Martins Poptagebuch 23.07.2018

mit Donato Dozzy, Ty Segall & White Fence und Lotic

Donato Dozzy- Filo Loves The Acid     Der Roland 303 ist eine feine Maschine und er läuft und läuft, dabei hat dieses Ding nebenbei die Geburt von Acid House bewirkt. Donato Dozzy huldigt diesem Genre und diesem Gerät auf seinem neuesten Output. Er fängt meisterhaft die Schönheit von gleichmäßigem, ausufernden Rhythmus ein, eine dynamische Schussfahrt, die sich nur punktuelle und behutsam ausgeführte Verschiebungen in der Klangstatik gönnt. So wird „Filo Loves The Acid“ zu einem konzentrierten Trip, der sich tief in die mentale und körperliche Ekstase hineingräbt.

Ty Segall&White Fence- Joy     Zum bereits zweiten Mal arbeiten Ty Segall und Tim Presley zusammen und wieder wird es zum Fest für alle Rock-Weirdos. Es ist eine Kunst, wie diese Musik den Eindruck erweckt, dass alle Beteiligten hier eine halbe Stunde lang einem äußerst sprunghaften stream of consciousness folgen, intuitiv und assizioativ. Zwei Dinge sind besonders hervorzuheben: wie sich akustische und elektrische Gitarre mal duellieren, mal umgarnen und ein anpassungsfähiges Schlagzeugspiel, welches fast das gane Reservoir der Rockmusik ausschöpft. Bei dem ganzen unaufgeräumten hin und her ist es äußerst beglückend, dass immer wieder aus dem Gewusel Momente von melodischer Klarheit und Schönheit hervorbrechen, „Body Behaviour“ und „Do Your Hair“ erzeugen zum Beispiel bei aller ins Kraut schießenden Verrücktheit immer wieder Augenblicke der Fokussierung, Segall und Presley legen an solchen Stellen das Hit Potential ihrer windschiefen Songkonstruktionen frei.

Lotic- Power     Die Künstlerfigur Lotic möchte, dass man über sie in der dritten Person Plural spricht, maskulin und feminin sind die beiden Pole, die bei Lotic für multiple Ausprägungen der Persönlichkeit sorgen. Und diese Ambivalenz spürt man deutlich auf „Power“, dem Debütalbum von Lotic. Die Rhythmusarbeit ist herb bis schroff, gibt sich sperrig in einer harschen Anmutung von Industrial. Den Konterpart spielen aber nicht selten fragile und weichgezeichnete Synthiemelodien, die sich in das ungemütliche Umfeld in den besten Momenten dieser Platte intuitiv einschleichen. Die Verknüpfung von unnahbar und anschmiegsam gelingt Lotic phasenweise verblüffend schlüssig. Auch bei den Vocals gibt es ein kontrastreiches Programm, da folgt auf Tough Guy-Hip Hop zartbesaiteter R´n´B, wobei das alles aus der Kehle von einer einzigen Person kommt. Manches steht jedoch auch unvereinbar nebeneinander, statt Verknüpfung setzt es dann harte Breaks. Dies sind dann die Stellen, die einen ein wenig konfus zurücklassen, hier hätte Lotic vielleicht noch mehr den Dialog seiner Grundprinzipien suchen können, besonders und künstlerisch anregend ist dieses Elecktroding aber auf jeden Fall.