Blessthefall – Hard Feelings

Blessthefall - Hard Feelings Albumcover(Rise Records) „No hard feelings“ sagt man, wenn man will, dass zwischen zwei Menschen böse Worte und Streit vergessen sind, man einfach von vorne anfangen und alles Vergangene hinter sich lassen will. „Hard Feelings“ bedeutet folgerichtig genau das Gegenteil. Auf dem gesamten Album geht es thematisch irgendwie um Zwietracht und Unversöhnlichkeit zwischen – natürlich – Liebenden! Musikalisch legt Blessthefall dabei echt nochmal eine ordentliche Schippe drauf. Zwar erfindet sich die Band mit dem Wechsel zu Rise Records nicht gerade neu – es gibt wieder die gewohnt eingängigen Melodien, die teils djent-artigen Rhythmen und natürlich die unverkennbare Stimme von Beau Bokan – aber Produzent Tyler Smyth (u.a. Sänger von dangerkids) verleiht dem Werk mit seinen Mixkünsten einen ganz eigenen Sound. Schon der Opener Wishful Sinking – der am letzten Valentinstag als Single ausgekoppelt wurde – haut einen so richtig von den Füßen! Musikalisch baut sich der Song eher getragen auf. Am Ende erlebt dieser aber eine kraftvolle Steigerung, die in einem Klimax mündet, der den von Bitterkeit und Rachegefühl triefenden Text begleitet: „Every word that you waste. Every breath that you faked. Hope they’re keeping you up at night. And I’m dying to let you know. They’re coming for you!“. Find Yourself appelliert an die Selbstfindung bevor man sich in die nächste Sache stürzt. Musikalisch kommt der Song poppig und eingängig daher. Melodramatic – die erste Single des Albums, die bereits Ende Januar erschien – ist sehr dynamisch und tanzbar mit einem Chorus, der zum Mitsingen einläd: „I need the anger, I need the rage. I need the worst things you can say. If you wanted a war I guess you got what you came for“. Feeling Low ist eine sehr poppige Ballade, die eher seicht ist und ihre Dynamik eher von Wiederholungen und Stimmeffekten á la Bring Me the Horizon erhält. Ganz anders präsentiert sich die erst letzte Woche erschienene Single Cutthroat – der meiner Meinung nach stärkste Song des Albums – Schon den Anfang assoziiert man mit flackerndem Schwarzlicht, die Gitarren sind Djent reinster Güte, die Rhythmusgruppe so krass auf Kante miteinander abgestimmt und auf das Stereospektrum verteilt, dass es ein reines Fest ist. Hier werden böse Stimmen zwar kritisieren, dass die Band dieses Timing von dem der Song lebt live niemals hinbekommen wird, aber live darf ein Song meiner Meinung nach gerne anders klingen als auf Band. Der Song stoppt dann nach dem letzten Chorus so plötzlich wie er eingestiegen ist: „So stay away. We’ve been down this road before. Been barely holding on for so long. It’s safe to say. I can’t do this anymore. I’m not the only one. It’s so wrong“. Es folgen mit I’m Over Being Under(rated) und Sleepless In Phoenix zwei sehr solide, aber aufgrund ihres balladesken und austauschbaren Stils eher nicht so im Ohr bleibende Songs. Keep Me Close scheint auch wieder ein eher an den Mixreglern entstandener Track zu sein. Eine sehr leise, detaillierte, effektreiche Rockballade. Sakura Blues lässt die erwarteten japanischen Klänge ein bisschen vermissen und ist – wenn auch ganz nett – einfach eine Pop-Ballade. Tatsächlich etwas irritierend kommt dann Welcome Home daher. Plötzlich haben Blessthefall ein paar Dur Accorde entdeckt und spielen sich daran ab. Plötzlich ist alles in Ordnung. Der Streit vergessen und alle gehen glücklich nach Hause, sagen vielleicht sogar etwas wie „Gute Nacht John-Boy!“ und schlafen glücklich ein. Zu allem Überfluss hört man eine Kinderstimme und einen Beau ganz entzückt ausrufen „Baby girl!“. Was will uns der Autor damit sagen? Doch keine Hard Feelings mehr? Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren. Mit Melodramatic, Wishful Sinking und Cutthroat wurden jedenfalls die besten Songs des Albums bereits veröffentlicht. Die drei aber sind wirklich wirklich stark und es ist nicht einfach, eine solche Qualität aufrecht zu erhalten. Im Vergleich – aber wirklich nur darin – erscheint gerade die zweite Hälfte des Albums etwas durchschnittlich.

(7,5 / 10)

Erscheinungsdatum: 23.03.2018

Tracklist:
01. Wishful Sinking
02. Find Yourself
03. Melodramatic
04. Feeling Low
05. Cutthroat
06. I’m Over Being Under(rated)
07. Sleepless In Phoenix
08. Keep Me Close
09. Sakura Blues
10. Welcome Home