RIDE: Weather Diaries

( Wichita/ [PIAS] Cooperative/ Rough Trade) Man möchte meinen, wenn eine Band 20 Jahre nichts von sich hat hören lassen, dass sich in diesem Zeitraum ein große Menge an fruchtbaren Ideen angesammelt hat, die jetzt nur noch geerntet werden müssen. Zudem steht zu vermuten, dass dem Comeback von Ride eine große Menge Enthusiasten entgegenfiebern. Beste Vorraussetzungen also für einen Triumphzug. Wenn da bloß die Musik mitspielen würde…

Denn es ist so: „Weather Diaries“ ist so unglaublich harmlos und auf Nummer sicher gespielt, dass man verzweifelt nach aufrichtigen Gefühlen und so etwas wie Inspiration sucht. Doch fangen wir von vorne an…“Lannoy Point“ startet, wie man das in der Schule bezüglich Album-Openern gelernt hat. Ein wenig Keyboard-Säuseln, eine allein in den Raum gestellte Gitarrenfigur, dann dürfen die Synthies ein wenig rotieren, bis das Schlagzeug die Rhythmusaufgaben pflichtschuldig und akkurat übernimmt. Der Gesang legt sich mit typischer Sanftheit auf das Stück, faselt etwas von „if seeing is believing/ then believing is not seeing“ und wir sind inzwischen eingeschlafen. Man meint, dieses Stück habe eine automatische Lautstärkedrosselung, so unauffällig verabschiedet es sich in den Hintergrund.

„Charm Assault“ scheint sich der vorangegangenen Langeweile durchaus bewusst zu sein, und schmeißt ein paar hitzige Gitarren und sittsam polternde Drums ins Rennen. Gleichzeitig wollen Ride aber nirgendwo wirklich anecken, als hätten die rich kids, deren Hobbys Tennis und Golf sind, mal beschlossen, ein wenig zu revoltieren. „Home Is A Feeling“ zeigt dann, wie sich besagte Jungen und Mädchen einen Drogentrip vorstellen, blassrosa und risikofrei. Das folgende Titelstück hat zuallererst das Problem, dass es auf sieben Minuten ausgewalzt wurde, obwohl es gerde einmal Substanz für drei hat. Der Gesang gibt sich betont gelangweilt, alles fließt unaufgeregt vor sich hin, die Gitarren arbeiten für den Mindestlohn, dementsprechend ist ihr Einsatz. Das ist noch gar nicht mal verkehrt, wenn wie gesagt die Überlänge nicht wäre.

Ein wenig fremdschämen muss man sich für die „Rocket Silver Symphony“, die ihrem Titel mit großem Anspruch gerecht werden will, es kommt dabei aber eine großangelgte High School Rock Oper zu Stande, deren Gehalt bei der sanftesten Konfrontation mit kritischer Überprüfung auf ein Minimal-Maß zusammenschrupft.

Auch „Cali“ könnte ein feiner, kleiner Song sein, zweieinhalb Minuten Laufzeit und das Ding wäre eine runde Sache, doch Ride plustern den Sommerpop auf sechs Minuten plus auf, so dass man schnell genug von den einfallslosen Strandbildchen hat. Obendrein hat man den Eindruck, dass immer, wenn es etwas rockiger wird, Ride darauf abzielen, ein zweites „Bohemian Like You“ zu erschaffen.

Es tut mir wirklich leid, ich hätte gerne nettere Sachen über diese früher absolut relevante Band geschrieben, doch muss man feststellen, dass Ride satt, zufrieden und absolut risikoscheu geworden sind. Dieses Album wird Mama neben ihren Frauenzeitschriften und Kochrezepten ablegen, für den Sonntagnachmittag, wenn der Hausputz erledigt ist und man sich der Entspannung widmen kann.

 

(3,5 / 10)

 

https://www.thebandride.com/