THE BLACKOUT ARGUMENT: Ausbruch aus der Stagnation

Am 4. Februar 2011 erschien das neue THE BLACKOUT ARGUMENT Album „Detention“ auf Redfield Records, dass durch den Input aller Bandmitglieder gleichermaßen eingängig wie anspruchsvoll geworden ist. Der lebendigen und mitreißenden Mischung aus melodischem Rock und „Hardcore ohne Scheuklappen“ kann man sich nur schwer entziehen. Gitarrist Chris und Sänger Raphael standen unseren Fragen Rede und Antwort.

Glückwunsch zum neuen Album. Aus meiner Sicht übertrifft es voll und ganz die Erwartungen. Wie ist generell das Feedback? Seid ihr zufrieden?

Chris: Vielen Dank! Bisher ist das Feedback sehr gut. Wir lesen mit Spannung jedes Review über „Detention“ und freuen uns natürlich darüber, wenn sich ein Redakteur intensiv mit dem Album auseinander setzt. Fast jeder hat uns mit „Detention“ einen gewissen „Reife-Schub“ bescheinigt und geschrieben, dass die Songs runder und „erwachsener“ klingen. Auch wenn das letztendlich nicht unser Hauptziel war, freuen wir uns natürlich, dass wir uns offensichtlich nicht zurückentwickelt haben 😉

Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit mit eurem neuen Label Redfield Records gegenüber eurem alten Label Lifeforce Records?

Chris: Oha, da gibt es natürlich eine ganze Reihe von Unterschieden. Jedes Label arbeitet ein bischen anders, ich spreche da aus Erfahrung da ich ja mit Let it Burn Records selbst ein Label am Start habe. Was man auf jeden Fall bei den Redfield Jungs ganz deutlich merkt ist, dass sie sich bei jeder Band neue Gedanken darüber machen wie man diese am besten pushen kann. Eine Promo die beispielsweise für HIS STATUE FALLS super funktioniert muss nicht auch zwangsläufig für SIGHTS & SOUNDS klappen. Davon haben wir mit THE BLACKOUT ARGUMENT auf jeden Fall profitiert, da wir es als einzige „nicht-metal-band“ auf einem reinen Metal-Label nicht immer leicht hatten.

Wie sehr freut man sich eigentlich auf die ganze Promoarbeit, die ein neues Album mit sich bringt?

Chris: Hahaha ein guter Zeitpunkt um so eine Frage zu stellen wie langsam das gröbste wieder am abklingen ist 😉 Natürlich freut man sich im Vorfeld extrem auf die ganze Promoarbeit, nach einer Weile merkt man allerdings wieder wie anstrengend und zeitraubend das ganze ist. Im Endeffekt ist das mindestens so aufwendig wie im Studio an einem Album arbeiten. Man muss ja nicht nur Interview-Fragen beantworten sondern auch tausend andere Dinge liefern. In der „heissen Phase“ haben die Redfield Jungs und ich uns zum Teil 50 E-Mails am Tag hin und her gehämmert, wenn man da mal für 2 Stunden was anderes gemacht hat war das Postfach schon am überquillen 😉

Als Leitmotiv und Konzept orientiert sich „Detention“ an den Film „The Breakfast Club“ von 1985, der von den typischen Charakteren, die man aus Highschool Filmen kennt, handelt: Sportkanone, Freak, Schlaukopf, verwöhnte Prinzessin und flippiges Girl. Wie würdet ihr diese unterschiedlichen Charaktere auf The Blackout Argument beziehen?

Chris: Genau wie die Hauptfiguren Film sind THE BLACKOUT ARGUMENT fünf vollkommen unterschiedliche Charaktere die auf den ersten Blick niemals zusammen finden können. Durch die gemeinsame Erfahrung zusammen in einer Band zu spielen wachsen wir jedoch zu einer Einheit zusammen. Wir sprechen die gleiche Sprache, haben ähnliche Ziele und Vorstellung davon wie wir sie erreichen wollen. Niemand von uns musste jemals einen Teil seiner eigenen Identität für die Band aufgeben. Die Stärke von THE BLACKOUT ARGUMENT liegt definitiv nicht zuletzt auch in der Vielfältigkeit ihrer Mitglieder. Wenn du jetzt von mir hören wolltest wer von uns die Prinzessin und der der Schlaukopf ist dann muss ich dich leider enttäuschen 😉

„Detention“ heißt übersetzt: Nachsitzen. Wer von euch war denn der Nachsitzkönig und vor allem, weswegen musstet ihr nachsitzen?

Chris: Eine SEHR gute Frage 😉 Ich weiss nicht so viel über die schulischen Vergehen meiner Bandkollegen aber ich war mit 7 Schulverweisen und etlichen malen Nachsitzen ganz gut dabei. Ich erinnere mich noch an einen besonders spannenden Nachmittag an dem ich wegen irgendeiner Lapalie (ich glaube die Anklage lautete „Kaugummi unter den Stuhl geklebt“) nachsitzen musste. Die „Strafarbeit“ war Overhead-Projektoren zu putzen. Dafür hatte uns der Lehrer seinen Schlüsselbund (!) da gelassen. Wir hatten Zugang zu ALLEN Räumen der Schule und haben einen ganzen Tag damit verbracht den Speicher, die Keller-Archive, das Lehrerzimmer und den „Vorhof zur Hölle“ (so nannten wir damals das Zimmer des Kon-Rektors) zu durchforsten. Ein äußerst spannender Nachmittag an den ich mich heute immer noch gerne zurückerinnere.

Raphael: Haha, ich erinnere mich an die 5. Klasse, als ich wegen nicht gemachten Hausaufgaben nachsitzen musste und bereits 1 Woche davor die Hosen gestrichen voll hatte. Schlussendlich durfte ich dann den Schul-Schach-Club-Nerds beim „Spielen“ zuschauen und ein 10.-Klässler, vor dem ich mich schrecklich fürchtete, presste mir Storys wie „grade war ich auf dem Klo und hab die Wurst senkrecht platziert, Kleiner…“ in Endlosschleife…harte Zeiten!

Mit Eric und Schwede waren zwei neue Mitglieder zum ersten Mal an einem TBA Album beteiligt. Wie haben sich die beiden in den Prozess eingegliedert?

Raphael: Die beiden haben sich gleichermaßen stark am Albumprozess mit eingebracht, was man den Songs auch anmerkt. Eric sowie Christian (Schwede) sind beide große Bereicherungen für The Blackout Argument!

Chris: Eric ist ja schon seit Anfang 2009 dabei und Schwede ist dann im Herbst 2009 dazu gekommen. Beide waren also bei „Detention“ von Anfang an mit dabei und haben den gesamten Entstehungsprozess maßgeblich mit geprägt. Jeder von uns hat eine komplett andere Herangehensweise Songs zu schreiben, zu bewerten, zu überarbeiten oder zu kritisieren. Im Laufe der Monate haben wir irgendwann eine „gemeinsame Sprache“ entwickelt mit der wir an den Tracks gearbeitet haben. Ich freue mich schon auf unser nächstes Album wenn wir auf diese gute, interne Kommunikation aufbauen können!

Wie kam die Reihenfolge der Trackliste eigentlich zusammen? Erst nach Ende oder habt ihr schon in den Anfangsphase gewusst, dass dieser Song es auf jeden Fall aufs Album schafft?

Chris: Wir hatten uns so ne Art „Blanko-Tracklist“ angefertigt. Also eine großes Poster auf dem 14 Tracks mit Bezeichnungen wie „schneller Song / geht nach vorne“, „rockiger Midtempo-Song“ oder „ruhiger/melodischer Song“ verzeichnet waren. Im Endeffekt war es ein „Rohbau“ eines Albums mit einem perfekten Spannungsbogen. Das Poster hing die ganze Zeit bei uns im Studio und Proberaum rum und wir haben versucht beim Schreiben der Songs immer wieder darauf Bezug zu nehmen. Da wir am Ende ja 20 Songs hatten konnten wir den ausgewogenen Spannungsbogen der uns vorschwebte sehr genau nachbauen.

Worin liegen Eurer Meinung nach die Stärken der neuen 14 Tracks?

Chris: So was ist schwierig in Worte zu fassen weil jeder Musik irgendwie anders wahr nimmt. Es gibt Leute die hören Songs eher analytisch. Denen würde ich sagen, dass die Stärke der 14 Tracks darin liegt, dass sie sich an ein nachvollziehbares (Rock-)Schema halten in dem kein Part zu oft oder zu selten vorkommt. Wieder andere Leute hören Musik eher emotional, denen würde ich sagen, dass es nur Tracks auf „Detention“ geschafft haben die uns selbst textlich und musikalisch mitreissen. Es gibt keine Füller, jeder einzelne Song steht für sich und hat seine feste Funktion auf dem Album. Ein weiterer Punkt den glaube ich jeder nachvollziehen kann ist die Tatsache, dass wir für „Detention“ noch viel mehr als jemals zuvor den Gesang in den Mittelpunkt gerückt haben. Nur Songs mit starken, eigenständigen Melodien haben es aufs Album geschafft was letztendlich definitiv eine Stärke von „Detention“ ist.

Wie seid ihr auf das Cover gekommen und welche Idee/Geschichte steckt dahinter?

Raphael: Das Cover ist die Endszene in „The Breakfast Club“. Es symbolisiert den Sieg durch die Gemeinschaft, die die fünf zusammengewürfelten Kids gegen ihr Umfeld, sprich den Lehrer, ihre Familien und ihre Schicksale, gewinnen. Es ist der Ausbruch aus der Stagnation.

Chris: Oder um es mit einer Textzeile aus „Overweight Against Heart Attacks“ zu erklären: Am Anfang des Films sitzen alle wiederwillen in der Bibliothek und hassen die Tatsache, dass sie jetzt nachsitzen müssen (OUR TIME IS UP). Am Ende des Films sind alle voller Hoffnung, Selbstbewusstsein (OUR TIME IS NOW).

Ihr habt drei Gastsänger auf dem Album. Wann im Laufe des Songwriting/Aufnahmeprozess stand für euch fest, dass da noch externe Sänger mit auf Platte müssen? Wie passen die drei in das Gesamtbild des Konzeptes oder anders formuliert: Welche Rolle spielen sie?

Raphael: Wir hatten in erster Linie Bock auf Vocals von Fink, Andrew und Ben! Außerdem wären die Parts, hätte ich sie eingesungen, nicht halb so cool geworden. Wir sind alle große Fans von den Guest Vocal Parts, die für mich nicht wegzudenken sind und „Detention“ noch ein wenig mehr Würze verleihen!

Chris: Im Endeffekt haben uns die Songs gesagt, dass sie einen Guest-Vocal-Part haben wollen. Wir haben nicht willkürlich irgendwelche Tracks genommen und dann etwas darüber geballert. Jedes der drei Guest Features gehört genau an diese Stelle im Song um ihn perfekt/rund zu machen.

Warum ist „Satisfying Angst“ der beste Song auf dem Album?

Chris: Hahaha, WER SAGT DAS?!?! 🙂 Ich für meinen Teil kann echt nicht sagen, welcher Song auf „Detention“ der beste ist. Ich glaube du würdest da auch 5 vollkommen unterschiedliche Aussagen bekommen von den 5 Bandmembers. Fakt ist aber, dass „Satisfying Angst“ als Rocksong super funktioniert. Er hat ein cooles Intro, eine treibende Strophe, einen catchy Refrain und  den besten Bridge-Part aller Zeiten. UND: (Bald) das beste Musik-Video aller Zeiten 😉

Welches Anliegen habt ihr mit „Detention“ und welchen Effekt haben aus eurer Sicht die Tracks auf die Zuhörer?

Raphael: Ich persönlich freue mich natürlich immer, wenn Leute auf mich zukommen, weil sie sich mit der Thematik der Texte beschäftigt haben. „Detention“ soll Mut machen, nach vorne zu gehen, über sich selbst hinauszuwachsen, auch wenn alles drum herum nichtig und ausweglos erscheint, man grade einen wichtigen Menschen verloren hat, in einer fremden Stadt einen Neuanfang startet, oder sich einfach beim „Nachsitzen“ im Alltag erwischt.

Gestern MySpace, heute Facebook. Wie zieht ihr die Entwicklung als Band, die auf der eine Seite vom Internet profitiert, aber aufgrund illegaler Downloads daran aber finanziell draufzahlt?

Chris: Das Internet ist ein sehr schnelllebiges Medium. Da kann man als Band schon mal „unter die Räder“ kommen. Wer heute eine neue Band startet und sich darauf verlässt, dass eine Myspace-Page schon reichen wird um genug Leute zu erreichen, der wird kaum eine Chance haben obwohl dieser Grundsatz vor ca. einem Jahr durchaus noch gültig war. Wir haben zum Glück einige Internet-/Web 2.0-/Social Media-Nerds in der Band, so dass wir da ganz gut aufgestellt sind. Was die illegalen Downloads betrifft so wäre es ein Kampf gegen Windmühlen würde man versuchen das auszumerzen. Letztendlich versuchen wir durch eine hochwertige Aufmachung, ein spannendes Album-Gesamtkonzept, schöne Package-Deals, digitale Booklets auf iTunes, Bonus-Material etc. die Leute dazu zu bewegen, sich unser Album zu kaufen und nicht illegal runterzuladen.

Tut es einem Musiker eigentlich nicht weh, wenn er in der S-Bahn sitzt und neben ihn der Jugendliche irgendeinen Song auf seinem Handy hört und es eigentlich gar nicht mehr zu schätzen weiß, wie viel arbeit eigentlich dahinter steckt?

Chris: Nein, darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich habe selbst immer wieder miterleben dürfen wie Musik Menschen die mir Nahe stehen erleuchtet, getröstet, mitgerissen, verstanden und sogar das Leben gerettet hat. Dieses Potential wird niemals versiegen und es ist auch losgelöst davon ob jemand seine Musik über ein Handy oder eine High-End Stereoanlage hört.

Chris ist relativ lange schon im Musikbusiness unterwegs. Gibt es eigentlich einen Werteverfall, den man über die Jahre spüren konnte bei dem Hörer oder hat sich einfach nur alles verschoben?

Chris: Klar, das Musikbusiness egal ob Underground oder Mainstream ist stetig in Bewegung. Von einem Werteverfall zu sprechen finde ich jedoch überzogen, ich würde es eher eine „Werteverschiebung“ nennen. Es ist einfach ganz normal, dass die ältere Generation nicht mehr versteht wie die jüngere tickt. Wenn sich die Eltern der 17-jährigen BEATLES Fans nicht über ihre Kinder aufgeregt hätten und sich selbst dann wiederum über ihre Kinder und die SEX PISTOLS geärgert hätten wäre die Welt nicht im Gleichgewicht. Genau das selbe Prinzip greift wenn heute ein 30-Jähriges Hardcore-„Kid“ das in den 90ern STRIFE, UNBROKEN und TRIAL gehört hat behauptet STICK TO YOUR GUNS hätten nix (mehr) mit Hardcore zu tun 😉

Neues Album, neue Tour? Wie sieht es aus?

Raphael: Yeah! Wir werden im April mit Shai Hulud und Ligeia auf Tour durch Europa ziehen. Wir freuen uns schon wie irre auf die Wochen!  Außerdem spielen wir zusätzlich sehr viele Wochenend-Shows und einige Festivals im Sommer.

Björn Esser von Black Friday29 hat bei einer seinen letzten Shows angekündigt einen Lauftreff zu organisieren. Chris fragt über Facebook nach Sportläden mit Laufbahnanalyse. Ich hab mal gehört, dass man die Midlife-Crisis des Mannes daran erkennt, dass er plötzlich anfängt für einen Marathon zu trainieren. Was ist das Ziel?

Raphael: Chris ist zwar alt, aber für ne Midlife-Crisis lebt er abgesehen vom Hochleistungssport viel zu bewusst ungesund. 😉

Chris: Hahaha, eine super Abschlussfrage! Die Antwort ist: Ja. 😉

Danke für die Eure Zeit! Naja, anstatt sich den ganzen Tag bei Facebook zu tummeln, kann man auch mal paar Fragen beantworten 😉

Chris: Vielen Dank für das coole Interview! Auf Facebook abhängen ist HARTE ARBEIT… 😉 A pros pros: everyone check www.facebook.com/theblackoutargument.