LEA PORCELAIN: Hymns To The Night

( Lea Porcelain/ Kobalt/ Rough Trade) Techno+ Singer/Songwriter=Post Punk? Ob diese Gleichung mathematisch wirklich korrekt ist, darf stark bezweifelt werden, doch im Falle von Markus Nikolaus und Julien Brecht funktioniert sie tadellos. Die beiden Frankfurter tummelten sich nämlich in diesen beiden Musikstilen, bis sie sich zusammentaten und Lea Porcelain gründeten. Dass dabei nicht der 1000ste Rip off von Joy Division entstanden ist, kann man als dankbaren Umstand feiern. Auffälligstes Stilmerkmal der beiden ist die unsaubere Art, wie sie ihren Sound präsentieren. Die obligatorischen Synthies kommen dröhnend und bratzig aus den Boxen,so dass sogar der ach so wichtige Gesang manches mal nur zweiter Sieger bleibt und sich in den Hintergrund verzieht.

Dabei reiten Lea Porcelain nicht nur auf den Standarts rum, das eingeschobene, nackt posende Klavierstück „White Noise“ darf den Halbzeitpfiff vornehmen und wer bis jetzt immer gedacht hat, eine Ukulele diene lediglich dazu, den Engelsgesang von dicken, hawaiianischen Jungs zu untermalen, höre einmal „A Year From Here“. Besagtes Saiteninstrument unterlegt dieses dämmrige Stück wie eine weiche Decke und verleiht diesem Song einen gewissen Wirklichkeitsbezug in traumhaftem Dekor.

Sonst geht es aber deutlich handfester zu. „Out Is In“ hat satte Drums dabei, um den sirenenartig im Hintergrund tönenden Synthies einen markanten Gegenspieler zu bieten. Mit anderer Instrumentierung könnte man sich die Strophe von „Bones“ auch auf einem The National-Album vorstellen, der Refrain dagegen erinnert an einen leidenschaftlichen Robert Smith. Dass dabei die Synthetik schmutzige Schlieren über die Komposition zieht, ist eine Selbstverständlichkeit und macht aus den Songs von Lea Porcelain eine robuste Angelegenheit. Dennoch erscheint nicht alles auf „Hymns To The Night“ kompakt und geschlossen. Dass die Enden der Verse in „Warsaw Street“ fast immer zwanghaft wiederholt werden, kann als implementierter Defekt gewertet werden, der ebenso gegen eine etwaige Makellosigkeit auf dieser Platte ankämpft, wie die rohen Synthiesounds.

In „The Love“ herrscht im Gesang des Weiteren eine aufkeimende Panik, die Angst vor einem Verlust der Kontrolle über die inneren Dämonen, ein blutunterlaufener Bass intensiviert diesen Zustand dann noch umso mehr. Ziemlich kaputt und fast schon vermatscht im Mixing erscheint das komatöse „Loose Life“. Aus der Tiefe kommt ein unheilvolles Brummen, Melodien und Sounds verschwimmen, erscheinen weit entfernt und schwer greifbar. So weit weg, wie in diesem Stück kurz vor Ende der Platte waren Lea Porcelain bisher noch nicht.

Deutlich griffiger ist „Similar Familiar“ mit seinen knarzenden Tastentönen, der Gesang gleitet auf einem schmutzigen Untergrund und dennoch entsteht eine melodiöse Pracht, die aber vergessen hat, sich hübsch zu machen.

„Hymns To The Night“ ist als Titel gut gewählt, mag aber in die Irre führen, wenn man die dunklen Stunden nur als Zeitraum für entlose Partys betrachtet. Denn dieses Album zelebriert die Nacht eher als ungemütlichen, einsamen Ort, der vieles in seiner Düsternis versteckt hält. Kraftvoll ist dieses Album, ungeschönt und unsauber, macht teilweise frösteln, wie das Bild von mit einem Wasserfilm überzogenen Pflastersteinen im fahlen Scheinwerferlicht.

 

(7 / 10)