Martins Poptagebuch: 02.05.2018

mit Forth Wanderers, Janelle Monae und Yazan

Alle, die ihren 90s Indie Rock in Ehren halten, können sich mit Freude auf das selbstbetitelte Album der Forth Wanderers stürzen. Obwohl, mit der Freude ist das so eine Sache. Da können Gitarren- und Schlagzeugspiel noch so druckvoll sein, eine große Vergeblichkeit zieht sich dennoch durch die Songs. Dies liegt vor allem am Gesang der Frontdame Ava Trillings: mit gedämpften Ach und Weh durchzieht sie diese Songs, welche den Grunge genau studiert haben, und legt eine bleierne Betrübnis über jede Aktion. Das ergibt eine wunderbar halb desinteressierte Melancholie, Stücke wie das eröffnende „Nevermine“ pendeln etwas unschlüssig durch die Gegend, werden aber immer wieder durch die Gitarren etwas angestachelt, auch wenn Trillings nah dem Boden ist. Auch „Not For Me“ ist so ein Mischding aus aktiver Instrumentierung und Niedergeschlagenheit. Dadurch wird dieses Album schön uneindeutig und ambivalent, man weiß nicht genau, wo die Forth Wanderers hinwollen, gerne geht man jedoch mit.

Der eigene Weg ist für eine Künstlerin wie Janelle Monae möglicherweise auch kein lauer Spaziergang. Queer und schwarz, da mag es Vourteile und Ressentiments in großer Zahl geben. Und so ist ihr neues Album „Dirty Computer“ auch in weiten Strecken der Selbstbehauptung und einer hart erkämpften Selbstverständlichkeit gewidmet. Doch mag Monae auch eine Kämpferin sein, „Dirty Computer“ ist deswegen nicht pauschal aggressiv. Im Gegenteil, diese Platte ist ein großer Freudenquell, eine Einladung zur Partizipation, die sich nicht nur im Mitfeiern erschöpft. Monae reicht die Hand, schlägt Brücken, manches mal zum verblichenen Großmeister aus Paisley Park aber auch andere Genres werden lebensfroh eingemeindet. So flutscht der unter Mitarbeit von Pharell entstandene Dancehall von „I Got The Juice“ wunderbar, die grungigen Gitarren von „So Afraid“ unterstützen Monae auf einem sakralen Weg und Songs wie „Take A Byte“ und „Screwed“ sind unangestrengte Hits, deren Hooks simpel wie wirkungsvoll sind. Ganz toll sind auch die diversen Rap-Passagen, in denen sich der grundsätzliche Gestus der Platte wiederspiegelt: selbstbewusst aber nicht ausgrenzend.

Man möchte dem nächsten Künstler nicht zu nahe treten aber unter uns gesagt, dieser Yazan ist schon ein ziemlicher Anachronismus. Der Sohn palästinensischer Flüchtlinge hat auf „HaHaHa“ die Gegenwart verschlafen, es gibt nichts, was es nicht schon 1971 gegeben hätte. Schön aber, dass das gar nicht schlimm ist. Denn Yazan geht mit Abwechslung und Inspiration zu Werke. Im Geiste verwandt mit John Frusciante und Devandra Banhart, kommt Yazan richtig weit rum. Die Füße stecken im Blues, doch reicht sein Blick hinüber zu Folk und Heavy Rock, manche Mörderballade ist auch an Bord. Da trifft die hohe Stimme des Singer/Songwriters in „Cockroach“ auf einen grummelnden aber brüchigen Blues, garstige Gitarrenriffs treiben das Geschehen Richtung Untergang und trotzdem bleibt da ein Hauch von Unschuld. „The Star“ gönnt sich sogar eine doomige Grundstimmung, Black Sabbath sind nicht weit, dennoch findet Yazan den Weg in leichtere Gefilde: „Forgiveness Beginns“ beduselt sich an seiner folkigen Noblesse und man fragt sich dann auch wieder hier, wo auf einmal diese große Leidenschaft herkommt. Manches auf „HaHaHa“ wandelt in den Randbezirken der geistigen Gesundheit, doch immer ist dieses Album mit seiner Energie dem Leben verschrieben, dieser Hippie-Touch hätte 1971 gut gepasst.

 

bis bald

 

euer Martin Makolies