MOON DIAGRAMS: Lifetime Of Love

( Sonic Cathedral) Moses John Archuleta ist keiner, der etwas übereilen würde. Wie anders ist es zu erklären, dass der Deerhunter-Schlagzeuger zehn Jahre lang an seinem Solo-Album gefeilt hat? Was ihn letztendlich zu der Überzeugung gebracht hat, dass nun genug Arbeit in dieses Projekt Moon Diagrams geflossen ist, wir wissen es nicht…Aber Fakt ist, auch seine Musik selbst nimmt sich alle Zeit der Welt. Das fällt zu Beginn der Platte gar nicht so auf, „Playground“ ist ein sakraler Drone mit verwaschenem Choral, der wunderbar als Intro funktioniert und das Titelstück ist ein blutunterlaufenes Stück Herzschmerzpop, dessen Blässe sich wunderbar im nüchtern runtergegrummelten Gesang zeigt. Vor allem ist dies noch Musik, die Bilder erzeugt, zum Titelsong stellt man sich irgendeine schäbige Bühne auf einem Hinterhof vor, umstanden von Plastikpalmen und beleuchtet von Papierlaternen.

Doch scheint es so, als ob Moses Archuleta im folgenden das Sentiment, die Bildhaftigkeit in seiner Musik ausschalten will. Das Kernstück der Platte besteht nämlich aus rein motorischem Ambient Techno, der sich frei von Emotionen gibt, die reine Bewegung, der Takt sind das beherrschende Element. Mag sein, dass es minimale Zugeständnisse an die Popsensibilität des Hörers gibt, in Nightmoves den chromatischen Wiederhall einer Bluesgitarre, in „Blue Ring“ eine Klavierbegleitung im letzten Drittel, dennoch bleibt die Feststellung: diese Tracks kommen ohne Gefühle aus.

Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass Archuleta in der überlangen Entstehungszeit seine zerbrochene Ehe aufarbeiten wollte, sich stattdessen aber mit chemischen Ablenkungsmanövern selbst ins Abseits gestellt hat. Dieses Fehlen an emotionalem Engagement im Mittelteil wird dann noch dadurch verstärkt, dass „Blue Ring“ und „The Ghost And The Host“ jenseits der zehn Minuten landen.

Es ist dann jedoch spannend, mitzuerleben, wie sich „Lifetime Of Love“ gegen Ende hin wieder dem Pop und damit auch gängigen Gefühlslagen zuwendet. „Magic Killer“ setzt Beats und Synthieflächen so ein, dass dieser Track auch gut in einem Club laufen könnte, es gibt Spannungsgefälle und eine registrierbare Dramaturgie. „Bodymaker“ gefällt sich wiederrum in seiner zähflüssigen Dream Pop-Eleganz inklusive hell klingendem Gesang aus dem Hintergrund.

Tja und „End Of Heartache“ ist dann fast schon eine handliche Diskonummer mit einer funky Grundstimmung. Fast scheint es so, als ob Archuleta es hier wieder mit dem Leben aufnimmt, lockeres Vergnügen inbegriffen. „Lifetime Of Love“ stellt selbstredend eine Herausforderung für den Hörerer dar. Die mittleren Stücke des Albums lassen da, wo Inhalt und Aktion stehen könnten, bewusst weiträumige Leerstellen, allein der Takt und das damit einhergehende Fokussieren auf Zeitabschnitte steht im Zentrum. Dies ist auf eine spartanische Art jedoch durchaus spannend, selten bekommt man Musik so basal und reduziert präsentiert. Und auch, wenn nicht jeder etwas mit einer leergefegten Leinwand anfangen kann, am Anfang und am Ende steht ja immer noch der Pop.

 

(7 / 10)