Martins Poptagebuch 26.07.2018

mit Ovlov, Cruel Diagonals und SWIMM

Ovlov- Tru     Wenn man an dieser ungerechten, zynischen Welt förmlich zu Grunde geht und darüber auch noch Songs schreibt, bleibt die Gefahr nicht aus, dabei eine allzu wehleidige Figur zu machen. Steve Hartlett, Vorsteher von Ovlov, hat da aber ein Rezept. Er und seine Band jagen die Kompositionen einfach durch ein gewaltiges Sperrfeuer aus Gitarre und furiosem Schlagzeug. Da türmen sich die zertretenen Fuzz-Pedale in der Ecke und die Felle müssen auch öfters aufgezogen werden aber jedenfalls kann keiner behaubten, Ovlov seien Jammerlappen. Dennoch bewahrt sich die Band eine immanente Sensibiltät, denn in den weichgezeichneten Gesangsmelodien bleibt jede Menge Raum für emotionale Nuancen. Da peitschen und kratzen die Stücke zwar gehörig, eine bewusst sichtbar gelassene Verletzlichkeit bewahrt die Songs aber davor, abweisend zu wirken. Dass sich davon jetzt vielleicht Fans von Dinosaur Jr. angesprochen fühlen, sollte nicht wirklich überraschen, da der Ansatz beider Bands ein ähnlicher ist.

Cruel Diagonals- Disambiguation     Auf ihrem Debütalbum als Cruel Diagonals inszeniert die Kalifornierin Megan Mitchell sich und ihre Stimme als verhängnisvolle Sirene. Man folgt dem mit Hall beladenen Gesang, der eine spirituelle Anmutung hat, sklavisch und willenlos. Ein fataler Flirt mit einem lockenden, süßen Tod, dass ist das, was diesen sakralen Ambient so verführerisch macht. Man ist oftmals kurz davor, vollends wegzudriften, die Seile in das Hier und Jetzt zu kappen. Interessanterweise wird auf „Disambiguation“ aber auch ein wirksames Gegengift geliefert. Es gibt nämlich so manchen Moment, in dem die eher periphär platzierten Percussions und Beats sich zu einer schärferen Kontur entschließen und eine handfeste Dynamik erzeugen. So wird man in Stücken wie „Emneshed“ und „Render Arcane“ fast schon unsanft wachgerüttelt, ist ja vielleicht auch ganz gut so, lebt man halt noch ein bisschen länger.

SWIMM- Sentimental Porno     Das Debüt „Sentimental Porno“ dieser Band aus Los Angeles macht erstmal alles richtig: die erste Hälfte gibt sich einen lasziven Soft Rock Anstrich mit coolen, funky Grooves. Dabei vergisst die Band nicht, auch für kleine, kompositorische Bonmots zu sorgen, wie die überraschende Tempoverschärfung in „Wasted“. Der theatralische Gesang von Chriss Hess wird von der zurückhaltenden Eleganz der Musik stets wunderbar ergänzt. Die zweite Hälfte der Platte hebt jedoch dieses konträre Verhältnis auf, die Gitarren suchen nun auch das große, leider oftmals weinerliche Drama. Dadurch wirkt „Sentimental Porno“ im späteren Verlauf seltsam aufgetakelt und affektiert, es bleibt nur noch wenig von der angenehmen Coolness zu Beginn.