Martins Poptagebuch: 15.03.2018

mit Turbowolf, Oneida und David Kitt

Turbowolf - The Free LifeHabe heut Morgen meine alte Jeans-Kutte rausgeholt, es gibt nämlich endlich mal wieder einen Bandnamen, der sich gut darauf machen würde: TURBOWOLF. Die Musik dazu erfüllt die Erwartungen, Rock, Rock, Rock! Und zwar in der Variante, die Unmengen an Testosteron verbraucht. Damit ist diese britische Band natürlich ein Anachronismus, wird der Rochmusik doch heutzutage alles Maskuline vehement ausgetrieben. Nun sei es drum, das betont vergangenheitsbezogene Treiben hat zumindest jede Menge Energie. Und die Bestandteile sind gekonnt verschweißt. Hair Metal trifft auf Stoner Rock, trifft auf 70s Prog. Damit wagt man natürlich keinen Blick in die Zukunft und Platte der Woche wird man beim Musikexpress auch nicht, ein Publikum findet sich damit aber sicher.

Oneida - RomanceOb das auch für „Romance“ von Oneida gilt, muss man doch stark anzweifeln. Wahrscheinlich ist es wie immer seit 20 Jahren. Es wird sich eine Handvoll Enthusiasten um diese Band scharen, der große Rest winkt irritiert ab. Diese Reaktion erscheint nach dem Erstkontakt mit diesem Album allzu verständlich, Konfusion und die blanke Willkühr haben vordergründig das Heft in der Hand. Die Gemengelage aus Kraut, Elektro und Noise waltet scheinbar ohne ordnenden Überbau. Doch wie falsch kann man liegen: nach mehrmaligem Hören dringt immer mehr eine rhythmische Strenge durch. Oneida agieren mit manischer Disziplin um eben nicht vollends ins Chaos abzustürzen, welches laut hämmernd vor der Tür steht. So werden die Anstrengungen von Band und Publikum zu einem etwas seltsamen Plädoyer für die Vernunft inmitten einer eklektischen Horrorvision. Dass diesen mühsamen Weg die breite Masse nicht mitgehen mag, liegt da fast schon in der Natur dieser anstrengenden aber lohnenden Musik.

David Kitt - YousVöllig aufgeräumt und geordnet erscheint hingegen die Musik von David Kitt. Das Extreme ist dem zwischenzeitlichen Tindersticks-Mitglied völlig fremd. Kitt ist ein Normalo, der von Südostasien träumt und noch nie in San Diego war. Und der Traum ist für so einen auch das geeignete Medium. Man kann ihn sich nicht in der weiten Welt vorstellen, eher als Wächter der eigenen vier Wände, der sich ferne Länder durch Bücher nach Hause holt. Dort herrscht Ordnung, fein akzentuierte Akustikgitarren strahlen eine solide Verlässlichkeit aus, das Piano legt ein paar Töne in den Raum aus und gesittete Streicher sorgen für ein wenig behagliche Eleganz. Durch die genügsamen Stücke pluckert ab und an mal ein zivilisierter Drum Computer und das Echo einer weiblichen Persönlichkeit hinterlässt in den Texten ihre Spuren. Nur in „The Taste Of Without“ finden sich Überbleibsel eines Streites, ansonsten herrscht musikalische Harmonie. David Kitt agiert mit dem Selbstverständnis eines Routiniers, der sich nicht mehr irgendwohin vorwagen muss und dessen Musik eine große Selbstverständlichkeit ausstrahlt. Schön zum Einschlafen, Aufstehen und für den ausgedehnten Spätwinterspaziergang.

Bis Bald

euer Martin Makolies