BILLY AND THE FIRM: “Gott segne MySpace”

Billy Levy wird als “self made women” beschrieben. Zwei Jahre lang schraubte sie im heimischen Jaffa an ihren staubtrockenen und lebensfrohen Hymnen. Das Ergebnis wurde auf den Namen „Thoughts From The Lioness‘ Lab“ getauft. Ein Album, in dem die Israelin experimentelle Klänge, Harmonien, verschiedene Stimmungen und Stimmlagen zum Besten gibt und deutlich ihr Lebensgefühl und ihre Leidenschaft widerspiegelt. Spürbar beeinflusst von Acts wie PJ Harvey, Sonic Youth oder Pixies darf man Billy And The Firm getrost als die Indie- Entdeckung des Mittleren Ostens bezeichnet. Zusammen mit ihrer Band ist Billy Levy „Billy And The Firm“, die in ihrem Bett unser E-Mail Interview beantwortete.

Hallo Billy, wie geht es Dir und wo steckst du gerade?

Billy: Mir geht es blendend. Ich liege im Bett und erhole mich von der gestrigen Show hier in Tel Aviv.

Beschreib doch mal kurz Billy And The Firm für diejenigen, die von euch noch nie was gehört haben?

Billy: Wir sind eine vierköpfige energiegeladene Rock-Pop Band mit einer phänomenalen hyperaktiven Frontfrau aus dem Mittleren Osten.

Wie hast du deine Band “And The Firm” eigentlich gefunden und kennen gelernt?

Billy: Wir sind damals als Duo gestartet. Mit dabei war ein befreundet und talentierter Drummer, Ben hieß er. Doch bei einer Show ging er mir richtig auf den Sack und beleidigte mich während der Show. Ich trat ihn dann ziemlich feste, so dass er kaum die Show zu ende Spielen konnte. Das war wirklich eine heiße Phase bei uns als Band, weil er seine Hormone nicht mehr im Griff hatte und nur noch nervte. Ich hatte damals bereits 80% des Albums fertig und sah über Bens jugendliches und albernes Verhalten hinweg und wir nahmen weiterhin ein paar Songs auf und dann noch mit weiteren befreundeten Musikern. Als das Album fertig war, habe ich mir dann Musiker gesucht, mit denen ich den Vibe des Albums auch live rüber bringen kann. Da jeder jeden in Tel Aviv kennt, dauerte es nicht lange bis ich Dan Zeytune, Tal Miller, und Yonatan Lev traf und wir gemeinsam Billy And The Firm bildeten.

Wie sind die bisherigen Reaktion auf das Album “Thoughts From The Lioness‘ Lab“?

Billy: Die Reaktionen sind großartig. Die einzige negative Reaktion kam von meiner Mutter, die eher auf Polka steht. Wir können es auf jeden Fall kaum erwarten endlich auf Tour zu gehen und die Songs live zu spielen.

Wieso beschreibst du “Thoughts From The Lioness Lab” als einen „behutsam geplanten Unfall“?

Billy: Das Album war meine erste Produktion und ich hatte eine Vision, die auf ein Gefühl basierte. Ich musste herausfinden, wie ich die richtige Harmonie zwischen den Klängen finde. Ein aufregender und kreativer Prozess war das für mich.

Welche Bands haben musikalischen Einfluss auf euch?

Billy: Es sind sehr viele Bands, ob Classic- oder Modern- Rock. Wir sind da sehr offen, was man als Musiker auch sein sollte. Die Liste, die ich erstellen könnte wäre endlos. Aber hier ein paar Bands: The Velvet Underground, Bob Dylan, Johnny Cash, The Stones, Hendrix ,Sonic Youth, The Sonics, Pixies, PJ Harvey, the Yeah Yeah Yeahs, The Cramps, Magnetic Fields , Yola Tengo,..

Du hast dein Album bestimmt unzählige Male schon gehört. Was ist deiner Meinung nach  das spannendste an „Thoughts From The Lioness Lab?

Billy:“Thoughts From The Lioness Lab” ist sehr organisch geworden. Jeder Song ist einzigartig und bringt seine eigene Stimmung mit, dabei hört man deutlich, dass alles aus einer Hand und Richtung kommt.

Mit “It’s Not Tibet” hat du auch einen politischen Song auf deinem Album. Bist du auch in deiner Freizeit politisch aktiv?

Billy: Ich schwenke keine Propaganda- oder Revolutions-Fahnen. Wenn man wie ich aus Israel kommt, wo politische Ämter immer wieder mit umstrittenen Staats-und Regierungschefs besetzt werden, versucht man einfach nur sein Leben zu leben. Und mein Leben besteht daraus, als Video-Künstler aktiv zu sein und Musik zu machen. Kunst und Liebe ist das, was dem Leben Sinn gibt.

Wie beschreibst du die Situation in Israel aus der Sicht?

Billy: Ich lebe hier in Jaffa unter den israelischen Arabern und ich liebe die Menschen in meiner Nachbarschaft. Ich glaube, dass es hier ein politisches Wunder geben muss, dass man miteinander im Mittleren Osten leben kann. Ich weiß, es klingt Naiv, aber ich glaube an Wunder.

Was kannst du uns über die Indie-Musik Szene in Israel sagen?

Billy: Wow! Ich bin glücklich mitteilen zu können, dass sich da einiges entwickelt hat in den letzten Jahren. Aber im Vergleich zum Westen stehen wir weiterhin hinten an. Ein Grund ist sicherlich, dass es in Israel kein Musik-Magazin gibt –  außer für hebräische Mainstream Musik. Aber hey! Israel ist ein junges und kleines Land mit gerade mal 6 Millionen Einwohnern. Als Teeanger wusste ich nicht einmal was Indie war. Das einzige was ich kannte, war Madonna. Ich bin gespannt, wie sich das hier entwickelt. Viele große Alternative Acts aus Europa und den USA kommen ja mittlerweile hier auf Tour. Ein wichtiges Signal, um die kulturellen Bedürfnisse der jungen Generationen zu befriedigen.

Wie wichtig ist MySpace für eine Band wie Billy And The Firm?

Billy: MySpace ist das wichtigste und revolutionärste Webtool für Musiker in den letzten Jahren. Gott segne MySpace!

Welche Pläne habt ihr für 2010?

Billy: Unser Album kommt nun im Februar raus, dann geht es auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ende März werden wir dann zwei Videos zu den Songs „Bam Bam“ und „Orange Tree“ drehen, weitere Songs fürs nächste Album schreiben du hoffen wieder auf Tour gehen zu können.

Was kann man erwarten, wenn man ein Konzert von euch besucht?

Billy: Du bekommst eine aufregende und energiegeladene Rock’n’Roll Show. Voll gepackt mit guten Songs und überraschenden Covers. Dazu eine coole Video-Art Show, jede Menge Spaß und einen Vibe, mitgebracht von der warmen Sonne des Strandes von Tel-Aviv.

Danke für das Interview? Das letzte Wort gehört Dir.

Billy: Lebe im Jetzt und wir sehen uns auf Tour.

Info: www.myspace.com/billyandthefirm

(Markus Tils)