BURKINI BEACH: Supersadness Intl.

( Recordjet) Bei dem hier zu besprechenden Album gibt es eine Stelle im vierten Song, bei der man gehörig schmunzeln muss: „Your weirdness is more eloquent than my eloquence“. Also bitte, lieber Herr Rudi Maier alias Burkini Beach, wieso dieses Understatement, haben sie uns bis zu dieser Stelle doch eindrucksvoll bewiesen, dass momentan wohl kein deutscher Musiker sicherer und souveräner mit dern englischen Sprache umgehen kann. Geben wir dem Leser doch einige Beispiele.

„In the very beginning of spring/ I tried to drown myself in the kitchen sink“, so schön kann man Dramatik mit der Lächerlichkeit paaren, das muss dem Rudi erst mal jemand nachmachen. Aber auch in Sachen Liebe, der Königsdisziplin in der Folkmusik, kann Maier unheimlich feine Bilder entwerfen: „she´s the lioness belle/ I´m the injured gazelle“.

Jetzt wären all die schönen Texte verschwendet, würde die musikalische Ausgestaltung schwächeln. Dem ist zum Glück aber nicht so, Maier findet im Bereich des Folk viele schöne Arrangements, die das Kunststück vollbringen, ein weites Feld zwischen Bedrücktheit und Beschwingtheit abzudecken. Besagtes „Kitchen Sink“ gönnt sich ein gehöriges Maß an Lethargie, schlingert angeschlagen und müde durch abgeblendete Szenarien, jede Berührung wird mit großer Sensibilität registriert, ein feiner Einstieg. „Luxembourg“ ist dann ein europäisches Road-Movie, welches die EU wahrscheinlich nicht unbedingt als Werbebroschüre in eigener Sache rausgeben würde, „but as soon as we left France/ I shit my pants“. Wieder erschafft Maier eine Schräglage aus großen Gefühlen und lächerlich trivialen, ja fast peinlichen Vorkommnissen.

Die beschwingte Räuberpistole „Bodyguards“ schafft es dann sogar, einige Schenkelklopfer um eine anrührende Liebesgeschichte zu platzieren. Die Ambivalenz der Stücke ist der große Trumpf dieses Albums, welches von abwechslungsreich eingesetzten Akustikgitarren grundiert wird. Die Kombination aus frühlingshafter Instrumentierung und verletzlicher Stimme in „Jungle Book“ sorgt für Gänsehaut, die sich im lebhaften Refrain in ein tiefgreifendes Wohlgefühl auflöst.

Das gedämpft voranschreitende „Small Talks“ ist ein weiteres Glanzlicht, die Pedal Steel in Kombination mit einer fein perlenden E-Gitarre sorgt für chromatischen Glanz in einem Stück, welches früh Bilanz über die Lebenswege der Menschen zieht, mit denen Maier aufgewachsen ist. Freilich, dass dies sehr gemischte Gefühle erzeugt. Das Ende des Songs ist reiner Tim Kasher, wie man überhaupt deutliche Parallelen zu der 00er Jahre-Saddle Creek Bande ziehen kann.

Auch an Connor Oberst wird man immer wieder angenehm erinnert, weil der junge Münchener ideal zwischen Teen Angst und souveräner Beherrschung und Beobachtung der Sujets changiert. Er befindet sich gleichzeitg mitten im Gefühlschaos, andererseits scheint er einen Logenplatz zu besitzen, von dem aus er alles genau erfassen kann. Eine wirklich feine Kombination der Sichtweisen, die gepaart mit der geschmackvollen musikalischen Ausarbeitung für ein bittersüßes Vergnügen sorgt.

 

(7,5 / 10)

 

http://www.burkinibeach.com/