ALGIERS: The Underside Of Power

( Matador/ Beggars/ Indigo) Ein Album wie ein wütender Peitschenhieb ist Algiers Zweite geworden. Damit wir uns richtig verstehen, im Kern reden wir hier von einem Soul- und Gospelalbum. Nur gehen die Amerikaner eben das Wagnis ein, diese emotionalen Spielarten der schwarzen Musik mit schroffem Industrial, wütendem Synthiegezirpe und alrmierend wüsten Gitarrenfestzen zu vermischen. Bereits der Opener „Walk Like A Panther“ ist am oberen Limit, Wut und Verzweiflung lassen Franklin James Fishers Gesang am Anschlag fauchen und beißen. Ein Willkommensgruß aus der Hölle. Auch im folgenden „Cry Of The Martyrs“ wandelt Fisher als apokalyptischer Prediger durch einen fatalistischen Gospel, der unheilvoll seine mächtigen Kräfte entfaltet.

Am vielleicht verblüffendsten gelingt die Kombination aus schroffer Machinenästethik und hitzigem 60s Soul im Titelstück. Hier entfaltet der Refrain zum eigentlich einzigen Mal so etwas wie postitve Energie, verpackt in ein losgelöstes Motown-Furiosum. Doch es gibt kein Vertun, das folgende „Death March“ gibt das gültige Motto für die ganze Platte vor: „the hate keeps passin´on“. Dazu gibt es niedersausende Trommelschläge aus der Stahlfabrik und unterkühle Chöre aus der Gefrierhölle. Selten werden einmal sanftere Töne angeschlagen, wie im geisterhaften „A Mormour. A Sigh“ oder beim klavierbetupften „Mme Rieux“ welches sich die zerrütteten Gitarren aber ebenfalls nicht nehmen lässt.

Das weitläufig ausformulierte „Cleveland“ besitzt jede Menge sakrale Energie, nur scheint diese schwarzer Natur zu sein und negativ aufgeladen, bei „Animals“ regiert dann sogar nur noch der elektrifizierte Punk. Dieses Album besitzt soviel kraftstrotzende Wut, soviel giftige Verzweiflung, dass man sich manchzmal ein wenig Licht, ein wenig Sanftmut wünschen würde. Doch Algiers sind unnachgiebig und färben alles dunkel ein, was ihnen unter die Finger gerät. Ein angefunkter Gospel wie „The Cycle/ The Spiral: Time To Go Down Slowly“ ist dann auch schon das äußerste Zugeständnis an Lebensfreude, zu dem sich die Amerikaner hinreißen lassen, eine verwunschene Geisterhaftigkeit furchzieht aber auch dieses Stück.

Und so ist man verblüfft, wie kompromisslos Algiers ihren wütenden Soul in Umklammerung von Industrial und Noise aufziehen, ein rabenschwarzer Abgesang auf die zeitgenössischen Umstände und eine Absage an jegliche Leichtigkeit in der Tanzmusik.

 

(8 / 10)