Asking Alexandria – Self Titled

Asking Alexandria - Self Titled(Sumerian Records) Als Asking Alexandria ihren alten Sänger Danny Worsnop wieder mit offenen Armen empfing, nachdem „The Black“ – das einzige Album ohne ihn und mit Dennis Stoff – eine einzige Abschiedszeremonie und Hymne auf die Trauerarbeit gewesen war fühlte ich mich in etwa so angenervt als hätte ich monatelang einer Freundin bei ihren elenden Trennungsschmerz-Geschichten zugehört, nur um sie kurz darauf mit eben dem Typen verliebt herumturteln zu sehen, über den sie angeblich so wunderbar hinausgewachsen war. Also warf ich das Album erstmal in die sinnbildliche Ecke und hatte überhaupt keine Lust, es mir anzuhören. Dass die dazugehörige Tour den bedeutungsschwangeren Titel „Resurrection“ verliehen bekam machte es nicht besser. Aber genug der Face-Palmerei!

Um die erste Auskopplung „Where Did It Go?“ kam ich leider einfach nicht herum und musste zähneknirschend zugeben, dass der Song gar nicht so schlecht ist. Also schluckte ich meinen Stolz und meine Genervtheit mach einigen Wochen doch herunter und nahm mich des selbstbetitelten Albums an. Und? Ist Asking Alexandria noch Asking Alexandria? Ja! Und irgendwie auch nein. Oder doch? Und was genau heißt das eigentlich? „The Black“ war definitiv eine deutlich härtere Metalcore Scheibe als es der Neuling zu sein versteht. Außerdem mutet das Album ein bisschen an wie ein Potpourri verschiedener Stile an. Es ist balladiger, poppiger, elektronischer. Aber ehrlich gesagt gefällt gerade das mir daran sehr gut!

Mit „Alone In A Room“ scheint textlich Dannys Pause und seine Alleingänge verarbeitet zu werden. Trotz seiner Poppigkeit geht der Titel ganz schön in die Beine und wird sich sicherlich auf der einen oder anderen Tanzfläche wiederfinden. Das hymnenartige „Into The Fire“ geht richtig nach vorne und erinnert auf gute und sehr eigenständige Weise an Bands wie „Bring Me The Horizon“. „Hopelessly Hopeful“ kommt eher unbequem und experimentell daher. Wobei das spätestens beim Chorus wieder relativiert wird. Das besagte „Where Did It Go?“ würde in einer Filmuntertitelung zumindest zu Anfang als „ominous music“ durchgehen, haut dann aber richtig rein. Auch gegen den etwas gewöhnungsbedürftigen Sprechgesang und die dazwischen geschalteten Samples ist eigentlich nichts einzuwenden. „Rise Up“ haut zu Anfang richtig rein, verliert dann aber zunehmend an Energie. Der Chorus ist eher langweilig und auch die standardisierten Wechsel von hart zu schmalzig klingen eher unmotiviert. Der vielleicht schwächste Song des Albums. Das Intro von „When The Lights Come Up“ erinnert an frühe Songs von „My Chemical Romance“. Der Song ist gut, wenn auch etwas zu konstruiert. Die Synthie Ballade „Under Denver“ ist mir etwas zu überproduziert, aber ganz nett. Auch auf die Akustik Ballade „Vultures“ hätte durchaus verzichtet werden können. Bei „Eve“ hat man ein bisschen das Gefühl, dass man sich innerhalb des Songs nicht wirklich auf eine Musikrichtung einigen konnte. Es handelt sich um den unrundesten Song des Albums. Auch bei „I Am One“ fragt man sich, warum die Band hier bestimmte Muster (langsam, schnell, laut, leise) einfach wiederholt. Auch dieser Song klingt eher austauschbar. Spätestens mit dem von „Bingx“ gefeatureten Hip-Hop/Elektro Pop-Stück fragt man sich nach dem Konzept des Albums. Auch „Room 138“ hätte man getrost weglassen könnten so viel langweiligen Standard beinhaltet er. Auf den irgendwie unnötigen Radio Edit von „Into the Fire“ gehe ich mal gar nicht ein.

Was ist also mein Fazit? Statt eines Albums findet man eher eine Aneinanderreihung von Tracks, die – für sich gesehen – zum großen Teil richtig gut sind! Man hätte einzelne Songs weglassen und insgesamt besser abrunden können. Vielleicht hätte sich Asking Alexandria nach Rückkehr von Danny etwas mehr Zeit nehmen sollen. Man zeugt ja im Idealfall auch nicht direkt ein Kind, wenn man nach einer schwierigen Trennung frisch wieder zusammen ist. Danny hat nach eigenen Angaben damals die Band verlassen, weil er keine Lust mehr auf reinen Metalcore bzw. die Härte der Musik hatte. Das merkt man. Meines Erachtens ist die Band zu viele Kompromisse in Richtung Danny eingegangen und ist sich selbst irgendwie untreu geworden. Andererseits gibt es viele gute neue Impulse und das Album ist trotz aller Kritik wirklich nicht schlecht. Einige Songs haben richtig Potential. Wäre die Band allerdings eine Freundin, würde ich ihr raten, dass sie sich das mit dem Typen doch wirklich nochmal überlegen soll…

(6,5 / 10)
Tracks
  1. Alone In a Room
  2. Into The Fire
  3. Hopelessly Hopeful
  4. Where Did It Go?
  5. Rise Up
  6. When The Lights Come On
  7. Under Denver
  8. Vultures
  9. Eve
  10. I Am One
  11. Empire (Feat. Bingx)
  12. Room 138
  13. Into The Fire (Radio Edit)

 

Info: https://www.facebook.com/askingalexandria/