Martins Poptagebuch 20.07.2018

mit Okzharp& Manthe Ribane, Blank Tapes und Meuko! Meuko!

Okzharp&Manthe Ribane-Closer Apart   Dass Reduktion und Schlichtheit mitunter zu unerwartet intensiven Hörerlebnissen führen, zeigt dieses südarfrikanische Musik-couple. Der Drumcomputer erzeugt trickreiche aber allzeit reduzierte Beats, Keyboards und Synthies geben sich markant und der Gesang von Ribane wirkt wie eine mit wenigen Schlägen behauene Skulptur. Klar, dass auch die Lyrics simpel und repetitiv sind. So entsteht ein knochentrockener Fokus auf wenige Elemente, die im Zusammenspiel jedoch für hypnotische Spannung sorgen. Zum Schluss kommt dabei eleganter Minimal R´n`B raus, dessen Konzentration auf das Wesentliche vor Übersättigung schützt.

The Blank Tapes-Candy   Gut fünfzig Jahre in die Vergangenheit geht Matt Adams mit seinen Blank Tapes zurück. „Candy“ nostalgiert sich watteweich in den Summer of Love, gerne auch unter Mithilfe des Westküsten-Folks. Aber ganz basal ist das eigentlich schmusewillige Popmusik mit jauchzenden und schmachtenden Gitarren. Mal hat das einen bekifften Swing, mal lächelt ein wenig Psychedelik hinter den Songs hervor, immer jedoch ist da dieses Zutrauen in die Liebe. Dass dabei manchmal etwas mehr Wert auf die Atmosphäre als auf zwingende Songideen gelegt wird, geschenkt! Wenn sich dann auch noch das schluffig schunkelnde „Last Night“ in einen vergnügten „rainy day“ stürzt, ist das Wohlbefinden schier grenzenlos.

Meuko! Meuko!-Ghost Island   Die taiwanesische Klangkünstlerin Pon ist verdamm gut im Arrangieren von Kontrasten. Auf ihrem neuen Album als Meuko! Meuko! herrscht zwar grundsätzlich ein Regiment aus ratternden Beats und kakophonischem Großstadt-Krach, doch diese elektronische Musik beherbergt so manche Überraschung. Da wäre der Track „The Temple“ zu nennen. Inmitten der mechanoiden Echos finden sich traditionelle asiatische Instrumente und ein Gesang der an religiöse Riten erinnert. So entsteht ein verwunschener Karneval voller schiefgewickelter Folklore, der Ort der Metropole wird durch eine Zeitachse in die Vergangenheit ausgedehnt. Auch das mystische „Princess Sika“ besitzt ähnliche Qualitäten, so dass „Ghost Island“ neben der Orientierung im Straßendschungel weitere, traditinelle Perspektiven anbietet.