DON BROCO – Technology

DON BROCO - Technology(SharpTone / Nuclear Blast / Warner ) „»Technology« ist eine direkte Reaktion auf unsere letzte Platte »Automatic«“, erklärt DON BROCO-Frontmann Rob Damiani. „»Automatic« haben wir als Test für unsere traditionellen Songwriting-Fähigkeiten geschrieben, aber dieses Mal wollten wir uns nicht auf dem Erreichten ausruhen und uns weiter herausfordern. Wir haben uns keine Grenzen gesetzt, es musste sich einfach gut anfühlen.“
 
Das war das Ziel von DON BROCOs drittem Studioalbum, doch das Ergebnis ist viel mehr als nur ein originelles, immer wieder überraschendes Album. Die Band vermengt ihren charismatischen 80er Jahre-Pop/Rock beinahe durchweg mit Metal-, Funk- und Elektronik-Elementen und macht die neue Scheibe somit zur besten ihrer Karriere. Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 sind DON BROCO – komplettiert durch GitarristSimon Delaney, Schlagzeuger/Sänger Matt Donnelly und Bassist Tom Doyle – zu einer der vielfältigsten und charismatischsten Bands der Rockszene aufgestiegen.
 
Ihre beiden vorherigen Alben »Priorities« (2012) und »Automatic« (2015) brachten sie auf die Bühnen der britischen Arenen. So traten sie u.a. im Vorprogramm von BRING ME THE HORIZON auf und spielten riesige Shows mit YOU ME AT SIX, ONE OK ROCK und 5 SECONDS OF SUMMER. Des Weiteren waren sie Headliner der Kerrang!-Tour und lieferten gefeierte Sets beim Reading/Leeds Festival, Download Festival und Slam Dunk Festival ab. Somit war es kein Wunder, dass 2017 ihre Headlineshow im geschichtsträchtigen Londoner Alexandra Palace ausverkauft war.
 
In vielerlei Hinsicht ist »Technology« , das am 02. Februar 2018 via SharpTone veröffentlicht wird, maßgeschneidert, um die großen Hallen zu erobern, in denen sie 2017 und zukünftig in Großbritannien, Amerika, Australien und Japan spielen werden. „Die Frage, die wir uns gestellt haben, war: ‚Wie wird sich das live anfühlen?’“, erinnert sich Rob zurück. „Wenn du dir vorstellen kannst, den Song live vor ausverkauftem Haus zu performen und glaubst, dass die Leute dabei durchdrehen werden, weißt du: Der Song funktioniert!“ Um den enormen Sound, den sie sich vorgestellt hatten, umsetzen zu können, hat sich die Band mit Produzent Dan Lancaster (BLINK-182, LITTLE MIX, GOOD CHARLOTTE) und Grammy Award-Gewinner Jason Perry zusammengetan. Das Ergebnis ist DON BROCO, wie man sie noch nie gehört hat. „Die Leute denken, wir wären einfach nur gutgelaunte Jungs“, sagt Matt. „Aber das ist schon immer nur die eine Seite unserer Persönlichkei gewesen.“ Als Beweis muss man sich nur einmal die komplex-thematische Struktur von »Technology« anschauen.
 
Das Album beginnt mit dem Titeltrack, der direkt die Richtung vorgibt. Dieses originelle, intelligente und ansteckende Stück wirft einen offenen Blick auf den modernen Alltag. Rob erklärt: „’Technology‘ berichtet davon, wie ich eines Tages durch Instagram scrollte und viele Freunden einfach löschte. In Wirklichkeit sind meine Freunde gar keine eitlen, selbstverliebten Angeber, aber durch den Filter der sozialen Medien wirken sie so und es ist furchtbar, welchen Eindruck Menschen hinterlassen, die jeden kleinen Moment ihres Lebens online teilen müssen.“
 
Der nächste Track, ‚Stay Ignorant‘, lässt tief in das Chaos, das aktuell auf der Welt herrscht, blicken. Der Song wurde teils von Robs Eindrücken, nachdem er die Netflix-Dokumentation»The White Helmets« geschaut hatte, als auch von den weltweiten Gräueltaten, die wir tagtäglich nicht zwangsläufig mitbekommen, geprägt. „Die Weißhelme in Syrien kämpfen sich durch Trümmer und von Bomben verwüstete Plätze und versuchen, so viele wie möglich aus einer Region, die bereits völlig zerstört ist, zu retten. Das hat mich echt mitgenommen.“
 
‚T-Shirt Song‘ist eine gewaltige Rockhymne, die sich mit einer anderen mental schwierigen Phase in Robs Leben beschäftigt. „Dies ist einer der emotionalsten Tracks des Albums, der vom düsteren Beziehungsende eines guten Freundes beeinflusst worden ist. Während wir den Song geschrieben haben, ging ich ebenfalls durch eine schwere Zeit. Eines Abends bin ich in einem Club gelandet, in dem der DJ die Baywatch-Titelmelodie auflegte. Jeder, der schon mal eine kitschige Clubnacht mitgemacht hat, weiß genau, dass dies der Moment ist, in dem alle ihre T-Shirts ausziehen und anschließend durch die Luft schwingen. Mir war damals überhaupt nicht danach, aber ich habe trotzdem mitgemacht und – so blöd das auch klingen mag – mich danach wirklich besser gefühlt. Plötzlich konnte ich wieder Licht am Ende des Tunnels sehen. Dieser Song erzählt, wie es ist, wenn man die Hölle durchmacht und danach stärker denn je aus dieser Zeit hervorgeht.“
 
Mit ‚Come Out To LA‘ folgen explosive 3 Minuten und 29 Sekunden voller Sarkasmus, die sich direkt an die Musikindustrie richten: Ein Anti-Hit, der es verdient, ein großer Hit zu werden. „Für unser letztes Album bei Sony wurden wir – wie die meisten Bands, die zum ersten Mal einen weltweiten Deal unterzeichnen – nach LA geflogen, um dort die Chefetage zu treffen und Videos zu drehen. Wir wurden schick zum Essen eingeladen, uns wurde die Welt versprochen und – naiv, wie wir zu Beginn unserer Karriere waren – haben wir natürlich alles geglaubt. Es wurde jedoch schnell klar, dass all dies nur Gerede war.“
 
‚Pretty‘ dreht sich um trügerischer Erscheinungen oder, wie Rob es zu formulieren pflegt, die moralische Zerrissenheit, „jemanden körperlich attraktiv zu finden, obwohl dieser das größte Stück Scheiße der Welt ist.“ Das anschließende ‚The Blues‘ steht für eine der bis dato emotionalsten Phasen DON BROCOs: Der Song erzählt von einem Freund, der in einer mentalen Krise steckt. „Wie hilft man jemandem, der sich nicht helfen lassen will?“, sinniert Tom. „Wie kannst du jemandem helfen, wenn du den Verdacht hast, dass dieser auf Unterstützung angewiesen ist, derjenige aber immer wieder nur das Thema wechselt oder versucht auszuweichen?“
 
Um dieses empfindliche Gleichgewicht menschlicher Beziehungen geht es auch in ‚Tightrope‘. „Für manche Leute ist es echt einfach, anderen den Rücken zu kehren, wenn ihnen etwas nicht passt“, sagt Rob. „Wie sich selbst die Familie voneinander abwendet, wenn es hart auf hart kommt.“
 
Während die Welt durch das dazugehörige, witzige Cowboy-Video erstmals mit ‚Everybody‘ bekannt gemacht wurde, ist dies eigentlich die Vertonung der Geschichte, in der DON BROCO in mehrfacher Hinsicht fast ein vorzeitiges Ende genommen hätte. „Das war etwas, worüber wir nie gesprochen haben“, meint Rob. „Die Bandmoral war am Boden und wir konnten nicht proben, ohne immer wieder zusammenzubrechen. Wir haben das aber für uns behalten, denn wir wollten nicht, dass die Außenwelt etwas davon mitbekommt. Eines Tages fuhren wir super spät zu einem Festival und wären fast gestorben, nur weil wir den Transporter in einem Zustand gefahren sind, in dem man niemals auf der Straße sein sollte.“
 
Zum Glück ist aus diesem Tief aber der Hit ‚Greatness‘ entstanden. Ein Lied, das sich als eklektisches Manifest von »Technology« herauskristallisiert – sowohl wegen dem heroischen Einsatz von Kuhglocken als auch einem vernichtenden Drop-A-Riff. „Warum streben Leute nicht mehr nach Größe, Originalität und Vielfalt?“, fragt Rob. „Alle scheinen heutzutage mit Mittelmäßigkeit zufrieden zu sein. Es gibt unglaublich großartige Musik, aber auch so viel Mist da draußen – die meisten Lieder klingen einfach gleich.“
 
‚Porkies‘ fühlt sich hingegen fast wie eine Revolution an, während es sich in ein riesiges, treibendes Riff verwandelt. Die Aggression ist logisch, wenn man den Hintergrund des Tracks bedenkt: „’Porkies‘ handelt von Fake-News und ihrer Verbreitung, da sich durch die heutige Technologie jedes Gerücht wie ein Lauffeuer verbreiten kann und es jeder blind glaubt“, erklärt Rob. Der Song passt perfekt zum rauen Titeltrack, da er die stetig schwieriger werdende Beziehung zwischen „Technik und modernem Leben“ aufgreift. Musikalisch von DON BROCOs Jugendikonen wie den DEFTONES, SYSTEM OF A DOWN und INCUBUS beeinflusst, hat Simon den Song im Studio auf die Probe gestellt: „Fühle ich etwas, wenn ich dieses Riff höre? Nein? Dann weg damit“, lächelt er. „Bin ich besorgt und nicht ganz sicher, ob es passt? Dann ist es genau das Richtige.“
 
Danach konzentrieren sich DON BROCO mit ‚Got To Be You‘auf die dunklere Seite der Liebe und verfolgen den Werdegang einer Beziehung vom anfänglichen Glück hin zu emotionaler Sklaverei. Simon bezeichnet den Song unapologisch als „ehrliche Hommage“ an U2.
 
Die Band verbindet in ‚Good Listener‘ reale Sorge über die Überwachung von Smartphones mit der wohl besten lyrischen Verwendung des Begriffs ‚Chili Con Carne‘. „Es nervt mich, dass all das Zeug passiert“, sagt Rob. „Dass dir dein Handy in deiner Tasche immer zuhört, egal, ob es an oder aus ist.“ Diese charismatische Serie setzt sich mit ‚¥‘ fort, einem Song, der von ihrem ersten Trip nach Japan erzählt und den Wert des Geldes im Verhältnis zu Erfahrungen widerspiegelt. Rob vergleicht dabei auch seine eigenen Abenteuer mit denen seiner Freunde, die ihr gesamtes Geld für Alkohol und den Kauf von Wohnungen ausgeben. „Unsere Japan-Erfahrung war unbezahlbar“, sagt er. „Mir wurde klar, welch ein Leben wir uns als Band ausgesucht haben.“
 
Das Album endet mit ‚Something To Drink‘, in dem Rob die unangenehmen Momente in Bars und auf Hochzeiten verarbeitet, in denen eine gemütliche Unterhaltung plötzlich politisch angeheizt und die Stimmung ruiniert wird: „Der Brexit hat sehr viel damit zu tun“, ergänzt Rob. „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber das Problem, das ich mit Brexit oder dem Aufstieg von Trump hatte, beruht nicht auf wirtschaftlichen oder finanziellen Fragen, sondern vielmehr auf dem versteckten Hass, der in vielen Menschen brodelt, die jene Thematiken unterstützen. Man kann es Fremdenfeindlichkeit nennen, aber ob man es nun Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus nennt, ist völlig egal. Aus meiner Sicht sind wir doch alle dieselben Menschen.“
 
Dieser Song manifestiert den aktuellen Stand von DON BROCO im Jahr 2017 und beweist, dass sie sich weiterentwickelt haben. Sie mischen immer noch massive Hooks und brillante Melodien mit ironischen, empirischen Lyrics, doch dieses Mal wollen sie auch zum Nachdenken anregen. „Dieses Album liefert ein tieferes und vielschichtigeres Verständnis von dem, was in uns vorgeht“, schließt Rob ab. „Ich finde es aufregend, dass wir uns ständig verändern.“ Möge dieser Zustand noch lange anhalten.

Info: www.facebook.com/donbroco