Martins Poptagebuch: 03.04.2018

mit Amen Dunes, The Garden und PTTRNS

Jungen Bands wird ja gerne mal geraten, sie sollen ihr Pulver nicht zu schnell verschießen, „always leave them wanting more“. Amen Dunes machen das fieserweise mit ihrem Album „Freedom“. Sie halten sich fern von allzu offensichtlichen Highlightmomenten, überlebensgroße Refrains wird man zum Beispiel bei diesem Album nicht finden. Gemäßigt und in relativ geordneten Bahnen läuft dieser immer etwas verzagt wirkende Indie-Rock ab. Dazu kommt, dass Sänger Damon MacMahon sich zu keinen Gefühlsausbrüchen verleiten lässt. Klar, der Gesang wird mal intensiver, doch große Aufwallungen werden vermieden. Und so fragt man sich schon, warum man das Album immer und immer wieder hört….Dies liegt daran, dass der Eindruck aufkommt, dass man irgendwas nicht verstanden, diese Musik noch nicht durchschaut hat. Denn auf der Mikroebene passiert dann doch recht viel. Die ersten gesungenen Worte von „Time“ lassen noch auf eine emotionale Liebeshymne schließen, doch verabschiedet sich der Song dann durch eine Verschiebung in tiefere Tonregionen nüchtern in den Orkus. Und das nuancierte Gitarrenspiel von „Believe“ gibt sich äußerlich unaufgeregt, bei näherem Hinschauen wimmelt und plingert es doch sehr lebendig. Und dennoch, ganz erschließen lässt sich dieses betont unspektakuläre Album nie so ganz, man ist als Hörer wie ein Suchender, dem sich die Einzelheiten in ihrer vollen Bedeutung noch nicht offenbart haben. Eine seltsamme Platte, eine sonderbar spannende Platte.

Selstsam und sonderbar, um nicht zu sagen völlig gaga ist auch das neue Album von The Garden. Bei denen schießt aber auch alles kreuz und quer durchs Feld. Mühsam lässt sich noch ein Grundgerüst aus Post Punk ausmachen, dann wird es mit der Beschreibung aber auch schon schwierig. Drum´n´Bass Memorabilia treffen auf sonderbar selbstbewussten Weißbrot-Rap. Dabei erinnert die Band um die Zwillingsbrüder Wyatt und Fletcher Shears so manches Mal an die Elektrochaoten von A.R.E. Weapons, das Konstanteste ist da noch ein wiederholt auftauchendes Telefonklingeln. Die Stile scheren sich nicht um eine geschlossene Narration, sondern wuseln und wuchern recht ungehindert. Das erzeugt mitunter bestechende Momentaufnahmen wie im lässig ferdernden „Shameless Shadow“, führt aber oft auch zu aufwendig zusammengebastelten Magenschmerzen, doch ganz schön anstrengend, dieser Messie-Rock.

Da kommen die beruhigenden Popweitläufigkeiten von PTTRNS gerade richtig. Im Zeichen der vielseitig eingesetzten Percussions werden diese Rhythmusdauerläufe zu einem betörenden Labsal für den geneigten Hörer. Am Rande des Weges passiert dann auch freundlicherweise allerhand, dem man nach nachsinnen kann. Die mit jazziger Intention gespielten Gitarrenlüfe wissen da genauso zu gefallen, wie das beseelte Saxophonspiel in „Armado“. An anderer Stelle drehen die Synthies frohgemut ihre Kreisel, es passiert aber nie so viel, als dass das Bild überladen wirken würde, es ist genug Raum und Zeit für alle da. Das Berliner Quartett schafft es dabei, dem Hörer die lange Leine zu lassen, ohne die nötige Spannung zu verlieren. Hypnotisch und stimulierend sind diese acht Songs von „Material Und Geschichte“.

 

bis bald

 

euer Martin Makolies