JASON ISBELL AND THE 400 UNIT: The Nashville Sound

( Southeastern/ Al!ve) Jason Isbell gehört zu den Leuten, denen man unentwegt gratulieren will, weil sie ihre Karriere so schlau geplant haben. Erst hielt sich Isbell bei den Drive-By Truckers als Songwriter und Gitarrist ein wenig im Hintergrund, um von dieser Basis aus 2007 seine Soloaktivitäten in Angriff zu nehmen. Und was soll man sagen, aus einem Kritikerliebling wurde ein erfolgreicher Alt.Country-Star, dessen Alben jedoch um kein bisschen an Qualität abnahmen.

Sein neuester Streich hat wieder einmal die 400 Unit mit dabei und das hört man diesmal auch sehr stark. Viele Songs haben einen richtigen Bandsound, da wären zum Beispiel das stürmende, unter Strom stehende „Cumberland Gap“, welches im Refrain dem Boss jede Ehre erweist. Auch das kernige „White Man`s World“ erstrahlt in sattem Sound. Besonders üppig arrangier ist „Anxiety“, das sich ein gewaltiges Orchestervor- und Nachspiel gönnt, die Gitarren gehen förmlich in einem Strudel aus Streichern unter.

Trotz des ziemlich breit aufgestellten Sounds ist „The Nashville Sound“ ein thematisch sehr reflektiertes Album, welches seine Nachdenklichkeit nirgendwo versteckt. In „Last Of My Kind“ inszeniert sich Isbell als letzter Angehöriger einer aussterbenden Kaste, ein echter Landjunge, der in der Stadt völlig unter die Räder gerät. Dies sind klassische Themen, die in Folk, Country und Americana immer wieder aufgegriffen werden, entsprechend rootsy erscheinen gerade die ersten drei Songs auf dieser Platte. Da dürfen in „Tupelo“ das Außenseitergefühl und die Gewissheit, nirgendwo wirklich reinzupassen, genüsslich durch Country-Schmelz veredelt werden, der Ort in Mississippi wird zum Sehnsuchtsziel.

Besonders schön sind jedoch, trotz des insgesamt üppigeren Sounds, die zurückgenommenen Kleinode „If We Were Vampires“ und „Chaos And Clothes“. Isbell findet bei diesen Stücken unheimlich rührende Melodiewendungen, die in ihrem bescheidenen Outfit besonders ehrlich und eindringlich wirken. Auch das etwas verwunschen daherkommende „Molotov“ schmelzt förmlich dahin, findet im Refrain dann aber doch noch einige Kraftreserven, wunderschön!

Und so bleibt Isbell auf „The Nashville Sound“ zwar ein Bewahrer seiner musikalischen Kultur, hegt und pfelgt die Traditionen, ihm fallen ´dabei jedoch eine große Menge innovativer Arrangements und berührender Melodien ein, so dass dieses Album eine anregende Qualität besitzt. Isbell hat sich mit seinen früheren Alben die Latte selbst recht hoch gelegt, mit „The Nashville Sound“ wird er aber niemanden enttäuschen.

 

(7 / 10)

 

http://www.jasonisbell.com/