GREAT GRANDPA: Plastic Cough

( Double Double Whammy) Ja, leben wird den wieder in 1997? Der Eindruck könnte durchaus aufkommen, wenn man sich so manches Gitarrenalbum der letzten Zeit betrachtet. Grungeinformierter College Rock scheint gerade ein angesagtes Indiethema zu sein. Wir listen nur mal kurz auf: Rozwell Kid mit „Precious Art“, Kane Strang mit seiner Herzschmerzplatte „Two Hearts And No Brain“ und jetzt Great Grandpa, deren Debüt auch wieder in diese Richtung geht. Die Band, passenderweise aus Seattle hat mit Alex Menne eine charismatische Frontfrau an Bord, deren Texte vor allem durch die Unzufriedenheit mit dem anderen Geschlecht geprägt sind. Dazu gibt es diesen typischen Grungesound, Gitarre, Bass und Schlagzeug haben ordentlich wumms, doch scheinen die Instrumente ein wenig aus dem Leim zu gehen, es schlingert und ächzt, es grummelt, nölt und leiert.

„Teen Challenge“ ist direkt das typische Schnodderstück mit Powerrefrain, dessen Glanzpunkt das Überkippen von Mennes Stimme in eine quietschende Kopflage ist. Great Grandpa halten sich mit ausgefallenen Stilmerkmalen sehr zurück, das Parteibuch des Genres liegt dieser Band nah am Herzen, liebevoll werden alte Trademarks wiederbelebt, so dass man wirklich meinen könnte, dieses Album stamme aus der zweiten Hälfte der Neunziger. Mit der Doppelnummer „All Things Must Behave/ Eternal Friend“ gibt es auch das folkige Stück für die Balladenquote, hier zeigt sich aber nicht zum einzigen Mal, dass Great Grandpa manchmal zu sehr beim liebevollen Ausstaffieren ihrer Stücke verharren und das eigentliche Songwriting vernachlässigen. Der weiche Gesang, die urgemütlichen Akustikgitarren, die hintergründige Knarzigkeit, alles nett und liebevoll arrangiert, doch der eigentliche Song bleibt etwas blutleer.

Auch „Pardon My Speech“ hängt ein wenig zu selbstgefällig auf der ungeölten Hollywoodschaukel, man würde sich aber doch den ein oder anderen Kick von den Westküstlern wünschen, das Stück leiert recht unmotiviert vor sich hin, ein authentischer Sound verlangt auch nach einem gehaltvollen Inhalt.

Das abschließende „28 J´s L8r“ erzählt eine launige Geschichte ( wird man im bekifften Zustand von Zombies besucht, ist das halt nicht so witzig), doch die Gitarren- und Schlagzeugumwälzungen erscheinen sonderbar farblos.

Doch gibt es auch viel Gutes auf dieser Platte, „Favorite Show“ verheddert sich wunderbar in den schnorrig gespielten Saiten der Gitarren, der Bass bereitet ein weiches Rhythmusbett, gemächlich und langmütig, doch vor allem Mennes melancholischer Gesang erwärmt das Herz des Hörers. Das wiederrum ruhig angegeganegene „Faithful“ schleppt sich wunderbar sämig und wehmütig durch verlassene Tableaus ehemaligen Glücks, der Staub tanzt in den fast greifbaren Sonnenstrahlen und man lässt den Blick über abgewetzte Sofarücken und muffige Teppiche schweifen.

Solche Beschreibungen zeigen vielleicht, dass Great Grandpa sehr gekonnt Stimmungen evozieren können, man fühlt sich in dem kräftigen aber irgendwie ramponierten Sound merklich wohl, man erwartet dann halt nur, dass darüber hinaus packende, ergreifende Songideen geliefert werden. Und da schwächeln Great Grandpa teilweise, es bleibt ein wenig zu oft beim geschmackvollen Ausgestalten.

 

(6 / 10)