Martins Poptagebuch 27.07.2018

mit Wild Pink, Kevin Krauter und The Internet

Wild Pink- Yolk In The Fur     Dunkelheit, Schnee, Rauch, der den Schornsteinen entschwindet….Nein, die Stimmung auf „Yulk In The Fur“ spiegelt den Release-Zeitpunkt wirklich nicht wieder. Das zweite Album von Wild Pink gehört in den Winter, mindestens in den Herbst. Sänger John Ross scheint seine fragile Stimme unter einer kuscheligen Decke zu verstecken, er verliert nie diese unverrückbare Ruhe und fährt zu keinem Zeitpunkt aus der Haut. Und so teilt er beiläufig diese melancholischen Beobachtungen, denen jedoch immer ein wenig Zuversicht innewohnt. Dieser schwindsüchtige Optimismus erhält zumindest von den Gitarren eine erhebliche Unterstützung, jene schwingen sich nämlich das eine oder andere Mal zu gehörigen Folk Rock-Ausrufezeichen auf, die für ein bisschen Fleisch auf den Rippen sorgen. Die Zerbrechlichkeit des Gesangs trifft somit immer wieder auf kräftige Gitarrenflächen, so dass eine spannende Verhandlung über das Naturell dieser Platte ihren Lauf nimmt.

Kevin Krauter- Toss Up     Definitiv gut in den Sommer passt dieses kleine, zurückgelehnte Album. Kevin Krauter spielt seine Gitarre lässig und unaufdringlich, es plingert herrlich sonnenverliebt. Dazu passen auch diverse verträumte Klänge von den sacht eingesetzten Vintage-Keyboards. Wer jetzt jedoch denkt, „Toss Up“ wäre so ein vergnügtes Party-Ding, hat die Rechnung ohne Krauters Melancholie gemacht. Er gibt zwar selber an, mit seinen Rollerskates durch Wände aus Hass zu rauschen, so viel Energie enthalten die generell eher schluffig-trägen Songs aber gar nicht. Es geht eher um ein unbeteiligtes Zurücklehnen, diese Hundstage sind schließlich auch ein herrlicher Grund, sich aus dem eigenen Leben rauszuhalten.

The Internet- Hive Mind     Dies, liebe Leute, wird das Album sein, dass euch für alle Zeiten für die härtere Gangart in der Black Music untauglich macht. Na ja, vielleicht doch nicht für immer aber wenn ihr euch durch diesen vollauf unaggressiven Flow geschmeidig die Gehörgänge ölen lasst, wollt ihr erst mal nix mehr von Gangstern und Thugs wissen. Denn die Macht von The Internet ist die der Liebe. Und da rollen mit durchaus voluminösem Bass diese Songs ab, die zwar eindringlich aber eben nicht aufdringlich sind. Sängerin Syd bringt jede Hook sicher ins Ziel, ohne dafür das große Spektakel abfackeln zu müssen. Ihr Vortrag ist tief sinnlich, weniger frivol, dafür mit einer eleganten Gedult, um die erotische Atmosphäre zur Entfaltung kommen zu lassen. Diese Mischung aus Funk, Soul und R´n´B ist ein unheimlich befriedigender Ausflug in die verführerisch lockenden Schatten einer Großstadtnacht, am Besten zu zweit verbracht.