Anja Schneider – SoMe

Anja Schneider – SoMe

(Sous) Nach neun Jahren veröffentlicht Anja Schneider ihr zweites Album auf ihrem neuen Label Sous. Das Album repräsentiert Anja Scheider an der Spitze ihres künstlerischen Schaffens. Sie verarbeitete musikalische Erfahrungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Anja ist tief im Techno verwurzelt. In vielen Stücken spiegelt sich ihre DJ-Erfahrung wieder, doch ihre Songwriting-Skills erstrahlen auch bei den Vocal Tracks (zB mit Rob Birch von den Stereo MCs) die zu den stärksten ihrer Karriere gehören.

Manchmal muss man weg von allem, was einem vertraut ist, um wirklich zu wachsen und sich zu fordern als Künstler. Oder, man macht es wie Anja Schneider und drückt gleich den Reset-Button. Für ihr neues Album hat sie einen Neuanfang gewagt und ein neues Label gegründet. Noch nie hat die Berliner Künstlerin so entschieden ihre Comfort Zone hinter sich gelassen – und noch nie hat sie sich so inspiriert gefühlt.

Die musikalische Manifestation dieser kühnen neuen Ära heißt So Me. Eine aus neun Tracks bestehende Calling Card. Das Album repräsentiert nicht nur Anja Scheider an der Spitze ihres künstlerischen Schaffens und die Freiheit, die diese Hochphase mit sich bringt, sondern auch die Ungezwungenheit und Jugendlichkeit, die mit einem neu gegründeten Label verbunden ist.

Wie bei allen Produktionen von Anja Schneider handelt es sich bei diesem Album um eine durch und durch persönliche Angelegenheit. Die Tracks klingen expressiv und offen. Und dabei bleibt Anja ganz und gar authentisch im Bezug auf ihre musikalische Geschichte, auf ihre persönlichen Leidenschaften und ihre einzigartige Persönlichkeit.

Das Projekt begann im November 2016 und zwar nirgendswo anderes als in Anjas Keller. Dort kehrte sie zu ihren Wurzeln als Diggerin zurück und vertrödelte Stunden um Stunden zwischen den staubigen Kisten ihrer Schallplattensammlung. Sie tauchte wieder ein in alte Jungle- und Drum & Bass-Platten, in den klassischen House und den Berliner Techno der neunziger Jahre, in den sie sich verliebte, als sie 1993 in die Stadt zog. Wenn Anja in die Zukunft schauen wollte, um eine neue Klangvision zu entwickeln, dann musste sie ihrer Vergangenheit Respekt zollen.

Aus den Studiotagen mit ihrem Co-Produzenten und Partner in allen Lebenslagen Jan-Eric Scholz wurden verlorene Nachmittage. Später dehnten sich diese Sessions zu ganzen Wochenenden aus. Wenn Anja nicht tourte oder Zeit mit ihrem Sohn verbrachte, ließ sie sich forttragen von den unkontrolliert dahinfließenden Tracks. Sie verarbeitete musikalische Erfahrungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Durch eine Reihe von Reisen nach Südafrika hatte sich ihre Liebe zum Ragga verfestigt und so produzierte sie Vocal Tracks, die zu den stärksten ihrer Karriere gehören.

Das Album beginnt mit den sonnendurchfluteten Panoramaklängen von The Sun: „Ich wollte, dass dieser Track wie eine elektronische Bigband mit einer bestimmten Attitude klingt – aber das habe ich nicht hingekriegt.“, lacht sie. „Stattdessen klingt es mehr nach Chicago und Detroit. Aber ich mag ihn trotzdem. Oder grade deshalb.“ Weitere Highlights sind die eingängigen Ragga-Töne von All I See, inspiriert von ihrer Reise nach Kapstadt zum Urban Electronic Music Festival 2015. Dieser Track illustriert Schneiders einmaliges Talent für Musik, die frisch und neu klingt, die sich aber dennoch vertraut anführt. „Von House und Techno infizierte Ragga-Vibes haben mich nachhaltig beschäftigt. Ich liebe es, wie diese Kids ihre eigenen Wurzeln mit der elektronischen Musik verbinden.“

Anjas einmalige Songwriting-Skills erstrahlen auch bei dem tollen Sanctuary. Wenn man den Song einmal gehört hat, schält man sich ihn nicht so schnell wieder aus den Gehörgängen heraus. Das faszinierende, kratzige Vocal stammt von keinem geringeren als Rob Birch von den Stereo MCs. Anja lernte Birch in einer Begegnung kennen, wie sie nur in Berlin stattfinden kann, und zwar ganz zufällig in der Wohnung von Terranovas Fetisch. Anja ist ein großer Fan der „Connected“-LP der Band, und die sonst eher schüchterne Musikerin trug die Idee einer Kollaboration mit dem außergewöhnlichen Sänger einige Zeit mit sich um her. Und wenig später wurde dieser unwiderstehliche Ohrwurm geboren.

Anja ist mehr als alles andere Raverin und die langen Nächte in der Berliner Nachtlebensinstitution WMF definierten ihre späten 1990er. Einen ganz besonders nachhaltigen Eindruck machten die Hard:Edged Partys am Freitag mit ihrem kompromisslosen Drum & Bass Sound auf sie. Mit WMF verarbeitet sie diesen berauschenden Zeiten, deren einzigartiger Sound sie bis heute begleitet.

Anja ist tief im Techno verwurzelt. In Stücken wie Got Me With A Bang und Night Out spiegelt sich ihre DJ-Erfahrung wieder. Da klingt auch der Spirit von ihrem Debutalbum an, „Beyond The Valley“: „Ich bekomme immer noch Anfragen für Tracks aus diesem Album. Und das ist schon fast zehn Jahre alt. So sollte es auch Stücke auf dem Album geben, die dieser Zeit Tribut zollen. Ich liebe diesen Sound noch immer. Und das sollen meine Fans spüren.“

Zu Ende geht das Album mit einem außergewöhnlich persönlichen Track, mit Shadows. „Ich wollte ursprünglich ein Ambient-Stück produzieren. Und ich wollte dazu singen. Aber zum Glück habe ich die richtigen Leute um mich herum, die mir erklärten, dass das keine gute Idee ist.„, sagt Anja lächelnd. „Am Ende klang das Stück ziemlich spacey. Und die Vocals stammen von Jan-Eric. Daraus könnte sich doch glatte eine zweite Karriere für ihn entwickeln.“, grinst sie.

Info: www.anjaschneider.com