Martins Poptagebuch 01.08.2018

mit Buddy Guy, Liars und The Ophelias

Buddy Guy- The Blues Is Alive And Well     Wenn eine unbestrittene Legende des Blues eine Bestandsaufnahme des Genres vornimmt und zu einem positiven Urteil kommt, kann man sich durchaus freuen. Und Buddy Guy liefert selbst genug Argumente für ein langes Fortbestehen seiner Musik. Kaum einer schafft es, so kraftvoll und gleichzeitig ausdifferentziert mit der Gitarre umzugehen. Ein druckvoller Schwinger wird ebenso beherrscht wie ein ultrafeines Jauchzen. Dadurch werden die Facetten des Blues gut abgebildet, dieses Album steht stellvertretend für den reichen Kanon, den Buddy Guys Karriere abdeckt. Ein besonderes Glanzstück ist „Cognac“: hier lässt sich Guy von den Leuten unterstützen, die sich einst von seiner Musik haben inspirieren lassen. Ein Jeff Beck und ein Keith Richard befeuern nur zu gerne diesen satten Song mit Soli und anderen Kapriolen. Später schaut auch noch Mick Jagger vorbei und Buddy Guy fühlt sich sichtlich wohl im Kreise seiner Verehrer. Dabei bleibt er jedoch demütig: „a few good years is all I need right now“.

Liars- 1/1     Dieses Album des -inzwischen- Einmannprojektes Liars stellt den Soundtrack zum gleichnamigen Film dar, einer trostlosen Geschichte aus dem amerikanischen Rust Belt. Und ähnlich hoffnungsarm kommen diese fragmentarischen Elektrostücke daher, die sich höchstens durch etwas melodischen Ambient ab und an den oberflächlichen Anstrich von Schönheit geben. Bei den Beats verfolgt Angus Andrew eine doppelte Strategie. In manchen Stücken herrscht Unordnung, die Rhythmik ist verworren, ein Beat scheint dem anderen zu widersprechen. Andere Stücke setzen auf rhythmische Konstanz, leiden manchmal jedoch daran, dass sie sich nicht über einen längeren Zeitraum entfalten können. Dies mag jedoch dem Soundtrack-Format geschuldet sein, dessen szenische Grenzen hier eher für skizzenhafte Eindrücke sorgen. Ein voll ausformulierter Club-Track wie „Liquorice“ bleibt die Ausnahme.

The Ophelias – Almost      In der zeitgenössischen Indie-Musik sind überbordende Emotionen weniger gefragt als noch vor 10 – 12 Jahren. Selbst Arcade Fire, die Könige der Emphase, haben ihre Musik merklich um gewaltige Gefühlsaufwallungen reduziert. The Ophelias aus Cincinatti spielen es auf „Almost“ auch spürbar kühl. Sängerin Spencer Peppet lässt an ihren Gesang weder Wut noch Euphorie ran, der von Violine und Klavier unterstützte Gitarrenpop dieser vierköpfigen Band kommt auch auf instrumentaler Ebene ohne größere Wirbelstürme aus, das Schlagzeugspiel ist da zum Beispiel vielseitig und dynamisch aber niemals aggressiv. Dies ergänzt sich perfekt mit dem Vortrag Peppets, der in seiner Nüchternheit höchstens einmal durch ein elfenhaftes Hinaufschweben in die hohen Tonlagen variiert wird. Dass diese Platte dennoch immer wieder markante Momente besitzt, liegt an der bereits angesprochenen Variabilität der Rhythmusgruppe, die die Songs so manches mal auf interessante Weise ins Ziel bringt.