Martins Poptagebuch: 27.04.2018

mit Scott Matthew, Post Animal und Alexis Taylor

Scott Matthew hat auf „Ode To Others“ wieder alles dabei, was man für ein vollmundiges Indiefolk-Album bracht: Blues- und Akustikgitarre, Streicher und Klavier und eine handzahme Orgel sorgt auch immer wieder für die schummrigen Rottöne. Neu ist jedoch, dass Matthew sich etwas von der Introspektive zurückzieht, der Albumtitel kündigt es ja auch an, hier geht es um das Gegenüber. Doch anstatt jetzt ich und du isoliert zu betrachten, wird der Brückenschlag ins wir durchgeführt. Hilfreich dabei ist zum Beispiel eine Ukulele-Version des Culture-Club-Hits „Do You Really Want To Hurt Me“, der in seiner Intimität für so manchen Seufzer sorgt. Das Gleiche gilt natürlich ganz allgemein für diese einnehmende Singstimme Matthews, deren geräucherte Nahbarkeit für so manches wohlige Erzittern sorgt. Damit werden Verbindungen zum anderen geknüpft, die sich nur schwer lösen lassen, „the closest thing I have is you“, nur damit ihrs wisst. Und so schmiegen sich diese ruhigen Nummern ohne Hast an, gerne unterstützt von einem Blick in Richtung Gospel und Soul. Dies ist wieder mal ein Album, von dem sich der Hörer wunderbar umsorgt fühlt.

Ein ziemlich interessanter Fall sind Post Animal aus Chicago. Die Band kann man schon irgendwie aud den Begriff Prog festpinnen, doch es gibt einige Ergänzungen und Einschränkungen zu dieser Grundaussage. Denn anstatt sich in zu viele Verschachtelungen und Verwinkelungen zu verirren, geht der Sechser gerne den direkten Weg, lässt es rollen, dass es druckvoll drängt. Man könnte sie daher als Prog-Variante einer 80er Heavy Rock-Band betiteln, schaden tut das nichts. Und dies führt auch dazu, dass die durchaus üppig vorhandene Psychedelik in diesem Fall ein ordentliches Hochglanzfinish bekommt, man merkt, Spaß machen soll das vor allem. Eine weitere Eigenart dieser Band ist es, dass sie an gewisse Referenzen gemahnt, die dem Proggenre eher fern stehen, da fantasiert sich der Refrain von „Ralphie“ eine experimentellere Version der 1975 zusammen und „Special Moment“ hätte durchaus auf dem schrägen „Souljacker“ der Eels Platz gefunden. Und so kommt „When I Think Of You In A Castle“ extrem weit rum, glänzt mit Spielfreude und vor allem mit so manchem heavy Ohrwurm.

Besonders füllig und schwer ist eigentlich nichts auf Alexis Taylors neuem Soloalbum. Die Stimme von Hot Chip gibt sich auf „Beautiful Thing“ galant und zurückhaltend. Ein schöner Popsong möge es doch bitte sein, so der einfache Ansatz von Taylor. Das erreicht er auf verschiedensten Wegen, da wird erst mal in „Dreaming Another Life“ in die Leere rein gesungen, bis sich ein unaufgeregter Beat findet, der das Stück trägt. „Deep Cut“ hüllt sich in feinste Seide, das Klavier tröpfelt verzerrt im Hintergrund und wieder gibt es diese Stimme, die an der eigenen Zärtlichkeit förmlich zerbricht. An anderer Stelle frönt Taylor dem relativ geradlinigen 60s Pop mit „Oh Baby“, inklusive eines herrlich sehnsüchtig schmachtenden Refrain. Die Vielseitigkeit ist der große Trumpf einer Platte, die sich um stilistische Stringenz wenig schert, doch eins steht immer fest: Alexis Taylor macht großen Pop.

 

 

bis bald

 

euer Martin Makolies