsspektrum vom Wimmern bis zur kolossalen Hymnik einbezieht. Bereits vor diesem Stück verblüfft „Birdland“ mit sehr artifiziellem da isoliertem Streichereinsatz und schiebt eine dieser subtilen aber berührenden Gesangsmelodien durch die Hintertür. Ungewohnt lebensbejahend ist „Toy Automatic“ geraten, welches kernige Percussions mit sahnigen Streichern ummantelt und unterstützt durch Dullis entschlossenen Gesang einer herbeigesehnten Erlösung ganz nahe kommt.

Das sind die Momente, in denen einem auffällt, wie eindeutig und klar die Afghan Whigs diesmal operieren. Die Schattenseiten sind zwar eindeutig da, doch geben sich diese hier auch eindeutig als solche zu erkennen und vermischen sich nicht mit strahlenden Oberflächen. Ein Stück wie „Copernicus“ positioniert seine kräftiges Skellet in den Vordergrund, Gitarren, Schlagzeug, Gesang, die ganzen Zutaten, die früher nebulös und zweideutig eingesetzt wurden, erhalten von den Whigs klare und konkrete Aufgaben. Es entstehen schöne, recht geradlinige Songs, denen man aber das Herzblut nicht absprechen kann.

Dies liegt natürlich wie bereits erwähnt an Dullis Stimmeinsatz, der durch alle Facetten hindurch aufs Ganze geht. Wenn sich dann wie in „The Spell“ eine nocturne Orgel und markante Streicher hinzugesellen, ist der emotionale Impact vorprogrammiert.

Die Afghan Whigs waren schon mal vielseitiger, verspielter und auch ein gehöriges Stück zwielichtiger. Dies mag man durchaus bedauern, doch kann man dieser Band nicht absprechen, dass sie immer noch ihren ganzen Gefühlskosmos ins Rennen schicken. Und so bekommt man ein Album, dass emotionale Aufrichtigkeit in berückende Melodien packt. Vielleicht reicht das schon…

7 out of 10 stars (7 / 10)

Info: www.afghanwhigs.com