Living Colour – Shade

Living Colour - Shade(Megaforce / H’Art)Die Initialzündung für „Shade“ entstand durch den Einfluss des Blues Musikers Robert Johnson, während eines Auftritts im berühmten Apollo Theater in Harlem. Tosend durch die Performance eines elektrisch geladenen Cover-Songs des Johnson Klassikers „Preachin‘ Blues“, bewegten Living Colour sowohl das Publikum als auch sich selbst. „Das war wirklich der Anfang für uns über die Richtung nachzudenken, die wir für unser nächstes Projekt nehmen wollten“, erzählt Living Colour Gitarrist Vernon Reid. „Diese Mischung aus Blues und Metal zu hören war wirklich das, was den Stein ins Rollen brachte.“

Mit „Shade“, dem ersten Album seit dem gefeierten Longplayer „The Chair in the Doorway“ von 2009, erklimmt Living Colour den Gipfel der kreativen Power. Nach wie vor experimentieren sie eher wie frisch gebackene Aufsteiger und nicht wie durchtriebenen Alt-Stars. Obwohl der Blues die Grundlage für die Songs bildet, sollte man nicht erwarten, den „down-home“ Stil zu hören, der einst als Soundtrack der Farmer und der Spelunken im ländlichen Südosten der USA diente, bevor die Musik auf den Pfaden der Großen Migration wandelte. Living Colours Blues bindet eine Vielzahl an Einflüssen ein und ist zugleich politisch brisant.

„Gibt es einen besseren Weg als über den Blues zur Welt zu sprechen?“ fragt Sänger Corey Glover. „Wir haben den Song ‚Preaching Blues‘ mehrere Male aufgenommen, um das Projekt auf Touren zu bringen, und das hat alle angefeuert. Danach waren wir bereit. ‚Shade‘ ist am Ende mehr eine Dekonstruktion als eine Interpretation des Blues. Es war die Ausdrucksweise, die uns die Stimme gab.“

Produzent Andre Betts arbeitete erstmals 1993 zum Album „Stain“ mit der Band zusammen. Er verbrachte insgesamt fünf Jahre im Studio, um die neue Platte zu vollenden. Ursprünglich wurde er durch Bassist Doug Wimbish ins Boot geholt und er war mehr als bereit, um die Herausforderung anzunehmen mit solchen Perfektionisten zu arbeiten. „Platten aufzunehmen ist Kunst und ein Prozess und manchmal ist es leichter einen Sack voll Flöhe zu hüten,“ lacht Wimbish. „Aber wenn es verbindet und uns zusammen bringt, ist es eine wunderschöne Sache. ‚Shade‘ ist ein Zeugnis dessen, was Living Colour ausmacht.“

Ohne jeden Zweifel kommt diese Qualität auf jeden Fall in dem 13-Track starken Album zum Ausdruck. „Shade“ ist eine akustische Reise bei der „Blak Out“ für ordentlich Furore sorgt – ein Old School Trasher, der nur so strotzt vor Gangster Boogie Sound. Der Song „Program“, ein reißender, sozial gespickter Cocktail, nimmt Bezug auf den kultigen Hit der Band „Cult of Personality“. Herausragende Songs wie u.a. die Acid Funk Ballade „Two Sides“ (zusammen mit einem Gastauftritt von George Clinton) sowie das Afro-Punk Feuerwerk „Glass Teeth“, beweisen, dass Corey Glovers Gesang stärker ist als jemals zuvor, während Vernon Reid, der längst als einer der kreativsten Gitarristen des Modern Rock gilt, diesen Ruf auf dem Opener „Freedom Of Expression (F.O.X.)“ sowie auf der Soul Blues Nummer „Who’s That?“ absolut auslebt. Drummer Will Calhoun erklärt „Invisible“ zu einem seiner Favoriten, welcher eine Hommage an Buddy Miles ist. „Als wir damals loslegten, kam Buddy zu jeder unserer Shows in Chicago“, erzählt Calhoun über den Schlagzeuger, der schon mit Jimi Hendrix („Band of Gypsys“) und Carlos Santana spielte. „Er war ein großartiger Freund der Gruppe. Buddy Miles ist solch ein unbesungener Drummer, der die Power einer Lokomotive hatte. Buddys Stil ist tausendprozentig auf dieser Platte.“

Während sich andere erfahrene Rocker mit dem Leben „on the road“ zufrieden geben, genießen es Living Colour, gemeinsam an neuem Material zu arbeiten. „Shade“ ist ein Beleg dieses Spirits. Die vier Mitglieder vereinen Talent und Freundschaft, sie haben den Blues entdeckt und dessen Inkarnation, sowohl musikalisch als auch emotional, und sie liefern ein Album ab, welches nicht nur dafür spricht, wo sie nach fast drei Jahrzehnten als Band stehen, sondern auch die Welt in diesen unruhigen Zeiten widerspiegelt. „Für mich scheint sich unser gemeinschaftliches Leben zu verdüstern. Wir können dem entweder erlauben uns zu tyrannisieren oder es beleuchten“, fasst Reid zusammen. ‘Shade‘ ist der Sound einer Band, die den Schatten bewältigt und ein Licht ausstrahlt, indem es den Blues als Spiegel nutzt.“

Info: www.livingcolour.com