ITCHY POOPZKID: Kein Titelsong für ne Damenbindenwerbung

2011 – Neues Jahr, neues Album, neue Tour, eigene Plattenfirma – Itchy Poopzkid sind zurück und zeigen in neuem Gewand, mit gewohnter Energie und Leidenschaft warum sie im zehnten Jahr der Bandgeschichte stärker brennen als je zuvor: Mit Lights out London erschien am 25. Februar 2011 das vierte Studioalbum, diesmal auf dem bandeigenen Label Findaway Records. 12 neue Songs, die die Punkrocker in der deutschen Punkszene etablieren und ihre Konzerte zum bersten bringen. Via Mail saßen Sibbi und Panzer am Rechner und beantworteten unsere Fragen.

Wie fährt sich euer neuer Suzuki?

Sibbi: Haha, danke der Nachfrage. Er fährt sich echt gut. Es sei denn Panzer sitzt am Steuer…

Ist denn ein Geländewagen überhaupt Punkrock?

Sibbi: Um das zu gewährleisten packen wir auf jeder Fahrt nen Hund mit ein und fahren mindestens einen Bahnhof pro Tag an, dann passt das mit dem Punkrock schon. Aber Spass bei Seite, zum einen versuchen wir überhaupt nicht „Punkrock“ zu sein, was auch immer das bedeutet. Wir sind einfach wir und haben großen Spass dabei. Sei es jetzt auf der Bühne oder eben in nem Geländewagen.

Wer von euch hat die meisten Punkte in Flensburg?

Panzer: Also ich bin in meiner zweiten Führerscheinprüfung falschrum in nen Kreisverkehr  eingefahren. Zum Glück konnte ich da noch keine Punkte bekommen. Die hätten mir sonst bestimmt nen Pokal geschickt, weil das sicher noch niemand vorher geschafft hat…

Wie kam es dazu, dass ihr quasi „The Hives“ beerbt und für den Werbespot den Song beigesteuert habt?

Sibbi: Suzuki hat uns angefragt, ob sie unseren Song als Titelsong der neuen TV- und Kinokampagne benutzen dürfen. Da Suzuki auf dem Feld echt ne kredibile Marke ist, und auch viel im Rockbereich gemacht hat die letzten Jahre, zuletzt eben auch mit „The Hives“ war das für uns eigentlich eher ne Ehre und ne sehr große Freude als die Anfrage kam.

Gibt es da auch negative Stimmen aus eurer Fanbase, die das überhaupt nicht gut finden, dass Suzuki mit eurem Song wirbt?

Sibbi: Bisher haben wir noch keine Beschimpfungen über uns ergehen lassen müssen. Aber das liegt wie grade gesagt wohl auch daran, dass Suzuki eben sehr rock-afin ist. Wäre „The Living“ der Titelsong für ne Damenbindenwerbung würde das wohl anders aussehen, wobei wir sowas ja auch definitiv überhaupt nicht machen würden.

Panzer: Klar muss man sich schon fragen, ob man seine Musik für Werbung hergeben möchte, aber wenn es mit der Marke passt finde ich das total in Ordnung. The Clash haben auch mal „Should I stay or should I go“ für Jeanswerbung abgegeben und solange die Beatsteaks bei „Marienhof“ im Hintergrund laufen, brauchen wir uns um so etwas echt keine Sorgen machen.

Was macht eurer Meinung die neue Platte musikalisch aus und wie steht ihr persönlich zu dem neuen Material?

Panzer: Man ist ja immer sehr euphorisch, wenn man was Neues am Start hat, aber ich kann echt sagen, dass wir uns selbst noch nie so mit einer Platte begeistert haben. Es passt einfach alles diesmal und ich freue mich drüber, dass wir nach dem etwas glatteren „Dead Serious“ die Gitarrenverzerrer wieder auf 12 gedreht haben. Ich kann mich auch ein halbes Jahr nach den Aufnahmen noch über einzelne Textpassagen freuen, die mich packen und finde es nach wie vor super, dass es abwechslungsreich ist und dabei trotzdem eine klare Linie hat.

Von politischen Aussagen, wie bei „Why still bother“, den ihr für eine Tierschutzorganisation geschrieben habt, bis ganz persönlichen Dingen ist textlich alles dabei. Dennoch, was ist der wichtigste Song der Platte?

Panzer: „Why still bother“ war uns wichtig, um ein Statement abzugeben und die Leute wachzurütteln. Wir finden es einfach schlimm, dass so viele Menschen bei allen negativen Dingen immer wegschauen und sich nicht angesprochen fühlen, nur weil es nicht vor der eigenen Haustüre passiert. Ansonsten schreiben wir echt über viele Dinge, die mit unserem eigenen Leben zu tun haben: Fernweh, zerbröckelnde Beziehungen oder Freundschaften und die immer währende Rastlosigkeit, die wir aus irgendeinem Grund verinnerlciht haben. Zwischendurch gibt’s aber auch mal Songs in denen wir einfach nur die Musik abfeiern oder die Hauptaussage „Halt doch mal bitte die Schnauze jetzt.“ ist. Einen wichtigsten Song des Album gibt es dadurch für mich so nicht.

Ihr geht jetzt auf Tour und da stellt sich die Frage, was euer Drink für jede gute After-Show Party ist?

Sibbi: Oh, das ist bei uns allen sehr unterschiedlich. Da ich persönlich kein Bier und keinen Wein trinke, fängt bei mir immer alles erst ab 40% an. Wenns auf der Aftershow Party Cocktails gibt, dann bin ich im siebten Himmel, werde aber deswegen oft schief angekuckt von der Biertrinkerfraktion.

Panzer: Du bist halt eben auch der einzige Typ, der sich nach ner Punkrockshow in nem vollgesifften Konzertclub einen „Bailyes“ bestellt..

Und was ist euer Rezept gegen den Kater danach?

Panzer: Vor dem Einschlafen ne Flasche Wasser trinken. Das ist das wichtigste. Sollte man am nächsten morgen dennoch merken, dass das nicht funktioniert hat, umgehend das nächste Bier ansetzen.

Einige Shows sind bereits in größere Locations verlegt worden. Ein gutes Gefühl?

Sibbi: Klar, das macht uns natürlich stolz und glücklich, vor allem weil wir grade nach nem halben Jahr Live-Pause so dermaßen Bock haben auf die Tour jetzt und fast durchdrehen. Dass die Leute scheinbar genauso große Lust haben wie wir macht die Sache natürlich noch schöner.

Was ist die überflüssigste Anschaffung, die ihr als Band je gemacht habt?

Sibbi: Unser Bassist.

Panzer: Das sagst du ja nur, weil du tightnessmäßig neben mir völlig verblasst.

Was war die beste und die schlechteste Entscheidung eurer Karriere?

Panzer: Die beste war sicherlich die Band vor 10 Jahren ins Leben zu rufen. Die zweitbeste ist, damit niemehr aufhören zu wollen und die schlechteste Entscheidung war auf einer Konzertausfahrt freiwillig nen Tetra-Pack „Milchvergorenen Sauerkrautsaft“ zu trinken. Wir haben den nächstmöglichen Rastplatz so dermaßen vollgekotzt…

Was ist der mieseste Job, den ihr je hattet? Vielleicht Chef des eigenen Labels?

Sibbi: Nein, obwohl wir grade mit Sicherheit die meiste Arbeit verrichten müssen, ist der Label-Job und überhaupt der Band-Job mit Abstand das Beste was wir uns vorstellen können. Wir mussten Gott sei Dank noch nie im Leben so richtig arbeiten, also abseits der Musik. Am Anfang nach dem Abitur haben wir aber noch teilweise so Ferienjobs oder 400 EUR Jobs gemacht, um uns über Wasser zu halten, was seit einigen Jahren Gott sei Dank nicht mehr nötig ist. Willst Du vielleicht von den Telefonbüchern erzählen, Panzer?

Panzer: Alter…Im Winter im Tiefschnee, bei teilweise -18°C zehn Tage lang Telefonbücher austragen. Das war das Allerschlimmste was wir jemals gemacht haben. Das Einzige was mich da am Leben gehalten hat, war den anderen beiden dabei zuzusehen, wie sie ebenfalls ständig fluchend im Schnee steckenblieben und aufgrund des Telefonbuchübergewichts ständig umgefallen sind.

Wie ist es nun, sein eigenes Label zuführen? Kommt da auch schon mal die eine oder andere Schweißperle auf die Stirn?

Sibbi: Die Wochen vor der Veröffentlichung des Albums waren wirklich richtig, richtig stressig. Da sitzt man dann halt echt 8 Stunden im Büro und macht teilweise irgendwelchen Papierkram und dann geht man noch 4 Stunden in den Proberaum und probt für die Tour. Aber wir sehen das alles Gott sei Dank nicht als Arbeit an. Wir sind so unglaublich glücklich, dass wir die ganze Sache machen dürfen, das kannste Dir echt nicht vorstellen.

Jetzt die Tour, dann im Sommer bestimmt die Festivals. Aber was kommt dann und in Anbetracht das ihr ein Label habt stellt sich die Frage, ob ihr Bands signen wollt.

Panzer: Im Moment stehen einfach noch die Promo und natürlich die vielen Konzerte dieses Jahr im Vordergrund. Danach werden wir versuchen einige Sachen im Ausland an Land zu ziehen, weil uns das am Herzen liegt und vielleicht releasen wir auch irgendwann mal andere Bands. Dafür gibt’s aber bei Weitem noch keine Pläne.

An dieser Stelle vielen Dank für das Interview. Habt ihr noch irgendwas, was ihr unseren Lesern mit auf den Weg geben wollt?

Sibbi: He, She, It, das S muss mit.

Panzer: (lacht) und lasst euch auf unserer Tour blicken! Mitzubringen sind trockene Shirts für danach, ein paar Ersatzschnürsenkel und gute Textkenntnisse zum Mitgröhlen. Das wird super!

www.itchypoopzkid.de