DIORAMIC: „Wir fühlen uns bestätigt und erleichtert“

Eine Band, deren Energie aus dem Versuch entspringt die unterschiedlichsten Stile in ihre Songs zu integrieren, ist DIORAMIC aus Kaiserslautern. Ihr unabhängiger, frischer Sound auf ihrem Debütalbum „Technicolor“ ist geprägt von Bestandteilen die in vieler Hinsicht nicht unterschiedlicher sein könnten.

Erst einmal Glückwunsch zum Album “ Technicolor“! Die ersten Shows der „Technicolor-Tour“ sind gespielt. Wie ist euer Resümee bis jetzt? Merkt Ihr, dass die Aufmerksamkeit gewachsen ist?

Bisher läuft eigentlich alles sehr gut. Das sollte ja eine kleine Tour sein, selbst organisiert, einfach, um rumzukommen und vor den ersten richtigen Fans zu spielen. Die Aufmerksamkeit ist definitiv gewachsen. Das merkt man schon daran, dass wir es überhaupt geschafft haben, die Konzerte zu buchen.

Eure Songs bieten auf Platte viel Atmosphäre und Dichte. Wie klappt die Live-Umsetzung? Schließlich seid ihr auch nur zu dritt auf der Bühne.

Das stimmt nicht ganz. Live sind wir seit einem guten Jahr zu viert auf der Bühne. Max Nicklas, der auch das Artwork zu Technicolor gemacht hat, spielt live Keyboards bei uns. Daher klappt die Live Umsetzung natürlich ganz gut. Ohne ihn wäre das sicher schwierig, da am Ende doch viele Instrumente auf dem Album gelandet sind.

Welche Mucke läuft bei euch im Tourbus?

Momentan hat Anton die Gewalt über die Musikauswahl getroffen. Daher läuft bislang nur Electro oder die aktuellen Hits aus dem Radio. Lady Gaga, Rihanna, Ke$ha, David Guetta, Wolfgang Gartner, Kerry Hilson, Modern Talking und Mystic Circle. Das ist schön entspannend.

2007 wart ihr bei VISIONS Demo des Monats. In der aktuellen Ausgabe  erhält ihr dort 8 von 12 Punkten und seit bei einem renommierten Label. Überrascht?

Nein, ich muss ehrlich sagen: Nicht wirklich. Wir sind auf jeden Fall sehr zufrieden und freuen uns darüber, jedoch stecken wir uns auch sehr hohe Ziele und geben nicht nach, bis wir diese erreicht haben. Wir fühlen uns eher bestätigt und erleichtert.

Wie seiht ihr auf den Titel „Technicolor“ gekommen und welche Bedeutung hat der Titel für euch?

Das Wort „Technicolor“ hat für uns zwei Bedeutungen: Zuerst ist es ein Begriff, der im Zusammenhang mit der Entwicklung von Farbfilmen steht. Da wir alle große Filmfans sind, hatte es für uns einen gewissen Reiz, einen Terminus aus der Filmsprache als Titel für unser Album zu wählen. Das bringt eine visuelle Assoziation mit in die Musik.Zweitens hat der Begriff für uns aber auch eine Bedeutung unabhängig der geläufigen. Die beiden Worte „Technic“ und „Color“ lösen für sich gesehen ganz unterschiedliche Impressionen aus. Während man sich unter „Technic“ eher etwas Kühles, Steriles und Maschinelles vorstellt, verbindet „Color“ in sich Eigenschaften wie Farbenvielfalt und Lebendigkeit. Die Zusammenführung dieser sich kontrastierenden Begriffe gefiel uns besonders, da wir der Meinung sind, dass auch unsere Musik von dem Widerspruch aus „Technic“ (z.B. die technischen Aspekte auf den Instrumenten)  und „Color“ (z.B. die Dynamik und Harmonik der Kompositionen) lebt. Arkadi hat den Begriff irgendwann aufgeschnappt und wir alle waren begeistert davon.

Wenn ihr selbst „Technicolor“ hört, woran denkt ihr? Welche anderen Bands kommen euch selbst in den Sinn, wo ein „normaler Hörer“ sich denkt, dass man davon musikalisch beeinflusst wurde?

Mir kommen da eigentlich keine Bands in den Sinn, weil wir uns beim Komponieren nicht bewusst an irgendwelchen Bands orientiert haben. Ich denke dann eher über die Struktur nach und was sinnvoll und gelungen ist und was vielleicht weniger elegant gelöst wurde. Es ist für mich jedenfalls sehr schwer, das Album einfach „nur zu hören“. Und was da andere heraushören, das kann ich mir auch immer schwer vorstellen. Das kommt darauf an, wie viel Musik die Hörer kennen. Wenn jemand nur Dream Theater als Beispiel für progressive Musik kennt, wird er uns damit vergleichen, obwohl wir Dream Theater überhaupt nicht leiden können. (musikalisch gesehen)

Anfang 2008 kam Kurt Ebelhäuser auf euch zu und wollte mit euch arbeiten. Wisst ihr, wie er auf euch gestoßen ist? Habt ihr gleich zugesagt? Wie war die Situation für euch?

Kurt ist über Sascha, den Roadie von Blackmail, auf uns aufmerksam geworden. Der hatte uns einst auf einem Konzert gesehen, fand uns super und hat Kurt von uns vorgeschwärmt. Es war natürlich sehr spannend für uns, als wir hörten, dass er Interesse an uns hat und auch zu einem Konzert kommen wird. Wir haben uns dann mit ihm unterhalten und direkt super verstanden. Er hat uns ja einfach ein Wochenende zum Aufnehmen angeboten und wer würde das nicht machen? Da gab es gar keine Bedenkzeit.

Aufgrund euer diversen Musikstile versucht man euch irgendwie in eine Schublade zu stecken. Ihr selbst bezeichnet euch selbst als „Art-Core“ in Anlehnung von siebziger Jahren Größen wie King Crimson und Yes. Ist das die Flucht nach vorn, um gleich von Anfang an klar zu machen was man ist und keine Lust hat, mit seinem Sound musikalisch missverstanden zu werden?

Eigentlich war das nur der Versuch, einen Begriff zu finden, der unserer Meinung nach das, was wir machen, beschreibt. Missverstanden, auch im Sinne von anders verstanden, wird man so oder so. Wir hatten schon etwas Angst davor, in die Metalcore- oder Screamo-ecke gesteckt zu werden. Jetzt denke ich auch, dass wir uns da eigentlich keine Gedanken drum hätten machen müssen. Aber man weiß ja nie. Wir jedenfalls kümmern uns jetzt nicht mehr darum, wie die Leute uns einstufen. Wenn sie sich so besser verständigen können, warum nicht? Menschen brauchen Kategorien, auch in der Kunst. Der Künstler jedoch kümmert sich nicht darum.

Findet ihr, dass eure Musik leicht zugänglich ist?

Nein, definitiv nicht. Würde ich uns live das erste Mal sehen, ohne uns zu kennen, würde ich mir in aller Ruhe das Konzert ansehen und zuhören. Man muss die Sachen von uns auf jeden Fall öfter hören. Ich sehe das oft, dass sobald die Zuschauer den Groove gefunden haben, ein Taktwechsel kommt und sie wieder draußen sind. Aber das ist eben die Musik, die uns gefällt und die für uns auch einen künstlerischen Wert hat.

In einem Interview wurdet ihr gefragt, warum ihr nicht „typisch deutsch“ klingt. Was wäre denn „typisch deutsch“ für euch?

Das sind wohl Bands, die mangelnde Eigenständigkeit vorweisen. Die haben Vorbilder aus den Staaten und sind stolz, wenn sie endlich so klingen wie die. Gerade im Metalcore Bereich ist das extrem. Wobei es in der Indie Ecke auch nicht anders aussieht. Das habe ich leider bei vielen deutschen Bands schon gesehen. Es gibt auch viele gute deutsche Bands, so ist es nicht. Aber gerade unter den „Newcomern“ fehlt sehr oft die Eigenständigkeit. Blackmail zum Beispiel klingen auch nicht typisch deutsch oder auch die Beatsteaks. Die ziehen einfach ihr Ding durch und das finde ich super.

Wie kam der Deal mit Lifeforce Records zustande? Und mit welchen Labelmates könnt ihr euch am besten identifizieren?

Wir waren seit 2006, nachdem wir eine Promo mit neuen Songs an Lifeforce geschickt hatten und unsere Freunde von Fear my Thoughts sich für uns bei Lifeforce einsetzten, in Kontakt mit dem Label. Damals kam dann aber ein anderes Angebot dazwischen, das sich im Nachhinein als Fehler entpuppen sollte. War from a harlots mouth haben sich schließlich auch für uns eingesetzt und nach der Aufnahme mit Kurt hat sich dann doch eine Zusammenarbeit mit Lifeforce ergeben. Wir hatten also das Album schon fertig aufgenommen, als wir bei Lifeforce unterschrieben. Identifizieren ist ein schwieriger Begriff, wir haben ein kleines Problem mit Fremdidentifikation. Aber wir finden einige Bands ganz gut. Wie oben schon gesagt, War from a harlots Mouth sind zum Beispiel Freunde von uns. Mit denen haben wir am häufigsten  Kontakt.

Neben der „Technicolor Tour“ gibt es auch Auftritte als Support von Skindred und auch Therapy? Freut ihr euch auf diese Shows und auch auf ein ganz spezielles und anderes Publikum zu stoßen?

Ja, definitiv. Wir haben schon für die verschiedensten Bands als Support gespielt: Blackmail, Meshuggah, War from a harlots Mouth, etc. Wir sind oft auf Publikum aus einem ganz anderen Bereich gestoßen und sind immer gespannt, wie die Leute reagieren. Ich denke aber, dass die Leute da ok sind, weil wir uns auch nicht allzu ernst nehmen. Die werden das hoffentlich honorieren.

Ihr seid alle recht Jung und habt gerade den Zivildienst hinter euch. Welche Prioritäten habt ihr jetzt gesetzt? Habt ihr jetzt vor, einige Jahre das Hauptaugenmerk auf die Band zu legen?

Ja, definitiv. Es gibt keinen anderen Plan als die Band, Gitarrenunterricht und unser Tonstudio (Myspace.com/Mysteriumstudio). Mal sehen, was sich sonst noch ergibt. Studiomusiker wäre natürlich auch was. Es gibt viel zu tun in der Musikbranche, wir interessieren uns dafür und haben schon früh viel Erfahrung sammeln können.

Welche Pläne stehen für 2010 noch an?

So viele Konzerte wie möglich spielen, viele Bands in unserem Tonstudio aufnehmen und das Ganze Ding antreiben. Außerdem bereiten wir uns schon auf die nächste Platte vor, die dieses Jahr noch aufgenommen werden soll. Also: Vollgas geben.

Ein paar letzte Worte noch an die Leser?

Besucht uns auf einem Konzert oder auf unserer Site Myspace.com/dioramic. Dort gibt es Songs, Videos und viel Spaß. Vielleicht sieht man sich dann mal!

Danke für das Interview

Gerne, gerne.