Escape the Fate – I am Human

I am Human - Escape the Fate(Eleven Seven Music) Ursprünglich sollte die neue Platte von Escape the Fate bereits am 16.02. erscheinen – passend zur dazugehörigen Tour. Ohne die Nennung jedweder Gründe wurde das Relasedate aber kurzfristig um anderthalb Monate auf den 31.03. verschoben. Der Titelsong I am Human ist aber bereits seit November letzten Jahres auf allen bekannten Kanälen zu hören. Insgesamt wurden bereits 5 der 14 Songs des Albums veröffentlicht. 
Im Interview mit uns hat Craig bereits im Januar verraten, was diese Platte zu einer ganz besonderen macht: mit ihr ist die Band auf eine Spurensuche gegangen – zurück zu den Zeiten, wo man Songs in der Garage geschrieben hat und unbedingt mit einem Produzenten ins Studio wollte. Diese Anfangsbegeisterung kann mit den Jahren mal verloren gehen, aber Escape the Fate scheint ihren Anfangsspirit in gewisser Weise wirklich wieder gefunden zu haben. Verglichen mit dem Vorgänger Hate Me von 2015 hat man das Gefühl, dass die Band wieder ein bisschen zu ihren Wurzeln zurückgegangen ist und sich dabei trotzdem weiterentwickelt hat.
Auch wenn es sehr viele melodische, gut produzierte und tanzbare Stücke gibt, haben die Inhalte eine andere Tiefe erhalten. Dabei insbesondere I am Human, das wie mit der Erklärung von Craig klar wird, zu recht das Titelstück des Albums ist: es ist das erste Stück der Band, das auf Basis des Gesangs entwickelt wurde und auch der lyrische Inhalt macht es in gewisser Weise zu einem Wegweiser, wo es mit der Band professionell und persönlich in den letzten Jahren hingegangen ist. Es handelt sich in gewisser Weise um ein „becoming of age“ Stück, dessen Text Robert in etwa so beschreibt: „Sorry, aber ich bin einfach ein menschliches Wesen, Dude! Ich mache verdammt nochmal Fehler. Ich habe Schwächen und ich habe Stärken. Ich bin gut in Dingen und in anderen Dingen bin ich schlecht.“ Also: „Scheiß drauf – so ist das!“ Dem ist nichts hinzuzufügen! Außer vielleicht, dass Craig das Stück seiner Mutter präsentiert hat mit den Worten „ich glaube, ich habe gerade meine Worte an die Welt geschrieben“. Und in der Tat sind Escape the Fate einfach erwachsen geworden. Es ist in gewisser Hinsicht immer noch Metalcore, aber deutlich differenzierter und feiner in den Zwischentönen. Für das Album wurde unter anderem mit Größen wie Steve Aiello zusammengearbeitet (Bassist bei 30 Seconds to Mars). Hierbei ist zum Beispiel Four Letter Word in einem sehr kreativen Prozess und sehr viel Spaß entstanden. Somit macht es Sinn, dass es zugleich ein Finden und ein neu Erfinden der Band ist. Das merkt man dem Album auch an. Es hat eine Leichtigkeit, die in der Vergangenheit vielleicht ein bisschen gefehlt hat. Es hat das gewisse Augenzwinkern, das die Metalcore Szene schon vor über zehn Jahren gebraucht hätte, als sie sich noch viel zu ernst genommen hat. Und neue aufstrebende Größen der Szene können durchaus daraus lernen. Der Band jedenfalls ist das gelungen, woran viele andere Bands scheitern. Mit I am Human haben sie das beste Album ihrer bisherigen Karriere geschaffen –  genauso wie ihnen dies 2006 mit Dying is Our Latest Fashion gelungen ist. Hoffen wir, dass diese Band noch lange zusammen Musik macht und dieses Album nicht ihr letztes Meisterwerk bleibt.

(8 / 10)

Erscheinungsdatum: 31.03.2018

Tracklist:

01 Beautifully Tragic
02 Broken Heart
03 Four Letter Word
04 I Will Make It Up To You
05 Bleed
06 Do You Love Me?
07 I am Human
08 If Only
09 Empire
10 Recipe for Disaster
11 Riot
12 Digging My Own Grave
13 Resistance
14 Let Me Be